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13.06.2022 | 06:00

Aktien am Abgrund – so können Sie handeln: Thyssenkrupp, Nevada Copper, K+S

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Bildquelle: pixabay.com

Wenn Unternehmen am Abgrund stehen, ist am Aktienmarkt die Messe meist schon gelesen: Kurse reagieren in der Regel schnell auf Schieflagen bei Unternehmen. Manchmal werden diese Schieflagen allerdings vom Markt nur antizipiert und im Kontext des Gesamtmarkts übertrieben. Eines dieser Beispiele ist etwa Thyssenkrupp. Das Unternehmen steht aktuell wieder mit dem Rücken zur Wand. Wir gehen auf die Situation ein und ziehen Parallelen zu vergleichbaren Unternehmen in verschiedenen Stadien.

Lesezeit: ca. 2 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: K+S AG NA O.N. | DE000KSAG888 , NEVADA COPPER CORP. | CA64128F7039 , THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001

Inhaltsverzeichnis:


    Thyssenkrupp: Hier hat sich einiges getan

    Thyssenkrupp aus Düsseldorf gilt in diesen Tagen als angeschlagen. Der negative Konjunkturausblick und die bevorstehende Zinswende auch in Europa lassen den Kurs der Aktie taumeln. Doch es lohnt sich, das Unternehmen im Spiegel einer Entwicklung zu sehen, die schon vor Jahren begonnen hat. Thyssenkrupp trennte sich in den vergangenen Jahren von zahlreichen Tochter-Unternehmen mit dem Ziel, sich schlanker aufzustellen. Verkauft wurde unter anderem das italienische Edelstahlwerk AST sowie der Bergbau-Bereich, die Infrastruktur-Sparte und auch das Geschäft mit Carbonteilen. Stattdessen fokussierte sich Thyssenkrupp auf Wasserstoff und sieht im Geschäft mit Elektrolyseuren großes Wachstumspotenzial.

    In den vergangenen Quartalen konnte das Unternehmen seinen Umsatz bereits steigern und auch höhere Stückzahlen absetzen. Mit dem Wasserstoff-Geschäft hat ThyssenKrupp zudem einen echten Hoffnungsträger im Portfolio. Auch wenn einige Beobachter die Aktie bereits wieder in den Abwärtstrend zurückfallen sehen, sollten Anleger die Erfolge der vergangenen Jahre nicht vergessen. Thyssenkrupp ist heute für Krisen weniger anfällig als in der Vergangenheit. Risiken bestehen aber weiterhin.

    Nevada Copper: Übertreibt der Markt nach unten?

    Eine gehörige Portion Risiko hat der Markt auch bei Nevada Copper eingepreist. Der Kupfer-Produzent im gleichnamigen US-Bundesstaat musste zuletzt „operative Herausforderungen" auf seinem Pumpkin-Hollow-Untertageprojekt vermelden. Was ist geschehen? Eine schwache Gesteinsstruktur verzögert den Abbau von Gestein in einem bestimmten Bereich (East-South-Zone) der Mine bis August. Da das Unternehmen akuten Finanzierungsbedarf hat, wird eine neuerliche Finanzierungsrunde nötig. Das Unternehmen arbeitet daran, diese Finanzierung zu sichern, um die Verzögerung zu überbrücken. Auf anderen hochgradigen Bereichen der Mine sollen die Arbeiten wie geplant weitergehen.

    Die Analysten der Royal Bank of Canada reagierten auf die Vorkommnisse und senkten ihr Kursziel auf 0,50 CAD. Statt des Ratings „Outperform" ist die Aktie den Analysten nur noch ein „Underperform" wert. Die Aktie fiel zuletzt auf unter 0,40 CAD. Wie gehabt übertreibt der Markt auch nach unten. Der Wert ist angesichts der Finanzierungsrisiken ein heißes Eisen. Anleger müssen abhängig von ihrer individuellen Situation entscheiden, ob sie den Wert weiter anfassen wollen oder nicht. Gelingt allerdings eine Lösung mit den vorhandenen Finanzierungspartnern, zu denen auch die KfW sowie einige Anker-Aktionäre, die erst vor einigen Monaten eingestiegen sind, gehören, kann sich die Stimmung rund um Nevada Copper auch wieder drehen.

    K+S: Comeback statt Pleitegeier

    Dass nach einem reinigenden Gewitter auch wieder die Sonne scheint, zeigt die Aktie von K+S. Der Düngemittel-Spezialist galt lange Zeit als angeschlagen: Ein hoher Fremdkapitalanteil, große Konkurrenz und wenig Hoffnung lasteten auf dem Kurs. Manch ein Anleger wähnte gar den Pleitegeier über der Konzernzentrale in Kassel. Doch die steigenden Rohstoffpreise haben K+S neues Leben eingehaucht. Seit 2020 hat sich die Aktie nahezu verdreifacht. Neue Düngemittel sollen K+S in eine goldene Zukunft führen. Dem Tod ist das Unternehmen damit definitiv von der Schippe gesprungen – das Geschäft bleibt aber zyklisch.


    Wer bei K+S 2020 zu einstelligen Kursen zugegriffen hat, sitzt heute auf satten Gewinnen, wie sie eigentlich nur mit Smallcaps möglich sind. Doch die wenigsten Anleger werden sich 2020 getraut haben, in K+S zu investieren. Um mutig in fallende Messer zu greifen, kommt es darauf an, die Herausforderungen eines Unternehmens genau einschätzen zu können – und die eigene Meinung auch länger durchzuhalten. Wer sich wie aktuell Käufer von Nevada Copper gegen den Markt stellt, braucht mitunter einen langen Atem, kann dafür aber auch belohnt werden. Nach dem Prinzip Hoffnung sollten Anleger allerdings nicht investieren – je komplexer die Situation, desto gründlicher sollte die Analyse von Aktien ausfallen.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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