13.10.2026 | 05:36
Geht Plug Power in die Luft? Renk im unendlichen Abwärtstrend? RE Royalties im KI-Hype!
Der Blick auf den Chart der Renk-Aktie bereitet keine Freude. Egal, ob vier Wochen, sechs Monate oder 12 Monate: Die Performance der Aktie ist tiefrot. Analysten raten zum Kauf, aber es fehlt an Momentum im gesamten Rüstungssektor. Daran ändert der jüngste Auftrag nichts, auch wenn er Potenziale für die Zukunft zeigt. Damit KI ihr volles Potenzial ausschöpft, braucht es riesige Mengen an Energie. Entsprechend werden insbesondere in Nordamerika Hunderte Milliarden USD in Energieinfrastruktur investiert. Genau in diesem Markt bewegt sich RE Royalties mit einem interessanten Geschäftsmodell. Im jüngsten Interview blickt das Unternehmen optimistisch in die Zukunft. Dagegen verzweifeln bei Plug Power inzwischen wohl auch die größten Optimisten.
Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Fabian Lorenz
ISIN: RE Royalties Ltd | CA75527Q1081 , RENK AG | DE000RENK730 , PLUG POWER INC. | US72919P2020
Der Autor
Fabian Lorenz
Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.
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RE Royalties: Positiver Ausblick
RE Royalties will vom weltweit steigenden Kapitalbedarf für erneuerbare Energien profitieren. Das kanadische Unternehmen überträgt ein aus dem Bergbausektor bekanntes Finanzierungsmodell auf die Energiebranche. Projektentwickler erhalten kurzfristige Darlehen, während sich RE Royalties im Gegenzug langfristige Einnahmen in Form von Royalties sichert. Nach der Rückzahlung der Darlehen wird das Kapital erneut investiert. Im jüngsten Interview mit Lyndsay Malchuk vom IIF blickt RE-Royalties-Managerin Talia Beckett optimistisch in die Zukunft. Der Ausbau erneuerbarer Energien werde längst nicht mehr allein durch Klimaziele vorangetrieben. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten gewinne die Energiesicherheit zunehmend an Bedeutung. Länder wollen ihre Abhängigkeit von externen Energielieferanten reduzieren und investieren verstärkt in die eigene Energieversorgung. Daraus ergeben sich nach Einschätzung von Beckett langfristig erhebliche Wachstumschancen für die Branche und entsprechende Finanzierungsanbieter.
RE Royalties hat inzwischen Projekte im Umfang von rund 100 Mio. USD finanziert und verfügt über ein Portfolio von mehr als 120 Royalties. Dazu gehören unter anderem die Energieversorgung eines Krankenhauses auf den Malediven sowie Solaranlagen in mexikanischen Ferienresorts. Ein Großteil der finanzierten Projekte ist bereits in Betrieb und generiert laufende Einnahmen. Besonders großes Wachstumspotenzial sieht Beckett in der Ausweitung bestehender Kundenbeziehungen. Ein Beispiel ist Solaris Energy. RE Royalties hat bereits 4,8 Mio. USD in ein Portfolio von 16 Solarprojekten investiert. Inzwischen haben beide Unternehmen eine unverbindliche Absichtserklärung über eine mögliche Finanzierungspartnerschaft mit einem Volumen von bis zu 67,5 Mio. USD unterzeichnet. Die Zusammenarbeit könnte damit eine völlig neue Größenordnung erreichen. Laut Beckett verfügt RE Royalties über eine umfangreiche Pipeline potenzieller Finanzierungskunden. An attraktiven Investitionsmöglichkeiten mangele es nicht.
Der entscheidende Wachstumsfaktor für RE Royalties ist deshalb der Zugang zu zusätzlichem Kapital. Nach Einschätzung von Beckett reichen staatliche Mittel bei Weitem nicht aus, um die weltweit geplanten Projekte im Bereich erneuerbarer Energien zu finanzieren. Private Investoren müssten einen erheblichen Teil dieser Finanzierungslücke schließen. RE Royalties will davon profitieren und nutzt unter anderem eigene grüne Anleihen, um Kapital für weitere Investitionen einzuwerben. Davon sollte auch die Aktie profitieren.
Hier das vollständige Interview:
https://youtu.be/7Ynugbewf2c?si=YOfvcf0gASGXT2Lv
Renk: Abwärtstrend ohne Ende
Seit über einem Jahr geht es mit der Renk-Aktie abwärts. Das Minus der vergangenen vier Wochen liegt bei 18 %, der vergangenen sechs Monate bei 33 % und der vergangenen 12 Monate bei 54 %. Da hilft es auch nicht, dass laut marketscreener.com 13 von 16 Analysten die Aktie zum Kauf empfehlen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 61,79 EUR. Vergangene Woche hat Jefferies die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 60 EUR bekräftigt. Doch derzeit scheint nichts Kursimpulse zu sorgen. Gestern notierte die Renk-Aktie knapp über 34 EUR und scheint die 30 EUR fest im Visier zu haben.
Von spektakulären Aufträgen fehlt derzeit auch jede Spur. Zuletzt hat Renk vom finnischen Rüstungskonzern Patria einen Folgeauftrag im Wert von 30 Mio. EUR erhalten. Geliefert werden weitere HSWL 076-Getriebe für die neue TRACKX-Fahrzeugfamilie. Bereits Anfang 2026 hatte Patria eine erste Vorserienlieferung bei Renk bestellt. Der neue Auftrag ist deutlich umfangreicher und soll ab 2027 ausgeliefert werden. Hintergrund ist der bevorstehende Serienanlauf der TRACKX-Plattform. Finnland und Schweden haben Ende September die Beschaffung erster Fahrzeuge angestoßen. Die Auslieferungen sollen ebenfalls 2027 beginnen. Für Renk bedeutet dies eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Patria, die bereits während der Entwicklungs- und Erprobungsphase begonnen hatte.
Das rund 700 Kilogramm schwere HSWL 076 wurde speziell für leichte Kettenfahrzeuge zwischen 10 und 20 Tonnen entwickelt. Es vereint Antriebs-, Lenk- und Bremsfunktionen und unterstützt durch seine digitale Architektur auch Fernsteuerung sowie perspektivisch autonome Fahrfunktionen. Gemeinsam mit Patria arbeitet Renk bereits an entsprechenden Anwendungen. Auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2026 präsentierten die Partner ein Konzept für ein schweres unbemanntes Bodenfahrzeug (UGV). Die Kombination aus der modularen TRACKX-Plattform und der Drive-by-Wire-Technologie von Renk soll künftig in unterschiedlichen Fahrzeugprogrammen zum Einsatz kommen. Damit könnte sich Renk neben klassischen Militärfahrzeugen auch im wachsenden Markt für unbemannte Landsysteme positionieren. Diese Zukunftsperspektiven reichen jedoch nicht aus, um die Renk-Aktie anzutreiben.
Plug Power will in die Luft gehen
Ähnlich wie bei Renk, scheint auch bei Plug Power kein Ende des Abwärtstrends in Sicht zu sein. Die Probleme sind allerdings unterschiedlich. Während sich bei Renk eher die Frage stellt, ob der Rüstungsboom lange genug anhält, um die Marktkapitalisierung von 3,4 Mrd. EUR zu rechtfertigen, stellt sich bei Plug Power die Existenzfrage. Denn bisher konnten die US-Amerikaner kein profitables Geschäftsmodell entwickeln.
Daran wird auch die jüngste Partnerschaft wohl nichts ändern. So wollen Plug Power und Arcadia eFuels beim Ausbau der Produktion synthetischer Flugkraftstoffe (e-SAF) kooperieren. Im Mittelpunkt steht zunächst das Projekt ENDOR im dänischen Hafen Vordingborg. Dafür soll Plug Power Elektrolyseure mit einer Gesamtleistung von 280 MW liefern. Mit Strom aus erneuerbaren Energien sollen künftig täglich rund 110 Tonnen grüner Wasserstoff produziert werden. Arcadia eFuels will diesen anschließend mit abgeschiedenem CO₂ zu synthetischem Kerosin verarbeiten. Dies soll die Betankung herkömmlicher Flugzeuge ermöglichen. Die Investitionsentscheidung ist allerdings noch nicht final. Die Lieferung der Elektrolyseure soll nach der Projektfreigabe beginnen. Über ENDOR hinaus sieht die Vereinbarung vor, dass Plug Power bei vier weiteren Projekten in Europa und Amerika mit einer potenziellen Elektrolysekapazität von insgesamt mehr als 1 GW als bevorzugter Lieferant zum Zug kommen könnte.
Die EU schreibt Fluggesellschaften beziehungsweise Kraftstoffanbietern einen steigenden Anteil nachhaltiger Flugkraftstoffe vor. Ab 2030 gelten dabei auch Mindestquoten für synthetische Kraftstoffe. Dadurch dürfte die Nachfrage nach grünem Wasserstoff für die Herstellung von e-SAF zunehmen. Plug Power sieht Europa bereits als seinen aktivsten Markt für Elektrolyseure und arbeitet an mehreren Großprojekten mit einer Gesamtkapazität im Gigawattbereich.
Fazit
Die Bewertung hat sich bei Renk durch den Abverkauf inzwischen relativiert. Aufgrund des fehlenden Momentums in der gesamten Rüstungsbranche drängt sich ein Kauf der Aktie dennoch nicht auf. Auch Plug Power ist wohl nur etwas für sehr spekulative Anleger. RE Royalties verfügt über ein interessantes Geschäftsmodell. Sollte es gelingen, die Pipeline in Finanzierungen umzuwandeln, sollte davon auch die Aktie profitieren.
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