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25.06.2024 | 05:05

300 % Chance, Probleme und Bundeskanzler: Bayer, BioNTech, Cardiol Therapeutics Aktie

  • biotechnologie
  • krebsforschung
Bildquelle: BioNTech SE

Bayer macht zur Abwechslung positive Schlagzeilen. Nach Übernahmen in der Zell- und Gentherapie investiert der Konzern in Berlin und holt sich dafür die renommierte Charité mit ins Boot. Den Startschuss für das Projekt gibt Bundeskanzler Olaf Scholz. Kann die Aktie davon profitieren? Eine Überraschung war der Abverkauf der Aktie von Cardiol Therapeutics im Anschluss an positive Studienergebnisse. Analysten sind begeistert, erhöhen die Kursziele und sehen 300 % Potenzial. Dagegen drängt sich ein Kauf der BioNTech-Aktie derzeit nicht auf. Und nun gibt es in den USA auch noch Probleme mit der FDA. Das sorgt für Alarm bei Aktionären und der Aktie.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Fabian Lorenz
ISIN: BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026 , CARDIOL THERAPEUTICS | CA14161Y2006 , BAYER AG NA O.N. | DE000BAY0017

Inhaltsverzeichnis:


    Cardiol Therapeutics: Mehr als 300 % Kurspotenzial nach Studiendaten

    Nach überzeugenden Studiendaten haben die Analysten von First Berlin ihr Kursziel für die Aktie von Cardiol Therapeutics massiv erhöht. So haben die Experten den fairen Wert von 3,60 USD auf 8,50 USD angehoben. Mit Blick auf das aktuelle Kursniveau von 2,00 USD trauen die Analysten der Aktie damit einen Kurssprung um mehr als 300 % zu. Entsprechend lautet ihre Empfehlung „Kaufen“. Überraschend war hingegen der Abverkauf der Aktie nach den Studiendaten – manchmal kommt es an der Börse halt anders als man denkt. Doch damit bietet sich aus Sicht der Analysten eine Kaufgelegenheit.

    Für First Berlin waren die Daten für die Phase-II Open Label-US-Pilotstudie von Cardiols Hauptarzneimittelkandidaten CardiolRx™ für die Behandlung von rezidivierender Perikarditis (Herzbeutelentzündung) hervorragend. Die Wirksamkeit von CardiolRx™ in Bezug auf zwei wichtige Endpunkte würde im Ausmaß der Verbesserung dem Biologikum Rilonacept ähneln. Rilonacept hat bereits die Zulassung der US-Gesundheitsbehörde FDA erhalten und wird bereits eingesetzt. Dabei würde CardiolRx™ ein wesentlich besseres Verträglichkeits- und Nebenwirkungsprofil aufweisen. Daher sehen die Analysten das Potenzial, dass CardiolRx™ nach der Zulassung, Rilonacept als Zweitlinientherapie bei rezidivierender Perikarditis ablösen könnte. Mit Rilonacept wurden im Jahr 2023 und damit im dritten Jahr nach der FDA-Zulassung rund 233 Mio. USD umgesetzt. Aufgrund der Vorteile glauben die Analysten, dass CardiolRx™ sogar ein höheres Umsatzpotenzial hat. Insbesondere, wenn CardiolRx™ auch in Europa zugelassen werden würde.

    Anlässlich der Studiendaten hatte Cardiol-CEO David Elsley gesagt: "Es freut uns ganz besonders, die Daten zum primären Endpunkt aus der Pilotstudie MAvERIC bekannt geben zu können. Anhand dieser Daten konnte gezeigt werden, dass die orale Verabreichung unseres Kleinmoleküls CardiolRx™ zu einer deutlichen Abnahme der Schmerzen und Entzündungen in Zusammenhang mit der Perikarditis geführt hat. Aufgrund der klinisch bedeutsamen Wirkung von CardiolRx™ auf das Schlüsselsymptom dieser stark belastenden Erkrankung gehen wir nun davon aus, dass die Gesamtheit der Daten aus der Pilotstudie MAvERIC für den Übergang zu einer Phase-III-Studie zu CardiolRx™ sprechen wird, mit der wir unser Ziel erreichen wollen, Tausenden von Perikarditis-Patienten eine leichter zugängliche und nicht immunsuppressive Therapieoption zu bieten." Übrigens: Das Kursziel von 8,50 USD (Link zur Studie) für die Cardiol-Aktie ist nicht das höchste. H.C. Wainwright trauen dem Wertpapier sogar 9,00 USD zu.

    Bayer: Bundeskanzler äußert sich

    Trotz des Kursrücksetzers hat sich die Cardiol-Aktie im laufenden Jahr mehr als verdoppelt und wie beschrieben, trauen die Analysten dem Wertpapier noch viel mehr zu. Davon fehlt bei der Bayer-Aktie weiterhin jede Spur. Immerhin machte der ehemals wertvollste Konzern in Deutschland zuletzt wieder positive Schlagzeilen. So wurde in Berlin der Startschuss für ein Translationszentrum für Gentherapien und Zelltherapien gegeben. Es wird gemeinsam mit der Charité aufgebaut und von der Bundesregierung sowie dem Land Berlin gefördert. Ziel des gemeinsamen Vorhabens ist es, die Behandlungsmöglichkeiten dieser bahnbrechenden Technologien schneller Patienten zur Verfügung zu stellen und dabei gleichzeitig in Berlin ein führendes Biotech-Ökosystem für neuartige Therapien aufzubauen.

    Bundeskanzler Olaf Scholz: „Mit dem Startschuss für das neue Translationszentrum feiern wir heute auch eine einzigartige Form der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie und Politik. Diese Institution wird Kern eines ganzen Organismus von gen- und zellbasierten Therapien werden. Dazu brauchen wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Unternehmerinnen und Unternehmer, die sowohl die kleinsten Details im Zellkern als auch das große Ganze sehen: die Medizin der Zukunft, die Antworten gibt auf die großen Fragen, die sich schon Rudolf Virchow stellte. Gut, dass wir beides hier in Deutschland haben: mutige Forschung und innovative Unternehmen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für dieses visionäre Projekt!“ In den vergangenen Jahren hatte sich Bayer in der Zell- und Gentherapie unter anderem durch die Übernahmen von BlueRock Therapeutics und Asklepios Biopharmaceutical verstärkt.

    BioNTech: Probleme mit der FDA

    Auch bei der BioNTech-Aktie fehlt es derzeit an nachhaltig positiven Impulsen. Im Gegenteil: Zuletzt sorgte ein Krebsmedikamentenkandidat in den USA für Alarmstimmung. So teilte BioNTech mit, dass eine klinische Phase-1-Studie für den Kandidaten BNT326/YL202 von der FDA wegen Sicherheitsbedenken teilweise ausgesetzt wurde. Grund ist, dass es Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des Medikaments bei höheren Dosen gibt. In der Studie wird ein Mittel zur Behandlung von fortgeschrittenem oder metastasiertem EGFR-mutiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs oder HR+/HER2-Brustkrebs untersucht. BioNTech und Suzhou MediLink hatten erst im vergangenen Oktober eine Vereinbarung zur Entwicklung von BNT326 geschlossen. Die Studie pausiere, während MediLink die Bedenken der FDA ausräume.

    Zuvor gab es allerdings auch positive Forschungsnews. So gaben Genmab und BioNTech erste Daten aus einer laufenden Phase-2-Studie mit dem bispezifischen Antikörperprüfpräparat Acasunlimab bekannt. In der Studie wird der Kandidat GEN1046/BNT311 als Monotherapie und in Kombination mit Pembrolizumab bei Patientinnen und Patienten mit PD-L(1)-positivem metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom untersucht, bei denen die Krankheit nach einer oder mehreren vorangegangenen Anti-PD(L)1-Therapielinien fortgeschritten war. Zum Ende des Beobachtungszeitraums (data cut-off) zeigten die Daten eine 12-Monats-Gesamtüberlebensrate von 69 %, eine mediane Gesamtüberlebensrate von 17,5 Monaten und einer Gesamtansprechrate von 30 %. BioNTech-Mitgründer und CMO Prof. Dr. Özlem Türeci: „Die meisten Patientinnen und Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom haben nach dem Absetzen der Erstlinientherapie mit Checkpoint-Inhibitoren nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten. Für diese Patientinnen und Patienten bleibt die Chemotherapie trotz begrenzter Wirksamkeit und erheblicher Toxizität die Hauptbehandlungsform. Die Daten unserer Phase-2-Studie zeigen, dass die Kombination von Acasunlimab mit einer PD-L1 Inhibition ein geeigneter Ansatz für diese stark vorbehandelte Patientenpopulation sein könnte.“


    Bei Bayer und BioNTech drängt sich ein Kauf derzeit nicht auf. Da ist die Situation bei Cardiol Therapeutics deutlich spannender. Die Studienergebnisse und Analystenkurziele passen nicht zum kurzfristigen Abverkauf. Dies kann eine spannende Kaufgelegenheit bedeuten.


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    Der Autor

    Fabian Lorenz

    Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.

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