19.10.2026 | 05:35
+38 % in einer Woche! OHB zündet Kursrakete! Als nächstes Nel ASA und First Hydrogen?
Was für eine Woche für die OHB-Aktie. Um rund 38 % schoss das Wertpapier in die Höhe. Damit könnte die scharfe Korrektur beendet sein. Analysten sehen jedenfalls weiteres Kurspotenzial für den deutschen Raumfahrtkonzern. Sie verweisen auf ein sehr gut gefülltes Auftragsbuch. Dieses könnte sich bald noch weiter füllen. Neben der Raumfahrt gehört Robotik zu den Zukunftsmärkten. Führende Investmentbanken prognostizieren der Branche goldene Zeiten. Von den Milliardenumsätzen will sich First Hydrogen ein Stück abschneiden. Gelingt dies, ist die Aktie ein heißer Kandidat für eine Neubewertung. Zumindest auf steigende Kurse haben Aktionäre von Nel Anfang vergangener Woche gehofft. Doch dann sorgten die Quartalszahlen der Norweger für ein schnelles Ende der Rally.
Lesezeit: ca. 6 Min. | Autor: Fabian Lorenz
ISIN: First Hydrogen Corp | CA32057N1042 , DE0005936124 , Nel ASA | NO0010081235
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Der Autor
Fabian Lorenz
Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.
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Robotikmarkt vor Milliardenumsätzen: First Hydrogen vor Neubewertung?
Der weltweite Robotikmarkt steht nach Einschätzung führender Investmentbanken vor einem enormen Wachstum. Dabei dürften Fortschritte bei künstlicher Intelligenz den Einsatz autonomer Systeme in immer mehr Branchen ermöglichen. Morgan Stanley prognostiziert in einer Studie vom September 2026, dass der globale Markt für KI-gestützte Robotik bis 2050 ein jährliches Produktumsatzvolumen von rund 25 Billionen USD erreichen könnte. Hinzu kommen potenzielle wiederkehrende Umsätze mit Dienstleistungen, die nach Schätzungen der Analysten mehr als doppelt so hoch ausfallen könnten. Die Prognose umfasst neben humanoiden Robotern auch andere autonome Systeme.
Wie dynamisch sich insbesondere der Markt für humanoide Roboter entwickeln könnte, zeigt eine Studie der Bank of America vom März 2026. Demnach soll der weltweite Absatz von rund 20.000 Einheiten im Jahr 2025 auf 10 Mio. Einheiten im Jahr 2035 steigen. Dies entspräche einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von rund 86 %. Besonders interessant ist die Bedeutung der verbauten Komponenten. Nach Schätzungen der Bank of America werden lineare und rotierende Aktuatoren, die unter anderem Motoren und Getriebe enthalten, im Jahr 2030 rund 51 % der Hardwarekosten eines humanoiden Roboters ausmachen. Damit eröffnen sich auch für spezialisierte Technologiezulieferer erhebliche Marktchancen. Dass autonome Systeme längst nicht mehr nur in Fabriken und Logistikzentren eingesetzt werden, zeigt der Krieg in der Ukraine. Dort kommen zunehmend unbemannte Bodenfahrzeuge zum Einsatz, die Munition und Nachschub transportieren, Verwundete evakuieren oder gefährliche Kampfaufgaben übernehmen. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums wurden allein in den ersten Monaten des Jahres 2026 mehr als 50.000 Logistik- und Evakuierungsmissionen mit solchen Fahrzeugen durchgeführt. Der zunehmende militärische Einsatz verdeutlicht, dass neben humanoiden Robotern auch spezialisierte autonome Bodenplattformen einen wachsenden Anwendungsmarkt finden.
Von den wachsenden Investitionen in Robotik und autonome Systeme will auch First Hydrogen profitieren. Das kanadische Unternehmen baut derzeit einen neuen Geschäftsbereich auf. So sicherte man sich Anfang September die weltweiten Exklusivrechte an einer KI-gestützten Plattform für unbemannte Bodenfahrzeuge (UGV). Die Technologie soll für unterschiedliche Einsatzbereiche weiterentwickelt und kommerzialisiert werden. Dazu zählen insbesondere militärische Anwendungen wie der Transport von Nachschub und die Unterstützung von Drohneneinsätzen. Auch in der Industrie, im Bauwesen und in der Logistik sieht First Hydrogen Einsatzmöglichkeiten. Die Fahrzeuge sollen je nach Bedarf autonom oder ferngesteuert betrieben werden können.
Mit der vereinbarten Übernahme von 60 % an Exodus Actuation Solutions hat sich First Hydrogen zudem Zugang zu Technologien für Motoren, Getriebe und Robotikantriebe gesichert. Exodus verfügt über 26 erteilte Patente und zehn weitere Patentanmeldungen. Erste Motoren und Getriebe wurden nach Unternehmensangaben bereits produziert und ausgeliefert. Die Technologien sollen unter anderem in humanoiden Robotern und industriellen Automatisierungssystemen eingesetzt werden. First Hydrogen bündelt seine Aktivitäten in der neuen Tochtergesellschaft First Humanoid Corp. Während die UGV-Plattform den Einstieg in den Markt für autonome Bodenfahrzeuge ermöglichen soll, erweitert Exodus die technologische Basis für die Entwicklung und Vermarktung von Robotiklösungen. Damit positioniert sich First Hydrogen in zwei wachstumsstarken Segmenten des Robotikmarktes. Die Aktie ist ein heißer Kandidat für eine Neubewertung.
Nel ASA: Eine Woche mit Höhen und Tiefen
Was für eine Woche bei Nel. Zunächst sorgte das Unternehmen mit einem kleinen Auftrag aus den USA und einer Kooperation mit Rheinmetall für gute Stimmung. Allerdings überraschte es, dass die Aktie nicht freundlicher reagierte. Am Donnerstag wurde die Zurückhaltung von Aktionären belohnt. Der Wasserstoffspezialist veröffentlichte überschaubare Zahlen.
Im dritten Quartal 2026 brach der Umsatz um 63 % auf 112 Mio. NOK ein. Gleichzeitig haben sich die Verluste deutlich ausgeweitet. Das EBITDA verschlechterte sich von -37 Mio. NOK im Vorjahresquartal auf -93 Mio. NOK. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 141 Mio. NOK nach 85 Mio. NOK im Vorjahr. Besonders schwach entwickelte sich das Geschäft mit alkalischen Elektrolyseuren. Hier brach der Umsatz um 91 % auf nur noch 23 Mio. NOK ein. Das Segment-EBITDA rutschte auf -41 Mio. NOK ab. Auch die Liquidität hat sich deutlich verringert. Ende September verfügte Nel noch über liquide Mittel von 1,08 Mrd. NOK. Ein Jahr zuvor waren es 1,76 Mrd. NOK gewesen.
Immerhin gibt es im Geschäft mit PEM-Elektrolyseuren Lichtblicke. Der Segmentumsatz stieg um 65 % auf 89 Mio. NOK. Der Auftragseingang legte sogar um 473 % auf 245 Mio. NOK zu. Konzernweit erhöhten sich die Neuaufträge um 339 % auf 253 Mio. NOK. Der Auftragsbestand erreichte 1,31 Mrd. NOK und lag damit 34 % über dem Vorjahresniveau. Das Management verweist auf eine zunehmende Zahl potenzieller Projekte und Fortschritte bei der Technologieentwicklung. Wann Nel auf Konzernebene wieder schwarze Zahlen schreiben kann, bleibt jedoch offen. Das Unternehmen stellt Profitabilität erst bei einem nachhaltig wachsenden Wasserstoffmarkt in Aussicht.
OHB: +38 % in einer Woche!
Während First Hydrogen noch an der Neubewertung der Aktie arbeitet, ging es bei OHB in der vergangenen Woche kräftig nach oben. Seit Dienstag ist der Kurs rund 38 % in die Höhe geschossen. Allein am Freitag ging es um über 15 % nach oben. Schub gab es zum einen von den Analysten von NuWays. Aus ihrer Sicht ist die jüngste Kursschwäche der OHB-Aktie nicht gerechtfertigt. Im Mai stand die Aktie bei über 600 EUR. Am Freitag ging sie mit 195 EUR ins Wochenende.
Die Analysten verweisen darauf, dass sich der Raumfahrtkonzern im dritten Quartal einen Auftrag im Volumen von knapp 1 Mrd. EUR für das europäische Satellitennetzwerk IRIS² gesichert hat. OHB wird 18 Satellitenplattformen entwickeln und produzieren. Erste Umsätze werden bereits im vierten Quartal erwartet, der Umsatzhöhepunkt dürfte 2028/2029 erreicht werden. Darüber hinaus könnte ein polnisches Vorhaben zur Finanzierung von sechs zusätzlichen Satelliten OHB einen Folgeauftrag über rund 200 Mio. EUR einbringen. Auch beim europäischen Erdbeobachtungsprogramm Sentinel-3 Next Generation rückt eine Auftragsvergabe näher. NuWays schätzt das mögliche Volumen für OHB auf rund 650 Mio. EUR. Der Vertragsabschluss wird im vierten Quartal erwartet.
Weiteres Potenzial sehen die Analysten beim Bundeswehrprojekt SATCOMBw 4. Im Rahmen des Programms soll ein Satellitennetzwerk für eine sichere und unabhängige militärische Kommunikation aufgebaut werden. NuWays rechnet inzwischen damit, dass OHB zwischen 50 und 70 % des auf rund 10 Mrd. EUR veranschlagten Auftragsvolumens erhalten könnte. Bei der Tochter Rocket Factory Augsburg (RFA) könnte sich dagegen der erste Raketenstart aufgrund noch ausstehender Tests und der winterlichen Wetterbedingungen auf 2027 verschieben. Auswirkungen auf die Finanzprognosen erwartet NuWays dadurch nicht. Für das Gesamtjahr 2026 rechnen die Analysten mit einer Gesamtleistung von 1,44 Mrd. EUR und einem bereinigten EBITDA von 158 Mio. EUR. Bis 2028 sollen diese Werte auf 2,41 Mrd. EUR beziehungsweise 308 Mio. EUR steigen. NuWays bestätigt die Kaufempfehlung für die OHB-Aktie mit einem Kursziel von 340 EUR.
Auch von OHB gab es am Freitag Neuigkeiten. Allerdings dürfte die Meldung kaum für den Kursanstieg verantwortlich gewesen sein. Der Raumfahrtkonzern hat gemeinsam mit dem Alfred-Wegener-Institut und der Universität Exeter eine neue Studie im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA gestartet. Im Rahmen des zweijährigen Projekts EO4TIPP soll untersucht werden, wie sich kritische Veränderungen im Erdsystem mithilfe von Satellitendaten frühzeitig erkennen lassen. Im Fokus stehen unter anderem das Auftauen von Permafrostböden, Veränderungen im Amazonas-Regenwald und die Entwicklung des westantarktischen Eisschilds. Ziel ist es, bestehende Lücken bei der Erdbeobachtung zu identifizieren und Empfehlungen für künftige Satellitenmissionen abzuleiten. OHB kann dabei auf Erfahrungen aus Projekten wie der europäischen Copernicus-Mission CO2M und der deutschen Umweltbeobachtungsmission EnMAP zurückgreifen. Angaben zum finanziellen Volumen der Studie machte das Unternehmen nicht.
Fazit
Nel ASA hat weiterhin große Probleme. Zwar ist das Liquiditätspolster groß, aber ein profitables Geschäftsmodell ist weiterhin nicht in Sicht. OHB hat eine starke Woche hinter sich. Das Jahreshoch war wahrscheinlich übertrieben, aber das Thema Raumfahrt bleibt spannend und es gibt für Anleger wenige Investmentchancen in Europa. First Hydrogen baut ein spannendes Geschäftsfeld auf. Die Aktie ist ein heißer Kandidat für eine Neubewertung.
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