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21.09.2026 | 05:30

Wie bei Börsenaltmeiser André Kostolany! Sind Siemens Energy, BioNTech oder HPQ Silicon etwas für antizyklische Anleger?

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Bildquelle: ChatGPT KI generiert

Antizyklische Anleger aufgepasst! An der Börse geht es eben nicht immer rational zu. Börsenaltmeister André Kostolany verglich das Verhältnis zwischen Unternehmensentwicklung und Aktienkurs gerne mit einem Spaziergänger und seinem Hund. Mal läuft der Hund voraus, mal bleibt er zurück und am Ende bewegen sich beide in dieselbe Richtung. Ein solches Beispiel scheint derzeit HPQ Silicon zu sein. Während das Unternehmen eine positive Meldung nach der anderen veröffentlicht, steht die Aktie unter Druck. Genau diese Diskrepanz macht die Aktie für antizyklische Anleger interessant. Bei Siemens Energy ist es eher umgekehrt. Die Aktie hat schon sehr viel Wachstum vorausgenommen. Analysten raten zum Verkauf. Und wie ist es bei BioNTech?

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Fabian Lorenz
ISIN: SIEMENS ENERGY AG NA O.N. | DE000ENER6Y0 , BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026 , HPQ SILICON INC | CA40444L1031 | TSXV: HPQ , OTCQB: HPQFF

Inhaltsverzeichnis:


    HPQ Silicon: Antizyklische Anleger aufgepasst

    Vergangenen Donnerstag meldete HPQ Silicon einen kommerziellen Auftrag für seine Beteiligung Novacium im europäischen Drohnenabwehrmarkt. Der französische Drohnenspezialist Alta Ares hat mehr als 100 AA-NOVA-Batteriepacks bestellt. Sie sollen im Abfangdrohnensystem X-Lock eingesetzt werden. Der Auftrag folgt auf rund sechs Monate gemeinsamer Entwicklung und eine erfolgreiche Testkampagne mit zehn Prototypen im Juli 2026. Die Auslieferung ist noch vor Ende September vorgesehen.

    Technisch setzt Novacium auf Lithium-Ionen-Zellen mit siliziumbasierter Anodentechnologie. Das bestellte 6S3P-Batteriepack mit 15.000 mAh soll bei mindestens vergleichbarer Leistung leichter sein als die bislang von Alta Ares eingesetzte Referenzbatterie. Gerade bei Interceptor-Drohnen kann das Gewicht entscheidend für Agilität, Beschleunigung, Reichweite und Nutzlast sein. Künftig könnten zudem leistungsfähigere GEN4-Zellen mit 6.000 mAh zum Einsatz kommen.

    Strategisch ist der Auftrag für Novacium ein weiterer Schritt in den europäischen Verteidigungsmarkt. Alta Ares wurde gemeinsam mit MBDA für das französische ELISA-Programm ausgewählt und gewann 2025 zudem eine NATO-Innovationschallenge.

    Der Auftrag von Alta Ares reiht sich in eine Serie positiver Meldungen aus dem Drohnen- und Verteidigungsbereich in den vergangenen Wochen ein. Zuletzt hatten HPQ Silicon und Novacium insgesamt 30 speziell konfigurierte Batteriepacks an drei europäische Drohnenhersteller für abschließende Qualifikationstests geliefert. Zuvor war bereits ein erster kommerzieller Auftrag für GEN3-Batteriepacks für FPV-Drohnen eines französischen Regiments gemeldet worden. Damit wird immer deutlicher, dass Novaciums Siliziumanoden-Technologie den Schritt aus der Entwicklungsphase in konkrete militärische Anwendungen schafft.

    HPQ Silicon ist strategischer Partner von Novacium und mit 36,8 % an der französischen Deep-Tech-Gesellschaft beteiligt. Darüber hinaus hält HPQ die exklusiven nordamerikanischen Rechte an bestimmten Novacium-Technologien. Und noch mehr macht die Aktie von HPQ Silicon interessant. Das Unternehmen treibt unter anderem Technologien für hochreine pyrogene Kieselsäure sowie Wasserstoff- und Recyclinganwendungen voran.

    Das Abfangdrohnensystem X-Lock setzt auf HPQ-Beteiligung. Quelle: Alta Ares

    Siemens Energy: Stark, aber...!

    Seit dem Hoch Ende April bei 192 EUR befindet sich die Aktie von Siemens Energy im Rückwärtsgang. Derzeit notiert das Wertpapier des KI-Gewinners bei 140 EUR. Aus Sicht von mwb research gibt es immer noch viel Rückschlagpotenzial.

    Dabei sehen die Analysten Siemens Energy operativ weiterhin in einer sehr starken Position. Auf der Future of Energy Conference habe das Unternehmen bestätigt, dass insbesondere Gas Services und Grid Technologies von strukturellen Wachstumstreibern wie Elektrifizierung, Rechenzentren, dem Ausbau erneuerbarer Energien und der Modernisierung alter Stromnetze profitieren. Der Auftragsbestand von 162 Mrd. EUR sorgt für hohe Visibilität über mehrere Jahre. Gleichzeitig baut Siemens Energy die Kapazitäten für Gasturbinen und Netztechnik aus.

    Zusätzlich sieht mwb Potenzial durch den wachsenden Serviceanteil im Gasgeschäft. Mit der steigenden installierten Turbinenbasis dürfte auch das margenstärkere Servicegeschäft langfristig zulegen. Die geplante Veräußerung großer Teile des Bereichs Transformation of Industry soll das Portfolio zudem stärker auf Stromerzeugung und -übertragung fokussieren und die Kapitalallokation verbessern. Für 2026 erwartet mwb einen Umsatz von rund 44,9 Mrd. EUR und einen Nettogewinn von gut 4,0 Mrd. EUR. Bis 2028 sollen die Erlöse auf 57,3 Mrd. EUR und der Gewinn auf 5,4 Mrd. EUR steigen.

    Doch trotz der überzeugenden operativen Entwicklung bleibt mwb bei der Verkaufsempfehlung. Grund ist die Bewertung. Mit einem erwarteten KGV von rund 25 für 2027 seien bereits sehr hohe langfristige Wachstumsannahmen eingepreist. Insbesondere ein schwächerer KI- und Rechenzentrumsboom wird als Risiko gesehen. Der jüngste Kursrückgang verbessert das Chance-Risiko-Verhältnis nach Ansicht der Analysten zwar etwas, aber noch nicht ausreichend. Sie sehen das Unternehmen erst bei einem Kurs von 100 EUR als fair bewertet.

    BioNTech: Auf den Spuren von Moderna?

    Für BioNTech war 2026 bislang ein Jahr zum Vergessen. Der angekündigte Rückzug der Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci sowie Standortschließungen belasteten die Stimmung und die Aktie. Große klinische Durchbrüche blieben bisher aus. Gleichzeitig sorgte Konkurrent Moderna mit positiven Daten seines gemeinsam mit Merck entwickelten Krebsimpfstoffs für Furore.

    Doch könnte das Mainzer Biotechunternehmen jetzt zur Aufholjagd ansetzen? Vergangene Woche haben BioNTech und OncoC4 aktualisierte Phase-3-Studiendaten zu Gotistobart bei vorbehandelten Patienten mit metastasiertem Plattenepithel-NSCLC vorgestellt. In der nicht zulassungsrelevanten ersten Studienphase erreichte die Gotistobart-Monotherapie ein medianes Gesamtüberleben von 18,5 Monaten gegenüber 10,0 Monaten unter Docetaxel. Das entspricht einer deutlichen Reduktion des Sterberisikos. Eingeschlossen waren 87 Patienten, deren Erkrankung nach vorheriger Immun- und Chemotherapie fortgeschritten war.

    Der Wirkstoff soll regulatorische T-Zellen gezielt im Tumormikromilieu reduzieren und dadurch die körpereigene Anti-Tumor-Immunantwort wieder aktivieren. Die bisherigen Sicherheitsdaten blieben nach Angaben der Unternehmen beherrschbar. Schwerwiegendere therapiebedingte Nebenwirkungen ab Grad 3 traten bei 44,4 % der Gotistobart-Patienten und bei 48,8 % der Docetaxel-Patienten auf.

    Die Daten stärken damit die Hoffnung, dass Gotistobart eine chemotherapiefreie Behandlungsoption für schwer behandelbare Patienten mit Plattenepithel-NSCLC werden könnte. Entscheidend ist nun die laufende zulassungsrelevante zweite Phase der PRESERVE-003-Studie, die an mehr als 160 Standorten weltweit durchgeführt wird. Erst wenn sich der Überlebensvorteil dort bestätigt, könnte Gotistobart das Potenzial haben, den bisherigen Therapiestandard in dieser Behandlungslinie zu verändern.

    In einer ersten Reaktion bestätigte Berenberg die Kaufempfehlung für die BioNTech-Aktie. Das Kursziel wurde von 132 USD auf 140 USD erhöht. Derzeit notiert das Wertpapier bei 96 USD.


    Fazit

    HPQ Silicon scheint in das Beuteschema von André Kostolany zu passen. Während das Unternehmen liefert, bleibt die Aktie (noch) zurück. Umgekehrt ist es bei Siemens Energy. Operativ läuft es stark, aber die Aktie hat eben schon viel vorweggenommen. Die Korrektur tut gut. Nach einem bisher schwachen Jahresverlauf könnte es bei der BioNTech-Aktie tatsächlich wieder aufwärts gehen.


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    Der Autor

    Fabian Lorenz

    Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.

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