20.07.2026 | 05:30
Nel mit Horrorzahlen! ITM Power mit Geldregen! dynaCERT-Aktie vor Vervielfachung?
Wenn ein gestandenes Unternehmen im Quartal mehr Verlust als Umsatz macht, kann man wohl von Horrorzahlen sprechen. Dies ist bei Nel ASA der Fall. Vor diesem Hintergrund ist der leichte Kursrückgang fast schon positiv zu bewerten. Wobei innerhalb der Quartalszahlen auch nicht alles schlecht war. Positiv bewerten Analysten die Entwicklung bei dynaCERT. Gelingt die Kommerzialisierung der Technologie zur Einsparung von Treibstoff und Emissionen, könnte sich die Aktie vervielfachen. Das deutsche Management sieht derzeit in Asien besonders große Chancen. Erste größere Aufträge wurden an Land gezogen. Halbiert hat sich zuletzt die Aktie von ITM Power. Die Euphorie rund um die Kooperationen mit Rheinmetall und der Deutschen Bahn hielt noch lange an. Immerhin können sich die Briten über einen Geldregen freuen.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Fabian Lorenz
ISIN:
DYNACERT INC. | CA26780A1084 | TSX: DYA , OTCQB: DYFSF , ITM POWER PLC LS-_05 | GB00B0130H42 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Fabian Lorenz
Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.
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dynaCERT: Über Vietnam zur Aktienkursvervielfachung
Die Analysten von GBC Research trauen der Aktie von dynaCERT eine Vervielfachung auf 0,48 EUR zu. Derzeit notiert das Wertpapier des Cleantech-Unternehmens bei 0,065 EUR. Voraussetzung für die Kursexplosion ist, dass dynaCERT den Übergang zur Kommerzialisierung in den kommenden Monaten schafft.
Wie dies gelingen soll, haben CEO Kevin Unrath und Präsident Bernd Krüper im jüngsten Interview mit Lyndsay Malchuk vom IIF erläutert. Das deutsche Managementduo hat dabei einen sehr fokussierten Eindruck hinterlassen.
Im Fokus stehen derzeit Vietnam und Mexiko. Vietnam gilt für dynaCERT als besonders attraktiver Markt, weil dort viele ältere dieselbetriebene Fahrzeuge und Maschinen im Einsatz sind. Zugleich werden strengere Emissionsvorgaben eingeführt. Außerdem verstärkt die Eskalation im Nahen Osten die Bemühungen zur Reduzierung des Treibstoffverbrauchs. Die HydraGEN-Technologie kann nach Darstellung des Unternehmens an bestehenden Motoren nachgerüstet werden und soll sowohl den Schadstoffausstoß als auch den Kraftstoffverbrauch reduzieren. Der verwendete Wasserstoff wird direkt im Gerät erzeugt. Eine externe Wasserstoffinfrastruktur ist nicht erforderlich. Für den Markterfolg setzt dynaCERT auf lokale Installations- und Vertriebspartner sowie auf Kontakte zu Behörden. Vietnam könnte dadurch zum Ausgangspunkt für eine breitere Expansion in Südostasien werden.
In Vietnam wurden bereits zahlreiche HydraGEN-Systeme in realen Anwendungen installiert, unter anderem bei Lkw-Flotten, Generatoren und in der Rohstoffindustrie. Diese Pilotprojekte sollen nicht mehr die grundsätzliche Funktionsfähigkeit der Technologie beweisen, sondern konkrete Kennzahlen wie Kraftstoffeinsparungen und Emissionssenkungen unter lokalen Bedingungen belegen. Nach Angaben des Managements haben die positiven Ergebnisse inzwischen zu ersten Serienaufträgen geführt, was höhere Stückzahlen und steigende Umsätze ermöglichen soll.
Für die kommenden zwölf Monate will das Management nicht nur weitere Serienaufträge gewinnen, sondern auch die HydraGEN-Hardware und die dazugehörige HydraLytica-Software weiterentwickeln. Entscheidend sei, sämtliche Unternehmensbereiche von Forschung und Beschaffung über Produktion und Service bis hin zum Vertrieb auf Wachstum auszurichten. Unrath und Krüper betonen, dass sich der Erfolg künftig an messbaren Ergebnissen wie Absatzvolumen, Umsatzwachstum und letztlich auch der Kursentwicklung zeigen müsse. Damit soll dynaCERT beweisen, dass sich die jahrelange Entwicklungsarbeit in ein tragfähiges und skalierbares Geschäftsmodell übersetzen lässt.
https://youtu.be/hVNR4Ch5p0c?si=GPcRHxW_aaNFUicR
Nel: Verlust höher als der Umsatz
Während dynaCERT die Kommerzialisierung derzeit startet, ist das Wachstum bei Nel ins Stocken geraten. Keinen Jubel hat der ehemalige Anlegerliebling mit seinen Quartalszahlen in der vergangenen Woche ausgelöst. Die Aktie reagierte leicht negativ und beendete die Woche bei 0,19 EUR. Damit liegt sie wieder auf dem Niveau von Anfang April. Dazwischen schoss sie kurzzeitig bis auf 0,37 EUR nach oben. Die Quartalszahlen zeigen jedoch, dass für eine solche Euphorie die Substanz fehlt.
Das Positive zuerst: Nel hat im zweiten Quartal 2026 beim Auftragseingang deutlich an Dynamik gewonnen. Die Bestellungen beliefen sich auf 230 Mio. NOK und lagen damit 224 % über dem Vorjahreswert sowie 171 % über dem ersten Quartal. Besonders stark entwickelte sich das PEM-Geschäft, auf das 96 % des Auftragseingangs entfielen. Insgesamt verfügte Nel zum Quartalsende über einen Auftragsbestand von 1,213 Mrd. NOK. Das waren 9 % mehr als Ende März, aber noch 3 % weniger als ein Jahr zuvor.
Beim Umsatz blieb die operative Entwicklung dagegen verhalten. Die Erlöse aus Kundenverträgen gingen im Jahresvergleich um 12 % auf 153 Mio. NOK zurück, lagen jedoch leicht über dem Wert des ersten Quartals. Einschließlich sonstiger Erträge erzielte Nel 182 Mio. NOK. Das EBITDA verschlechterte sich auf -155 Mio. NOK nach -86 Mio. NOK im Vorjahresquartal. Belastet wurde das Ergebnis allerdings durch einen Sondereffekt von 70 Mio. NOK im Zusammenhang mit der Einigung mit Iwatani. Unter dem Strich weitete sich der Nettoverlust von 131 Mio. NOK auf 189 Mio. NOK aus. Damit hat Nel mehr Verlust als Umsatz generiert.
Trotz der hohen Verluste sieht sich Nel finanziell weiterhin handlungsfähig. Zum Quartalsende verfügte das Unternehmen über liquide Mittel von 1,328 Mrd. NOK. Diese sollen zusammen mit Kostensenkungen und einer angepassten Kapazitätsauslastung ausreichen, um den laufenden Betrieb und die Weiterentwicklung der Technologie zu finanzieren. Strategisch setzt Nel unverändert auf die Zusammenarbeit mit Partnern wie Reliance, Samsung E&A und Saipem. Der angekündigte Rücktritt von CEO Håkon Volldal soll daran nichts ändern. Der Verwaltungsrat betonte, dass Strategie, Geschäftsmodell und Prioritäten fortgeführt werden. Positiv wertet das Management die bisherigen Tests der neuen druckbetriebenen alkalischen Elektrolyseplattform, die Anfang Mai kommerziell eingeführt wurde.
ITM Power freut sich über Millionen
Vom Jahreshoch Ende Mai bei 2,50 EUR hat sich die Aktie von ITM Power inzwischen wieder halbiert. Dennoch liegt das Wertpapier in diesem Jahr immerhin noch fast 65 % im Plus. Für Optimismus bei Anlegern hatten in den vergangenen Monaten Kooperationen mit Rheinmetall und der Deutschen Bahn gesorgt.
Zuletzt hat das Unternehmen gemeldet, dass es die im April angekündigte Förderung über 46,5 Mio. GBP vom britischen Energieministerium nun offiziell erhalten hat. Zusammen mit einer Eigenkapitalinvestition von 40 Mio. GBP durch Great British Energy soll das Geld den Aufbau der Produktionskapazitäten für den Elektrolyseur-Stack Chronos unterstützen. Das Unternehmen erwartet von der neuen Generation eine höhere Energieeffizienz, niedrigere Kosten und eine stärkere Wettbewerbsposition.
Die Fertigungslinie soll in den bestehenden Anlagen in Sheffield entstehen und auf bereits etablierten Produktionsprozessen aufbauen. Geplant sind automatisierte Anlagen für eine Jahreskapazität von 1 GW, unter anderem für Membranbeschichtung, Elektrodenfertigung, Stackmontage und Prüfverfahren. ITM Power will damit die Industrialisierung von Chronos vorbereiten und die Fertigung schrittweise hochfahren.
Fazit
Bei dynaCERT steht eine sehr spannende zweite Jahreshälfte an. Gelingt die Kommerzialisierung, hat die Aktie laut Analysten Vervielfachungspotenzial. Das deutsche Management gibt jedenfalls Vollgas. Bei Nel gibt der Auftragseingang ein wenig Hoffnung. Ansonsten scheint das Unternehmen nicht vom Fleck zu kommen. Die Rally der Aktie von ITM Power war wohl etwas zu stark. Dennoch scheint das Unternehmen durchaus auf einem guten Weg zu sein.
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