29.10.2026 | 05:29
Rüstungsindustrie setzt auf Wasserstoff? Rheinmetall, Nel ASA, SFC Energy, HPQ Silicon wollen profitieren.
Erstellt und veröffentlicht im Auftrag von HPQ Silicon.
Gelingt Wasserstoff ausgerechnet in der Rüstungsindustrie der Durchbruch? Die Nachfrage nach dezentralen Energielösungen für Drohnen, Militärstützpunkte und mobile Einsatzzentralen nimmt zu. Dabei geht es weniger um Klimaschutz als um Versorgungssicherheit und die Unabhängigkeit von verwundbaren Lieferketten. Auch die Politik hat das Potenzial erkannt. In Europa und den USA fließen staatliche Fördermittel in die Entwicklung neuer Wasserstofftechnologien für militärische Anwendungen. Davon könnten börsennotierte Unternehmen profitieren. HPQ Silicon meldet einen Erfolg bei der staatlichen Förderung einer innovativen Wasserstofftechnologie. SFC Energy baut sein Verteidigungsgeschäft mit einem neuen Partner im Nahen Osten aus. Und Rheinmetall und Nel ASA wollen gemeinsam die dezentrale Produktion synthetischer Kraftstoffe vorantreiben. Entsteht hier ein neuer Milliardenmarkt für Wasserstoffunternehmen?
Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Fabian Lorenz
ISIN: HPQ Silicon Inc | CA40444L1031 , SFC Energy AG | DE0007568578 , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , Nel ASA | NO0010081235
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Fabian Lorenz
Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.
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SFC Energy: Schon länger ein Profiteur
SFC Energy ist schon länger als Profiteur der Brennstoffzellentechnologie in der Rüstungsindustrie bekannt. Der deutsche Spezialist für dezentrale Energieversorgung hatte im Mai 2026 mit einem Auftrag über 42,7 Mio. EUR den größten Einzelauftrag seiner Unternehmensgeschichte gemeldet. Im Rahmen einer Initiative der Bundesregierung liefert SFC mobile Brennstoffzellen-Batterie-Systeme in die Ukraine. Sie versorgen unter anderem Kommunikations- und Aufklärungstechnik mit Strom und können auch zum Laden von Drohnenbatterien eingesetzt werden. Ein Vorteil gegenüber herkömmlichen Generatoren ist der nahezu geräuschlose Betrieb. Die eingesetzten Systeme basieren auf Methanol-Brennstoffzellen. Daneben verfügt SFC auch über Wasserstofftechnologien und entwickelt leistungsfähigere Lösungen für militärische Anwendungen.
Am Dienstag meldete SFC Energy den nächsten Schritt beim Ausbau des Rüstungsgeschäfts. Mit dem staatlichen Technologie- und Rüstungskonzern EDGE aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde eine strategische Partnerschaft vereinbart. Gemeinsam wollen die Unternehmen moderne Stromversorgungssysteme für militärische Anwendungen und den Schutz kritischer Infrastruktur entwickeln und vermarkten. Dabei sollen bestehende Brennstoffzellen und hybride Energiesysteme von SFC unter anderem für die Energieversorgung von Hochenergielasern und anderen modernen Verteidigungssystemen angepasst werden. Erste Demonstrationsanlagen befinden sich bereits in der Entwicklung. Darüber hinaus prüfen die Partner eine lokale Fertigung sowie den Export in weitere Länder der Region. Für SFC könnte sich damit ein zusätzlicher Wachstumsmarkt im Nahen Osten eröffnen. Konkrete Auftragsvolumina wurden allerdings noch nicht genannt.
HPQ Silicon: Newcomer mit Kursfantasie
Positive Nachrichten für HPQ Silicon und seinen strategischen Partner Novacium. Das französische Technologieunternehmen hat gemeinsam mit Axel’One und AD-VENTA eine staatliche Förderung von knapp 1 Mio. EUR für die Weiterentwicklung seiner Wasserstofftechnologie METAGENE erhalten. Die Mittel stammen aus dem anspruchsvollen RAPID-Programm der französischen Verteidigungsinnovationsagentur (AID) und der Generaldirektion für Rüstung (DGA). Das Projekt verfügt über ein Gesamtbudget von 1,2 Mio. EUR und wird mit dem maximal möglichen Fördersatz von 80 % unterstützt. Die Laufzeit beträgt 30 Monate und hat am 1. September 2026 begonnen. Ziel ist es, die Technologie von der Laborphase in Richtung eines praxistauglichen Demonstrators weiterzuentwickeln. Für Novacium bedeutet die Förderung eine wichtige finanzielle Unterstützung und zugleich eine Anerkennung des technologischen Potenzials durch französische Regierungsbehörden.
Im Mittelpunkt steht ein patentiertes Verfahren, mit dem sich Wasserstoff ohne externe Stromversorgung direkt am Einsatzort erzeugen lässt. Dazu nutzt Novacium einen festen Brennstoff auf Basis von Aluminium und Silizium, der bei Kontakt mit Wasser und einem Aktivator Wasserstoff freisetzt. Bei der Reaktion entstehen nach Unternehmensangaben keine Treibhausgase. Zudem ist der metallische Brennstoff in seiner festen Form ungefährlich und lässt sich vergleichsweise einfach transportieren und lagern. Gemeinsam mit AD-VENTA soll eine autonome Hochdruck-Wasserstoffstation entwickelt werden, die täglich bis zu 20 Kilogramm Wasserstoff bereitstellen kann. Damit adressiert Novacium insbesondere Anwendungen, bei denen eine zuverlässige Stromversorgung oder Wasserstoffinfrastruktur fehlt. Dazu gehören Drohnen, abgelegene Industriestandorte und militärische Einrichtungen. Ein wirtschaftlicher Vorteil könnte sich daraus ergeben, dass die aufwendige Anlieferung und Lagerung von Wasserstoff entfällt.
HPQ Silicon profitiert in mehrfacher Hinsicht. Das kanadische Unternehmen hält 36,8 % an Novacium und der Wert der Beteiligung dürfte weiter steigen. Außerdem verfügt HPQ über die exklusiven Vermarktungsrechte für die gemeinsam entwickelten Technologien in Nordamerika. HPQ könnte die METAGENE-Technologie künftig auf dem nordamerikanischen Markt kommerzialisieren. Besonders interessant ist die mögliche Nutzung im Verteidigungssektor, da das französische RAPID-Programm gezielt Technologien mit militärischen und zivilen Einsatzmöglichkeiten fördert. Gleichzeitig bleibt Novacium ein wichtiger Entwicklungspartner von HPQ im Bereich siliziumbasierter Anodenmaterialien und leistungsfähiger Lithium-Ionen-Batterien.
Rheinmetall setzt bei Wasserstoff auf Nel ASA
Auch Rheinmetall setzt auf Wasserstoff. Mitte Oktober 2026 hat das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit dem norwegischen Wasserstoffspezialisten Nel ASA angekündigt. Gemeinsam wollen die Partner dezentrale Anlagen zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe für militärische Anwendungen und kritische Infrastruktur entwickeln. Im Mittelpunkt steht Rheinmetalls Giga-PtX-Konzept, das die Produktion von klimafreundlichen Kraftstoffen aus Wasser, CO₂ und erneuerbarem Strom ermöglicht. Nel soll dafür seine Elektrolysetechnologie zur Herstellung von grünem Wasserstoff einbringen. Die geplanten Anlagen könnten jährlich zwischen 5.000 und 7.000 Tonnen synthetische Kraftstoffe produzieren. Diese lassen sich in bestehenden Fahrzeugen und Maschinen einsetzen. Für Streitkräfte wäre dies ein erheblicher Vorteil, da sie ihre Abhängigkeit von zentralen Raffinerien und störanfälligen Lieferketten reduzieren könnten.
Zunächst wollen Rheinmetall und Nel mögliche Projekte in Norwegen prüfen. Das Land verfügt über große Mengen erneuerbarer Energie, ist bei der Versorgung mit raffinierten Kraftstoffen jedoch teilweise auf das Ausland angewiesen. Die beiden Unternehmen untersuchen nun geeignete Standorte, die technischen Voraussetzungen und die Wirtschaftlichkeit der dezentralen Produktion. Auch erste Pilotanlagen sind denkbar. Die bisherige Vereinbarung ist allerdings noch unverbindlich. Für Nel könnte sich mit der Kooperation ein zusätzlicher Absatzmarkt für seine Elektrolyseure eröffnen. Rheinmetall wiederum will sich mit Giga-PtX als Anbieter einer sicheren Energieversorgung für Streitkräfte positionieren.
Fazit
Die Rüstungsindustrie könnte sich zu einem überraschenden Wachstumstreiber für Wasserstofftechnologien entwickeln. SFC Energy profitiert bereits von konkreten Aufträgen und baut seine Marktposition weiter aus. Für HPQ Silicon eröffnet die staatliche Förderung von Novacium zusätzliche Perspektiven. Gelingt die Kommerzialisierung der Technologie, könnte dies der Aktie neue Impulse geben, zumal HPQ auch bei Drohnen und Batterien mitmischt. Auch Nel ASA könnte durch die Kooperation mit Rheinmetall einen neuen Absatzmarkt erschließen. Allerdings wird dies noch viel Zeit brauchen und wohl nicht zur Lösung der aktuellen Probleme der Norweger beitragen. Für Rheinmetall ist das Thema kein Treiber, sondern ein Baustein für die Zukunft.
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