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15.11.2021 | 05:00

Volkswagen, Graphano Energy, Varta: Graphit als neuer E-Auto-Hype?

  • Graphit
Bildquelle: pixabay.com

Die Mobilitätswende krempelt die Wirtschaft um. Wo früher Stahl und Bauteile für klassische Getriebe dominierten, kommen heute die Rohstoffe der Zukunft, wie Lithium, Seltene Erden oder Graphit zum Einsatz. Wir beleuchten die Gezeitenwende in der Automobilwirtschaft und stellen Unternehmen vor, die davon profitieren könnten.

Lesezeit: ca. 3 Minuten. Autor: Nico Popp
ISIN: Graphano Energy Ltd. | CA38867G2053 , VOLKSWAGEN AG ST O.N. | DE0007664005 , VARTA AG O.N. | DE000A0TGJ55



 

Der Autor

Nico Popp

In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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Volkswagen plant Giga-Factories und Ladesäulen

Volkswagen ist einer der klassischen Autobauer, die die Wende zur Elektromobilität gemeistert haben. Schon heute stehen viele elektrische Modelle der Wolfsburger in deutschen Garagen. Geholfen haben dürfte VW dabei auch die starke Marktstellung in China. Dort verkauft das Unternehmen rund die Hälfte seiner Autos. Da China rund um Elektromobilität bereits weiter ist, war VW gezwungen, ebenfalls beschleunigt auf die Technologie zu setzen. Ähnlich wie auch bei Tesla, spricht man inzwischen auch bei VW von Giga-Factories, wenn es um neue Standorte zur Produktion von Batterien oder Elektrofahrzeugen geht. Bis 2030 sollen sechs neue Fabriken dieser Art entstehen. Zudem will VW europaweit eine Ladeinfrastruktur schaffen und bis zu 18.000 Schnellladesäulen aufstellen. Mit dabei sind die Energieunternehmen BP, Iberdrola und Enel. Letztere wenden sich gerade deutlich von fossilen Brennstoffen ab und benötigen ein grüneres Image – da kommt es gerade recht, wenn man künftig Schnellladesäulen mit Energie aus Windkraft und Co. versorgt.

Markt für Graphit könnte sich verfünffachen

Doch die zahlreichen Ladesäulen und auch die Akkus für E-Autos sind auf Rohstoffe angewiesen. Neben Kupfer und anderen Industriemetallen erfuhr zuletzt vor allem der Lithium-Markt einen Ansturm. Viele Aktien legten in den vergangenen Wochen sprunghaft zu. Doch Lithium ist nicht der einzige kritische Rohstoff rund um die Elektromobilität. Graphit ist vielseitig einsetzbar. Aktuell werden rund 24% der weltweiten Graphit-Produktion in Autoteilen oder Akkus verbaut. Die weiteren Einsatzbereiche sind die Stahlindustrie (41%), Carbon-Bürsten (11%) oder auch Schmierstoffe (14%). Damit steht die Nachfrage nach Graphit auf einem soliden Fundament. Die Entwicklung hin zur Elektromobilität könnte nun dafür sorgen, dass der Anteil der Nachfrage von Seiten der Autoindustrie nach Graphit deutlich wächst. Glaubt man Analysten, dürfte sich der Absatz von E-Autos in den kommenden zehn Jahren vervielfachen. Damit steigt auch die Nachfrage nach Graphit, die sich laut der Analysten von CleanTechnica in den nächsten fünf bis zehn Jahren verfünffachen könnte.

Graphano Energy: Projekt in Kanada, Bewertung niedrig

Der Markt für Graphit ist aber, wie bei einigen anderen Rohstoffen auch, stark von China dominiert. Rund 62% der weltweiten Produktion stammten 2020 aus China. Da die Pandemie eine Phase der Deglobalisierung eingeleitet hat und sich immer mehr Wirtschaftsräume autark aufstellen wollen, steigt der Bedarf an Produktionsstätten außerhalb Chinas. Auch der wachsende Anspruch an Umweltschutz und Nachhaltigkeit spricht dafür. Hier kommt das junge Unternehmen Graphano Energy ins Spiel. Das Unternehmen führt im laufenden Jahr Bohrungen und metallurgische Tests durch und will schon 2022 mit ersten Daten zur Wirtschaftlichkeit aufwarten. Im Jahr darauf soll eine Pilotproduktion entstehen. Damit könnte das Unternehmen in einer Phase der Graphit-Knappheit die Aufmerksamkeit von Batterie-Produzenten auf sich ziehen, was einer nötigen Finanzierung zuträglich wäre. Zwar handelt es sich dabei um Zukunftsmusik, doch ist Graphano Energy und sein Lac-Aux Bouleaux-Projekt perfekt positioniert, um von der steigenden Nachfrage zu profitieren. Das Unternehmen betont eine intakte Energie- und Transportinfrastruktur und die Einzigartigkeit des Projekts in Nordamerika. Mit nur 15 Mio. ausstehenden Aktien ist das Unternehmen auf nicht-verwässerter Basis mit schlanken 6 Mio. EUR bewertet – bei 4 Mio. CAD Cash in der Kasse. Zwar stehen noch 12,3 Mio. Warrants aus, doch erscheint die Aktie doch alles andere als ambitioniert bewertet zu sein. Spekulativ ist der Wert wegen des frühen Projekt-Stadiums aber dennoch.

Varta: Markt fokussiert sich auf Risiken

Dass jedoch auch etablierte Industrieunternehmen für Anleger Risiken bergen können, zeigt die Aktie von Varta. Das Unternehmen will in die Fertigungen von Akkus für die E-Mobilität einsteigen und hat in den vergangenen Monaten einige Vorschusslorbeeren erhalten. Teils galt Varta sogar als die deutsche E-Auto-Aktie schlechthin. Dass die Mühlen langsamer mahlen, wenn es darum geht, einen neuen Geschäftsbereich zu etablieren, haben Aktionäre aber bereits zu spüren bekommen. Schielte die Aktie vor einiger Zeit noch in Richtung der Marke von 200 EUR, hält sich der Wert aktuell lediglich knapp über 100 EUR. Der Markt fokussiert sich aktuell stärker auf die Risiken der ambitionierten Pläne. Die Aktie ist günstiger als vor Monaten, Anleger müssen sich aber im Klaren sein, dass Visionen an der Börse immer weniger eine Rolle spielen, je mehr es auf handfeste Ergebnisse ankommt.


An diesen handfesten Ergebnissen wird auch Volkswagen gemessen. Zwar sieht es hier gut aus, doch scheint auch bei der Aktie ein Großteil des Potenzials bereits vorweggenommen. Anders ist die Lage bei Graphano Energy. Bei Rohstoff-Unternehmen im Anfangsstadium ist die Skepsis typischerweise groß und schwindet nach und nach. Wer solche Werte maßvoll in eine bestehende Vermögensallokation einbauen kann und mit Bedacht und langem Atem investiert, kann sich die Eigenschaften kleiner und dynamischer Smallcaps wie Graphano Energy zu Nutze machen.


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Nico Popp

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