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02.06.2021 | 05:00

Adler Modemärkte, Steinhoff, Carnavale Resources: Wo sich Zocken lohnt und warum

  • Spekulation
Bildquelle: pixabay.com

Wer Geld hat, kann spekulieren. Wer kein Geld hat, muss spekulieren. So drückte es einst Börsen-Altmeister André Kostolany aus. Doch was eine wirklich gute Spekulation ist, das wissen nur die Wenigsten. In der Regel kommen Privatanleger bei vielversprechenden Spekulationen zu spät. Nur wer gute Aktien rechtzeitig erkennt und die Investment-Storys dahinter auch versteht, kann wirklich dauerhaft mit spekulativen Aktien punkten. Wie das geht und worauf Anleger achten sollten, skizzieren wir am Beispiel von drei Titeln.

Lesezeit: ca. 3 Minuten. Autor: Nico Popp



 

Der Autor

Nico Popp

In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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Adler Modemärkte: Wie lange ist diese Aktie noch hip?

Die Aktie von Adler Modemärkte zog zuletzt deutlich an. In nur vier Wochen kletterte der Wert von 0,19 auf 1,37 EUR – das sind mehr als 600%. Doch warum stieg die Aktie eigentlich so sehr? Adler Modemärkte war bereits vor der Pandemie nicht in bester Verfassung. Das Online-Geschäft setzte zu und überhaupt galt die Kette eher als Shopping-Ziel älterer Menschen. Dann kam die Pandemie und das Unternehmen schlitterte in die Insolvenz. In Eigenverantwortung plant Adler, der Pleite noch einmal zu entrinnen. Seit Januar läuft das Verfahren. Inzwischen stehen die Zeichen wieder auf Öffnung – die Pandemie hat sich abgeschwächt. Außerdem hat Adler im Mai einen Kredit über 10 Mio. EUR erhalten. Damit könnten die Filialen wieder mit Ware bestückt und das Geschäft weitergeführt werden. Immerhin arbeiten bei Adler rund 3.200 Angestellte.

Dass die Aktie zuletzt derart angezogen hat, macht Hoffnung, ist aber auch ein Warnsignal. Es ist keineswegs so, dass die Kuh für Adler damit vom Eis ist. Zwar bietet die Insolvenz in Eigenregie dem Unternehmen vielfältige Möglichkeiten und der gewährte Kredit die Chance auf einen Neustart, doch bleibt die Situation fragil: Sowohl bei Adler selbst, als auch rund um die Pandemie-Lage, ist mittelfristig nichts ausgeschlossen. Zwar könnte die relativ alte Kundschaft für Adler ein Pluspunkt sein, da diese weniger online shoppen und häufiger geimpft sind, doch könnte ein neuerlicher Lockdown im Herbst die Situation wieder zum Schlechten wenden. Die Aktie von Adler war eine gute Spekulation, ist es angesichts des gestiegenen Kurses aber heute nicht mehr.

Steinhoff: Alles ist möglich – aber auch das Gegenteil

Die Luft ist auch bei Steinhoff raus. Der Möbelkonzern aus Südafrika hat wegen Unregelmäßigkeiten bei der Bilanz milliardenschwere Klagen am Hals. Das Unternehmen stand deswegen schon vor der Pleite. Seit Monaten spekulieren Anleger darüber, ob sich der Rechtsstreit bald auflöst und es zu einem Vergleich kommen kann. Doch dieser Vergleich lässt auf sich warten. Nach einer dynamischen Entwicklung ist die Aktie aktuell zwischen 0,11 und 0,12 EUR gefangen. Zwar kann es durchaus sein, dass es bei der Aktie noch einmal zu einem Kursschub kommt, doch sind auch Rückschläge möglich. Selbst nach einer positiven Nachricht bleibt offen, wie einträglich das Geschäft mit Möbeln sein kann und ob die Aktie ohne Rechtsstreit überhaupt viel attraktiver ist.

Carnavale Resources: Gold, Platin, Industriemetalle für 9 Mio. EUR

Anders als bei Adler Modemärkte oder Steinhoff, handelt es sich beim australischen Unternehmen Carnavale Resources nicht um ein strauchelndes Unternehmen. Die Australier betreiben vier aussichtsreiche Projekte in Westaustralien rund um Gold, Platinmetalle, Nickel und Kupfer. Damit deckt das Unternehmen neben dem Trend hin zu Gold auch die steigende Nachfrage von Unternehmen rund um die Elektromobilität ab. Die Aktie von Carnavale Resources muss als äußerst spekulativ gelten. Grund ist aber nicht die Situation des Unternehmens, sondern dessen Strategie: Carnavale nimmt Rohstoff-Projekte kostengünstig unter Option, nimmt Explorationsarbeiten vor und entscheidet dann, ob es sich lohnt, das jeweilige Projekt zu kaufen. Aufgrund von festen Kaufvereinbarungen kann sich das Unternehmen bei der Exploration Zeit lassen oder aber den Kauf forcieren. Das schont den Geldbeutel und gibt Flexibilität.

Carnavale Resources hat es sich zum Ziel gesetzt, innovative Explorationsmethoden anzuwenden, um bereits im Frühstadium von Projekten gute Hinweise auf potenzielle Bohrziele erlangen zu können. So können beispielsweise kleinste Partikel in Bodenproben analysiert und auf ihre Herkunft hin untersucht werden. Mit diesen Informationen setzt Carnavale seine Arbeit dann fort. Auf dem Gold-Projekt Kookynie haben erste Bohrungen bereits hochgradige Gehalte von 2m über 16,25 g/t Gold oder 2m über 3,11 g/t zu Tage gefördert. Weitere Bohrungen sollen die Struktur des Gesteins zwischen diesen hochgradigen Bereichen untersuchen. Da Carnavale gleich vier Projekte unterschiedlicher Ausrichtung betreibt, diese 2021 auch weiterentwickelt und lediglich mit rund 9 Mio. EUR bewertet ist, kann die Aktie als aussichtsreiches Spekulationsobjekt gelten.

Fazit: Klares Geschäftsmodell statt Sondersituation

Während bei Adler und Steinhoff das Prinzip Hoffnung regiert und sich die Unternehmen in einer Ausnahmesituation befinden, gehört die Exploration von Projekten in einem frühen Stadium für Carnavale zum täglichen Geschäft. Hinzu kommt, dass die Aktie vom Markt noch nicht so deutlich entdeckt wurde. Das könnte auch an der hohen Aktienanzahl liegen. Australische Gesellschaften haben typischerweise viele Aktien ausstehend, was zu sehr niedrigen Kursen führt. Unterm Strich handelt es sich dabei aber nur um ein optisches Phänomen: Bei Kursen von 0,004 EUR gilt es, Orders streng zu limitieren und dem Markt Zeit zu geben, bis eine Order auch ausgeführt wird.


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