27.10.2026 | 05:43
Almonty schreibt Geschichte! Bietet BASF für Evonik mehr? tonies-Aktie kaufen?
Verkehrte Welt derzeit bei Almonty. Während sich die Aktie in den vergangenen Monaten halbiert hat, schreibt der Wolfram-Produzent operativ Geschichte. Erstmals seit mehr als 30 Jahren wurde eine Wolframlieferung aus der Sangdong-Mine in Südkorea verschifft. Schon bald sollen monatlich rund 200 Tonnen des kritischen Rohstoffs auf den Weg gebracht werden. Analysten erwarten eine Gewinnexplosion auf 2,76 USD je Aktie im kommenden Jahr. Die Aktie notiert derzeit unter 10 USD. Kein Schnäppchen ist wohl BASF. Das Unternehmen will Evonik übernehmen und könnte sein Angebot erhöhen. Analysten sehen den Plan zwar positiver, bleiben bei der Aktie aber vorsichtig. Dagegen wird tonies zum Kauf empfohlen. Zwar steigen nach der 20 %-Rally die Erwartungen an die kommenden Zahlen, doch Analysten erwarten ein starkes Wachstum.
Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Fabian Lorenz
ISIN: Almonty Industries Inc | CA0203987072 , BASF SE NA | DE000BASF111 , DE000EVNK013 , TONIES SE | LU2333563281
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Der Autor
Fabian Lorenz
Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.
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Almonty: Gewinn je Aktie soll auf 2,76 USD steigen
Kurzfristig ist die Börse nicht immer rational. Ein Beispiel dafür ist die aktuelle Situation bei Almonty. Während sich die Aktie in den vergangenen sechs Monaten halbiert hat, schreibt der Wolfram-Produzent operativ Geschichte. Almonty-CEO Lewis Black zeigt sich in seinem jüngsten Aktionärsbrief optimistisch. Erstmals seit mehr als 30 Jahren wurde am vergangenen Wochenende eine Wolframlieferung aus der Sangdong-Mine in Südkorea auf den Weg zu einem Kunden gebracht. Sobald die Mine im durchgehenden Betrieb läuft, sollen monatlich rund 200 Tonnen Wolfram produziert und verschifft werden. Gleichzeitig sieht Black grundlegende Veränderungen am Wolframmarkt. Die Chicagoer Terminbörse CME plant für 2027 die Einführung eines Wolfram-Futures-Kontrakts. Zudem arbeitet S&P Global Platts an einer eigenen Preisnotierung für Wolfram aus nichtchinesischer Produktion. Damit könnte sich der Westen bei der Preisbildung zunehmend von China lösen. Terminkontrakte würden es Produzenten und Abnehmern ermöglichen, Preise langfristig abzusichern. Die Wolframpreise haben sich zuletzt auf hohem Niveau stabilisiert. Da China weiterhin kaum Wolframzwischenprodukte exportiert, bleibt das Angebot knapp. Am Spotmarkt werden für tatsächlich verfügbares Material weiterhin Höchstpreise von annähernd 3.000 USD je mtu erzielt.
Zusätzlich zur Wolframproduktion arbeitet Almonty an der Erschließung eines weiteren Rohstoffvorkommens in Sangdong. Rund 90 Meter unterhalb der Wolframlagerstätte befindet sich ein Molybdänvorkommen, dessen historische Ressourcendaten derzeit durch neue Bohrungen bestätigt werden. Die bisherigen Ergebnisse entsprechen laut Black weitgehend den Erwartungen. Da die Erschließung von den bestehenden unterirdischen Anlagen der Wolframmine aus erfolgen kann, rechnet das Unternehmen mit vergleichsweise niedrigen Entwicklungskosten. Geplant ist eine jährliche Molybdänproduktion von rund 5.000 Tonnen. Für die gesamte geplante Lebensdauer der Mine wurde bereits ein Abnehmer vertraglich gebunden. Die Vereinbarung sieht einen Mindestpreis ohne Preisobergrenze vor. Damit könnte das Molybdänprojekt zu einem zusätzlichen Ertragsbringer für Almonty werden.
Eine Kaufchance bei der aktuellen Kursschwäche sieht auch die Bank of America. Nach dem Kapitalmarkttag von Almonty in New York haben die Analysten ihre Kaufempfehlung für die Aktie bestätigt. Die Experten sehen den Wolframproduzenten auf einem starken Wachstumskurs und halten die jüngste Kursschwäche für fundamental nicht gerechtfertigt. Bis 2029 soll sich die jährliche Wolframproduktion gegenüber 2025 mehr als verneunfachen und rund 5.600 Tonnen erreichen. Wesentlicher Wachstumstreiber ist die Sangdong-Mine in Südkorea. Zusätzliche Potenziale bieten Projekte in Spanien und Ruanda sowie der Aufbau einer Wolframoxidproduktion zur Margensteigerung. Die Analysten erwarten, dass der freie Cashflow von 138 Mio. USD im Jahr 2026 auf 728 Mio. USD im Jahr 2027 steigt. Beim Gewinn je Aktie trauen die Analysten Almonty einen kräftigen Anstieg von 0,69 USD im laufenden Jahr auf 2,76 USD in 2027 und auf 3,00 USD in 2028 zu. Derzeit notiert die Aktie unter 10 USD und erscheint damit nicht teuer.
BASF-Aktie kein Kauf
Während die Aktie von Almonty zum Kauf empfohlen wird, ist BASF für mwb research nur eine Halteposition. Die Analysten sehen zwar eine mögliche Übernahme von Evonik durch BASF zunehmend positiv, bleiben aber skeptisch hinsichtlich der langfristigen wirtschaftlichen Vorteile. BASF-Chef Markus Kamieth hat zuletzt die strategischen Gründe für einen Zusammenschluss konkretisiert. Insbesondere das integrierte Produktionsnetzwerk von BASF, der sogenannte Verbund, könnte erhebliche Synergien ermöglichen. Evonik könnte bestimmte Vorprodukte innerhalb des Konzerns günstiger und zuverlässiger beziehen. Weitere Einsparpotenziale sehen die Analysten beim Einkauf, bei der Infrastruktur und in der Forschung. Allerdings wurden bisher weder konkrete Synergieziele noch die zu erwartenden Integrationskosten genannt.
Ein wesentliches Risiko sehen die Analysten in den hohen Produktionskosten in Europa. Durch die Übernahme könnte BASF seine Abhängigkeit von europäischen Standorten sogar noch erhöhen, statt die internationale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu verbessern. Zudem schränken bestehende Beschäftigungsgarantien bis 2032 den Spielraum für Restrukturierungen ein. Auch die mögliche Übernahme der Chemieparks in Marl und Wesseling, die Evonik eigentlich verkaufen will, könnte zusätzliche Belastungen mit sich bringen. Gleichzeitig soll BASF sein indikatives Übernahmeangebot nach Medienberichten um rund 8 % von 22,15 EUR auf 24 EUR je Evonik-Aktie erhöht haben. Dies würde einer Bewertung des Eigenkapitals von rund 11,2 Mrd. EUR entsprechen. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür bislang nicht.
Entscheidend für den Erfolg der Transaktion sind aus Sicht von mwb research der endgültige Kaufpreis und die Finanzierung. Eine überwiegend mit Barmitteln finanzierte Übernahme könnte den geplanten Schuldenabbau bei BASF beeinträchtigen und den finanziellen Spielraum für künftige Ausschüttungen an die Aktionäre einschränken. Positiv werten die Analysten die Aussage von Kamieth, dass BASF eine Übernahme nicht um jeden Preis anstreben werde. mwb research bestätigt daher die Einstufung „Halten“ mit einem Kursziel von 55 EUR. Die BASF-Aktie notiert derzeit bei rund 52 EUR.
tonies: Analysten optimistisch
Um rund 20 % ist die Aktie von tonies in den vergangenen zwei Wochen gestiegen. Inzwischen notiert das Wertpapier bei über 14 EUR und damit auf Allzeithoch. Mit der Rally steigen auch die Erwartungen an die kommenden Quartalszahlen. Die Analysten von NuWays erwarten, dass tonies mit starkem Wachstum überzeugen wird. Die Analysten raten daher zum Kauf und sehen den fairen Wert der Aktie bei 18,50 EUR.
Für das dritte Quartal rechnen sie mit einem Umsatzanstieg um 20 % auf 174 Mio. EUR. Die Verlangsamung gegenüber dem zweiten Quartal (+48 %) sei vor allem auf den starken Vorjahreszeitraum zurückzuführen, in dem die Toniebox 2 eingeführt wurde. Wichtigster Wachstumstreiber dürften inzwischen die Tonies-Figuren sein. Hier erwarten die Analysten ein Umsatzplus von 26 % auf 125 Mio. EUR. Insbesondere neue Figuren zu Pokémon und Bluey sorgen für Nachfrage. Bei den Tonieboxen wird dagegen nur ein Wachstum von 6 % auf 43 Mio. EUR prognostiziert. Regional dürfte Nordamerika mit einem Umsatzplus von 31 % auf 71 Mio. EUR erneut besonders stark abschneiden. Für die DACH-Region erwarten die Analysten dagegen aufgrund des Basiseffekts lediglich ein Wachstum von 6 % auf 65 Mio. EUR.
Die Jahresprognose von tonies halten die Analysten für gut erreichbar. Nach neun Monaten dürfte der Umsatz bei rund 417 Mio. EUR liegen. Um das Jahresziel von mehr als 760 Mio. EUR zu erreichen, müsste das Unternehmen im wichtigen Weihnachtsquartal lediglich um 11 % wachsen. NuWays rechnet für das Gesamtjahr sogar mit Erlösen von 793 Mio. EUR. Rückenwind versprechen die breite Markteinführung der günstigeren Toniebox Lite und das Weihnachtsgeschäft mit neuen Figuren. Auch die operative Profitabilität dürfte im vierten Quartal deutlich zulegen, da die margenstarken Tonies-Figuren einen größeren Umsatzanteil ausmachen. Die Analysten halten daher die für 2026 prognostizierte bereinigte EBITDA-Marge von 9 % bis 11 % für realistisch. Zudem sollte der Abbau der zuvor aufgebauten Lagerbestände den Cashflow verbessern und einen positiven freien Cashflow im Gesamtjahr ermöglichen.
Fazit
Almonty geht operativ seinen Weg weiter. Durch das Hochfahren der Produktion in Sangdong dürften Umsatz und Gewinn bis ins Jahr 2028 hinein explodieren. Und der Wolframproduzent arbeitet an weiteren Kurstreibern. Behält die Bank of America Recht und der Gewinn je Aktie erreicht im kommenden Jahr 2,76 USD, dann ist die Aktie derzeit ein Schnäppchen. BASF ist sicher kein Schnäppchen und hat zahlreiche strukturelle Probleme. Diese dürften mit der Übernahme von Evonik nicht weniger werden. tonies hat sich zu einem sehr erfolgreichen Nischenplayer entwickelt.
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