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26.06.2023 | 06:00

Energie-Chaos? Mitnichten! Siemens Energy, ThyssenKrupp, Saturn Oil + Gas

  • Regenerative Energie
  • Öl
Bildquelle: pixabay.com

Die Welt wandelt sich – und deutsche Unternehmen sind vorne mit dabei. Siemens Energy könnte Partner des weltgrößten Solarkonzerns Longi bei dessen geplantem Werk in Deutschland werden. ThysssenKrupp will mit seiner Wasserstoff-Tochter Nucera durchstarten und erhofft sich viel von einem Börsengang noch vor der Sommerpause. Doch es gibt auch Probleme: Der Kurs von Siemens Energy stürzte zuletzt ab. Grund sind Probleme bei der Wind-Energie-Tochter – wie Anleger die grüne Revolution am besten begleiten.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: SIEMENS ENERGY AG NA O.N. | DE000ENER6Y0 , THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001 , Saturn Oil + Gas Inc. | CA80412L8832

Inhaltsverzeichnis:


    Siemens Energy: Unsicherheit – und eine große Chance

    Wenn eine Aktie aus dem DAX um mehr als 35% fällt, dann ist Feuer unterm Dach. Genau das ist am Freitag bei Siemens Energy geschehen. Der Kurs rauschte zeitweise auf 15 EUR. Der Grund: Windenergie-Tochter Gamesa gilt für immer mehr Marktkenner als unsanierbar. Das Unternehmen sprach erst am vergangenen Donnerstag eine Gewinnwarnung aus. Dann kam heraus, dass Qualitätsprobleme bei bereits bestehenden Windkraftanlagen von Gamesa in den kommenden Jahren Kosten von mehr als 1 Mrd. EUR verursachen könnten – noch im Januar war von weniger als der Hälfte die Rede. Gamesa steht ohnehin schon unter Beobachtung. Das Unternehmen wurde erst vor einiger Zeit eingegliedert, um besser durchregieren zu können. Jetzt kommen immer mehr Probleme auf – die hohen Kosten und die damit verbundene dünne Marge jedoch bleiben.

    Da jetzt auch noch Unsicherheit dazukommt – Windkraftanlagen haben eine Lebensdauer von rund zwanzig Jahren und könnten daher noch lange Kosten für Siemens Energy verursachen - bleibt auch die Aktie ein heißes Eisen. Doch der Wert bietet auch Chancen. Siemens Energy ist die erste Adresse, wenn es um die Energiewende geht. Das bislang weitgehend fehlende Geschäft mit Photovoltaikanlagen war für die Aktie bislang ein Malus. Doch in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass der chinesische Solarkonzern Longi in Deutschland eine Fabrik eröffnen will - Siemens Energy könnte Partner werden. Entsprechende Spekulationen hatte Siemens Energy nicht kommentiert. Die jetzige Problemlage könnte aber für einen derartigen Strategie-Schwenk ein offenes Zeitfenster sein. Die Aktie ist nach dem Kurssturz für Hartgesottene nicht uninteressant. Es könnte aber sein, dass Gamesa noch lange Probleme macht.

    ThyssenKrupp: Bei Nucera alles richtig gemacht

    Besser als um Siemens Energy steht es aktuell um ThyssenKrupp. Der Stahlkonzern stand vor rund einem Jahr wie viele Industrieunternehmen noch mit dem Rücken zur Wand. Eine Gasnotlage im vergangenen Winter hätte vor allem die deutsche Stahlbranche empfindlich treffen können. Doch die Politik wendete die Katastrophe ab und ThyssenKrupp leistete mit Fortschritten rund um Wasserstoff einen eigenen Beitrag für die heutige gute Ausgangslage. Mit neuem Kapital aus einer Kapitalerhöhung soll Wasserstoff-Tochter Nucera an die Börse gehen, um ihren Wachstumskurs fortsetzen zu können. Da ThyssenKrupp die eigene Beteiligung halten will, profitieren Aktionäre von der Wasserstoff-Fantasie. Auch das Kerngeschäft mit Stahl ist in Zukunft auf Wasserstoff angewiesen. Aktuell steht der Markt den Plänen von ThyssenKrupp noch verhalten gegenüber - die Aktie bleibt uninteressant.

    Saturn Oil & Gas: Der Dividendenwert von morgen

    Deutlich lebendiger zeigt sich seit einigen Wochen der Kurs des kanadischen Ölproduzenten Saturn Oil & Gas. Im vergangenen Monat stieg der Kurs immerhin um rund 5 %. Auf Sicht von einem Jahr steht noch immer ein Verlust von 8 % zu Buche. Was den Eindruck einer äußerst langweiligen Aktie macht, könnte für spekulativ orientierte Investoren eine Chance sein. Saturn agiert in Kanada und vollzog in den vergangenen Jahren dank einiger großer Übernahmen einen fulminanten Wachstumskurs: Vom kleinen Produzenten, bei dem jedes neue Bohrloch ein Wagnis war, wuchs das Unternehmen auf im ersten Quartal geförderte 17.783 Barrel Öl am Tag. Allein zwischen dem ersten Quartal 2022 und 2023 stieg die Produktion um 137 %. Der bereinigte Cashflow lag im ersten Quartal bei 54,5 Mio. CAD. Bewertet ist Saturn Oil & Gas lediglich mit 313 Mio. CAD.

    Kürzlich gelang dem Unternehmen zudem der Schritt an die Toronto Stock Exchange. „Wir gehen davon aus, dass der Handel an der TSX uns zusätzliche Sichtbarkeit auf dem Markt verschafft, unseren Aktionären zusätzliche Liquidität bietet und den Zugang zu einem breiteren und vielfältigeren Spektrum an internationalen und institutionellen Investoren ermöglicht", kommentierte CEO John Jeffrey. Da die aktuell niedrigen Preise für fossile Energieträger den Schuldenabbau von Saturn Oil & Gas dank bestehender Hedging-Verträge nicht beeinflussen und es operativ beim Unternehmen vorangeht, kann die Aktie auf dem aktuellen Niveau spannend sein. Mit fortschreitender Tilgung des Fremdkapitals dürfte Saturn bald auf den Zetteln von Dividenden-Jägern stehen. Da das Unternehmen zudem eine klare ESG-Strategie verfolgt und erst zuletzt 14,2 Mio. CAD in die Renaturierung früherer Betriebsflächen investiert hat, kann der Wert nach dem Best-in-Class-Prinzip auch für nachhaltig denkende Anleger interessant sein.


    Unternehmen aus der Energiebranche stehen vor spannenden Zeiten. Dass selbst Branchenführer wie Siemens Energy Probleme bekommen können, zeigt der Kurssturz vom vergangenen Freitag. Langfristig bleiben Unternehmen, die für nachhaltige Energie stehen, jedoch spannend. Das gilt auch für Saturn Oil & Gas. Das Unternehmen ist zwar nicht CO2-neutral, doch unternimmt man das Beste, um die Produktion so nachhaltig wie nur möglich zu gestalten. Auch stimmen Eckdaten wie Cashflow und Bewertung. Der Bereich der Energie-Aktien bietet Anleger gute Chancen – gerade Investments abseits der ausgetretenen Pfade können sich rechnen.


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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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