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25.07.2022 | 06:30

Quo vadis Kupfer? Dieser Chart geht alle an! Nordex, Alpha Copper, Mercedes-Benz

  • Kupfer
Bildquelle: pixabay.com

Der Kupferpreis ist für alle Anleger relevant. Warum? Er gibt sowohl Hinweise auf die Entwicklung der Inflation und deutet an, wohin es für die Wirtschaft in den nächsten Monaten gehen könnte. Doch macht das Industriemetall seinem Ruf als „Dr. Copper", also als Konjunkturindikator, der verlässlicher als mancher Volkswirt ist, auch dieses Mal wieder alle Ehre? Wir erklären die Situation rund um Kupfer, leiten daraus ein mögliches Szenario für die kommenden Monate ab und beleuchten anschließend die drei Aktien Nordex, Alpha Copper und Mercedes Benz. Los geht's!

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: ALPHA COPPER CORP | CA02074D1087 , MERCEDES-BENZ GROUP AG | DE0007100000 , NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554

Inhaltsverzeichnis:


    Erste positive Signale rund um Ukraine-Krieg und Inflation

    Als Kupfer an der London Metal Exchange im März bei über 10.700 USD notierte, herrschte am Markt eine verwirrende Situation. Der Krieg in der Ukraine hatte die Welt gerade erschüttert und es war bereits absehbar, dass die Lage in der Ukraine den Todesstoß für die Wirtschaft bedeuten könnte. Trotzdem erreichte Kupfer ein neues Hoch. Seitdem ist viel geschehen. Kupfer stürzte je Tonne unter die Marke von 7.500 USD und die Rezession ist in aller Munde. Doch ist die Lage heute wirklich so viel schlechter als noch im März?

    Quelle: S&P CaptitalIQ Pro, Stand: 22.07.2022

    Während die Welt im März noch sämtliche Eskalations-Optionen rund um den Krieg in der Ukraine denkbar waren, hat sich die Situation inzwischen ein wenig beruhigt. Russland und die Ukraine haben sogar ein Abkommen über die Ausfuhr von Weizen getroffen. Auch fließt das Gas in Nord Stream 1 wieder. Zugleich haben die wichtigsten Notenbanken den Kampf gegen die Inflation entschieden aufgenommen. Die USA könnten schon bald den nächsten Schritt um 75 Basispunkte wagen und die EZB hat sich immerhin durchgerungen, die Zinsen um 50, statt der avisierten 25 Basispunkte zu erhöhen. Diese Entschlossenheit kommt bei vielen Beobachtern mit einem langfristigen Horizont gut an. Zwar gibt es auch jetzt wieder kritische Stimmen gegenüber der EZB, doch steckte die Notenbank ohnehin in einem Dilemma -- bei der Wahl zwischen Inflation und Rezession muss man notgedrungen abwägen. Durchmogeln geht nicht.

    Warum diesmal vieles anders ist

    Die entschiedenen Zinsschritte der Notenbanken könnten gepaart mit den Kursverlusten an den Rohstoffmärkten dazu geeignet sein, die Inflation mittelfristig wieder auf ein normales Maß einzufangen. Zwar besagt das Lehrbuch, dass höhere Zinsen die Aktivität der Wirtschaft dämpfen und angesichts einer drohenden Rezession „Gift" sind, doch ist die aktuelle Situation anders: Angesichts von Lieferproblemen und dem allgemeinen Mangel herrschen in der Wirtschaft aktuell zwei Verhaltensweisen vor: Die erste ist, sich Güter sobald verfügbar zu sichern, frei nach dem Motto „Haben ist besser als brauchen" und die zweite ist, angesichts der fragilen Situation erst einmal abzuwarten. Die Finanzierungsbedingungen sind in beiden Szenarien das kleinste Problem. Hinzu kommt, dass die Zinsen historisch gesehen noch immer sehr niedrig sind.

    Stattdessen könnte die klare Haltung der Notenbanken gepaart mit sinkenden Rohstoffpreisen zumindest das Inflationsgespenst vertreiben und so einen großen Unsicherheitsfaktor für die Wirtschaft beseitigen. Erst letzte Woche wurden die Einkaufsmanagerindizes in Deutschland und Frankreich veröffentlicht. Sie rutschten für die Industrie-Komponente jeweils in den rezessiven Bereich unter 50 Punkte. Lediglich der Service-Sektor Frankreichs hält sich auf leicht positivem Terrain. Die Experten der Helaba sehen eine Kombination aus „geopolitischer Verunsicherung, Gaskrise, hohen Preissteigerungen, Fachkräftemangel, Lieferengpässen und steigenden Zinsen" als Grund. Oder kurz: Die Lage ist diffus und hat eine bedeutsame psychologische Komponente.

    Kupfer: Mehr Psychologie als Fakten

    Dass die Marktpsychologie aktuell eine bedeutsame Rolle spielen könnte, sieht auch John Meyer von SP Angel so. Der Experte sieht einige Hedge Funds auf niedrigere Preise bei Kupfer wetten. Diese würden ein Rezessions-Szenario einpreisen und Lockdowns in China zum Anlass nehmen, weitere Short-Positionen einzugehen. Fundamental bleibe das Kupfer-Angebot allerdings begrenzt und die Nachfrage vor allem aus dem Bereich der regenerativen Energie auch angesichts der Klimawende groß. Dafür, dass die fundamentale Situation, also das Zusammenspiel aus Angebot und Nachfrage, eher positiv für Kupfer ist, spricht auch der Anstieg der Kupferpreise unmittelbar nach Ausbruch des Krieges.

    Selbst wenn wichtige Volkswirtschaften in eine technische Rezession abrutschen, die sich erst im Nachhinein zeigt und angesichts des Ausmaßes der Verwerfungen in der Wirtschaft kaum mehr als ein statistisches Phänomen sein kann, bleibt Kupfer gefragt. Vor allem die Sonderkonjunktur rund um die Elektrifizierung der Wirtschaft und die Anforderungen im Zuge des Klimawandels sollten das Industriemetall langfristig wieder stützen. Auch John Meyer geht davon aus, das Kupfer wieder das Niveau von 10.000 USD je Tonne erreichen kann.

    Nordex oder Mercedes-Benz: Anleger mit Henne-Ei-Problem

    Da der Markt mit verschiedenen, sich teils gegensätzlich auswirkenden Risikofaktoren nur schwer zurechtkommt und die kollektive Psychologie eindeutige Szenarien bevorzugt, spielt der Markt am Beispiel von Kupfer, anderen Rohstoffen und auch wichtigen Aktienindizes aktuell ein Rezessions-Szenario durch. Dieses ist zwar nicht von der Hand zu weisen, doch ist die Situation komplexer. Schon erste Erfolge im Kampf gegen die Inflation könnten Wirtschaftsakteure und Konsumenten wieder zuversichtlicher werden lassen. Da an der Börse die Zukunft gehandelt wird, sollten Anleger Kupfer nicht abschreiben - spätestens, wenn der Markt statt der Rezession wieder andere Faktoren in den Blick nimmt, sollte auch Kupfer nach dem deutlichen Einbruch wieder steigen.

    Um sich rund um Kupfer zu positionieren, gibt es für Anleger verschiedene Möglichkeiten. Da die Nachfrage nach Kupfer maßgeblich vom Ausbau der regenerativen Energien getrieben wird, könnten Anleger auf die Idee kommen, sich Titel wie Nordex näher anzusehen. Hier verwechseln Investoren jedoch Ursache und Wirkung. Wenn Kupfer steigt, steigen auch die Kosten für Windanlagenbauer. Da Nordex in der Vergangenheit ohnehin bereits ein Problem mit seiner Marge hatte, ist hier - aller Comeback-Fantasie zum Trotz - Vorsicht angesagt. Auch für klassische Industrietitel, wie etwa Mercedes-Benz, ist Kupfer in erster Linie ein Kostenfaktor. Zwar dürfte mittelfristig ein steigender Kupferpreis auch wieder mit einer freundlich tendierenden Wirtschaft korrelieren, doch handelt es sich dabei nicht um kausale Zusammenhänge.

    Alpha Copper: Die Aktie passt zur Marktphase

    Wer logisch denkt, sollte sich stattdessen bei Unternehmen aus der Kupferindustrie positionieren. Branchenkenner, wie John Meyer, raten auch hier dazu, ganz genau hinzusehen: Vor allem bei Produzenten mit hohen Produktionskosten würde die Inflation ganz besonders ins Kontor schlagen. Eine bessere Option für Anleger können daher Explorationsunternehmen wie Alpha Copper sein. Explorationsunternehmen leisten wichtige Vorarbeiten, indem sie Rohstoff-Vorkommen suchen und identifizieren. Von aktuellen Verwerfungen der Wirtschaft sind sie - sofern ausreichend finanziert - jedoch eher wenig betroffen. Alpha Copper verfügt über zwei Kupfer-Projekte in Kanada, die zu den vielversprechendsten des Landes gehören. Das Indata-Projekt umfasst 3.189 Hektar und befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft weiterer vielversprechender Neuentdeckungen, wie Kwanika und Stardust. Beide Projekte sind nur rund 15km von Indata entfernt. Auch das Okeover-Projekt mit einer Gesamtfläche von 3.950 Hektar gilt als aussichtsreich und wurde in der Vergangenheit - also bei weitaus niedrigerem Kupferpreisen - bereits exploriert.


    Mit einer Marktkapitalisierung von nur 9 Mio. EUR bietet Alpha Copper spekulativ orientierten und erfahrenen Anlegern eine gute Gelegenheit, um vom Comeback des Kupferpreises in einer komplexen Gesamtlage zu profitieren. Da Explorationsprojekte an der Börse einen großen Hebel auf die Entwicklung von Rohstoffpreisen bieten, eignen sich die entsprechenden Aktien auch für kleine Positionen. Die geringere Liquidität legt zudem einen antizyklischen Einstieg nahe. Das aktuelle Umfeld rund um Kupfer erscheint dazu geeignet: Das Industriemetall notiert am Verlaufstief und die Stimmung ist denkbar schlecht. Zugleich bleibt Kupfer, gerade wegen der Herausforderungen der Zukunft, gefragt. Langfristig dürfte der Weg von Kupfer wieder nach oben führen.


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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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