07.10.2026 | 05:30
Übernahmepoker spitzt sich zu: BASF, Evonik, Gerresheimer, Phenom Resources
Der Übernahmepoker bei BASF und Evonik spitzt sich zu. Inzwischen schaltet sich auch die Politik ein. Die Landesregierung verlangt Arbeitsplatzgarantien. Der NRW-SPD-Fraktionschef äußert sich kritisch und fordert von Ministerpräsident Hendrik Wüst mehr Einsatz und Auskunft. Ein Hotstock mit Übernahmefantasie ist Phenom Resources. Die Kanadier sind auf Gold- und Vanadiumprojekte im US-Bundesstaat Nevada fokussiert. Die Gold- und Kupferaktivitäten sollen ausgegliedert werden. Oder schlägt ein Partner zu? Gerresheimer stand bereits 2025 im Fokus von Finanzinvestoren. Seit der gescheiterten Übernahme ist es ruhig geworden. Das Unternehmen schrumpft sich derzeit gesund. Damit könnte man wieder ins Visier von Käufern kommen.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Fabian Lorenz
ISIN:
PHENOM RESOURCES CORP | CA71743P1071 | TSXV: PHNM , GERRESHEIMER AG | DE000A0LD6E6 , EVONIK INDUSTRIES NA O.N. | DE000EVNK013 , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Fabian Lorenz
Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.
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Phenom Resources: Hotstock mit Übernahmefantasie
Ein spannender Hotstock mit einem starken Partner und entsprechender Übernahmefantasie ist Phenom Resources. Das kanadische Explorations- und Technologieunternehmen aus Vancouver ist hierzulande noch eher unentdeckt. Dies könnte sich bald ändern. Denn das Explorationsunternehmen ist auf Gold- und Vanadiumprojekte im US-Bundesstaat Nevada fokussiert. Zum Goldportfolio gehören die vier Projekte Carlin, Dobbin, King Solomon und Crescent Valley. Bei der Exploration setzt Phenom auf ein erfahrenes Geologenteam um Dave Mathewson, das bereits mehrere Goldlagerstätten entdeckt hat. Für 2026 stehen Bohrungen bei Dobbin, King Solomon und Crescent Valley im Mittelpunkt. Zudem plant das Unternehmen, seine Gold- und Kupferaktivitäten in eine eigenständige Gesellschaft auszugliedern und die eigenen Aktionäre daran zu beteiligen.
Im Vanadiumbereich besitzt Phenom nach eigenen Angaben die größte und höchstgradige primäre Vanadiumressource Nordamerikas. Für das Projekt liegt bereits eine vorläufige Wirtschaftlichkeitsbewertung vor. Weitere Untersuchungen sollen Möglichkeiten zur Senkung der Investitions- und Betriebskosten erschließen. Vanadium wird unter anderem für stationäre Batteriespeicher eingesetzt. Über eine Beteiligung von 5 % am japanischen Batterieentwickler MK Plus ist Phenom auch mit der Weiterentwicklung entsprechender Speichertechnologien verbunden. Ergänzend arbeitet das Unternehmen an patentierten Verfahren zur Gewinnung von Vanadium und Nickel und strebt dafür Fördermittel sowie Industriepartnerschaften an.
Mit SSR Mining hat Phenom bereits einen auf Gold fokussierten Bergbaukonzern als Aktionär und Projektpartner an seiner Seite. Dieser könnte auch bei der geplanten Abspaltung der Gold- und Kupferaktivitäten eine größere Rolle übernehmen. Zuletzt hat sich SSR Mining für 4 Mio. USD einen Anteil von 15 % am Dobbin-Projekt von Phenom Resources gesichert. Die Einlage von SSR fließt vollständig in die Weiterentwicklung des Projekts. Sobald diese Mittel verbraucht sind, sollen beide Partner die weiteren Explorations- und Erschließungskosten entsprechend ihren Beteiligungen finanzieren. SSR ist bereits der größte Aktionär von Phenom. Nach Angaben von Phenom hat SSR Mining inzwischen insgesamt rund 11 Mio. USD bereitgestellt. Die Mittel sollen die geplanten Explorationsarbeiten bis in das kommende Jahr hinein unterstützen. Neben der Finanzierung erwartet Phenom zusätzliche technische Unterstützung durch den neuen Projektpartner.
Gerresheimer verkauft Tochter und wird bald selbst geschluckt?
Gerresheimer stand bereits 2025 im Fokus von Finanzinvestoren. Ein Konsortium aus KKR und Warburg Pincus soll damals knapp 90 EUR je Aktie des angeschlagenen Konzerns geboten haben. Nach dem Rückzug von KKR wurden die Gespräche im Juli 2025 beendet. Aktuell gibt es keine bestätigten neuen Verhandlungen über einen Verkauf des Gesamtkonzerns. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Veräußerung einzelner Geschäftsbereiche an Apax und der damit verbundene Schuldenabbau. Doch durch das Gesundschrumpfen wird Gerresheimer auch wieder interessant für Käufer.
mwb research sieht derzeit allerdings keine Übernahmefantasie und auch keine Kursfantasie. Die Analysten erwarten mehr Klarheit mit den endgültigen Halbjahreszahlen und bestätigen ihre Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von 20 EUR.
Die vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal 2026 deuten zumindest darauf hin, dass Gerresheimer operativ wieder in die Spur findet. Demnach stieg der Umsatz gegenüber dem Vorquartal um 55 Mio. EUR auf 578 Mio. EUR. Das bereinigte EBITDA legte um 35 Mio. EUR auf 102 Mio. EUR zu. Gegenüber dem Vorjahresquartal blieben Umsatz und Ergebnis jedoch rückläufig. Das bereinigte EBITDA lag 19 % niedriger. Die Analysten sehen deshalb eine Stabilisierung, aber noch keine Rückkehr zur früheren Ertragskraft.
Der am 1. Oktober abgeschlossene Verkauf von Centor soll den Schuldenabbau voranbringen und senkt die Risiken beim Konzernumbau. Auf Centor entfällt etwa die Hälfte des für Centor selbst und PPP vereinbarten Unternehmenswerts von insgesamt 1,5 Mrd. EUR. Der PPP-Verkauf soll im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen werden, anschließend ist eine umfassendere Refinanzierung vorgesehen. Noch fehlen den Analysten jedoch Angaben zu den genauen Nettoerlösen und zur künftigen Ergebnisbasis des verbleibenden Konzerns. Bis sie diese erhalten, bleiben sie bei der Verkaufsempfehlung.
BASF und Evonik: Übernahmepoker spitzt sich zu
Die mögliche Übernahme von Evonik durch BASF stößt in Nordrhein-Westfalen auf politische Vorbehalte. Die Landesregierung betonte am Montag, dass die Arbeitsplätze und die eigenständige Entwicklung des Essener Chemiekonzerns nicht infrage gestellt werden dürften. Zuvor hatte sich bereits NRW-SPD-Fraktionschef Jochen Ott kritisch geäußert. Er sieht Beschäftigung und industrielle Wertschöpfung im Ruhrgebiet gefährdet und fordert Ministerpräsident Hendrik Wüst zum Eingreifen auf. Über dessen Sitz im Kuratorium der RAG-Stiftung verfügt die Landesregierung über Einfluss auf den größten Evonik-Aktionär. Die SPD verlangt zudem Auskunft über mögliche Vorgespräche zwischen BASF und der Landesregierung.
Der Zusammenschluss der beiden deutschen Chemiegiganten ist weiterhin offen. Laut "Reuters" hat Evonik einen ersten BASF-Vorschlag über rund 10,3 Mrd. EUR beziehungsweise 22,15 EUR je Aktie als zu niedrig zurückgewiesen. BASF hat die Sondierungen offiziell bestätigt, bislang aber keine Einigung gemeldet. Eine Schlüsselrolle spielt die RAG-Stiftung, die knapp 44 % der Evonik-Aktien hält. Sie hat inzwischen erklärt, grundsätzlich auch ihre gesamte Beteiligung verkaufen zu können. Damit bleibt ein Zusammenschluss möglich, doch über den Preis und die Bedingungen einer Transaktion besteht bislang keine öffentlich bekannte Verständigung.
Die Börse scheint noch nicht an die Übernahme zu glauben. Die Evonik-Aktie notiert derzeit unter 21 EUR.
Fazit
Der Übernahmepoker bei BASF und Evonik dürfte noch länger dauern. Ob man sich als Aktionär positionieren sollte, ist jedoch fraglich. Beide Konzerne haben Probleme und zusammen dürften diese kaum kleiner werden. Phenom Resources ist ein spannender Hotstock mit Übernahmefantasie. Mit Gold und Vanadium ist man in spannenden Bereichen aktiv. Die Fokussierung auf Vanadium und die Ausgliederung der Gold- und Kupferaktivitäten könnten für eine Neubewertung der Aktie sorgen. Und dann ist da natürlich noch der potenzielle Käufer. Dieser sitzt schon mit im Boot. Gerresheimer bleibt eine spekulative Aktie, auch wenn es Licht am Ende des Tunnels gibt.
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