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06.03.2026 | 04:30

SHORT SQUEEZE bei Gerresheimer? WACHSEN Bayer und MustGrow bald gemeinsam?

  • Agrar
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Bildquelle: Bayer

Während die Börse den Iran-Krieg und steigende Energiepreise verdauen, zieht plötzlich die Aktie von Gerresheimer spürbar an. News gibt es keine. Ist ein Short Squeeze möglich? Leerverkäufer hatten ihre Positionen zuletzt sogar noch ausgebaut. Eine Beteiligung an MustGrow hält Bayer (noch) nicht. Aber die Leverkusener haben eine Lizenz für den Vertrieb der innovativen Agrarprodukte erworben und investieren in die Zulassung. Damit könnte der MustGrow-Aktie der Sprung von Geheimtipp zum Durchstarter gelingen. Das Management zeigte sich zuletzt optimistisch. Die Aktie erscheint günstig. Nach dem kräftigen Rücksetzer der vergangenen Wochen sehen Analysten auch wieder Kurspotenzial bei Bayer. Allerdings dürfen Aktionäre im laufenden Jahr bei Umsatz- und Gewinnwachstum nicht viel erwarten. Der Cashflow sollte sogar deutlich negativ sein.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Fabian Lorenz
ISIN: GERRESHEIMER AG | DE000A0LD6E6 , BAYER AG NA O.N. | DE000BAY0017 , MUSTGROW BIOLOGICS CORP | CA62822A1030

Inhaltsverzeichnis:


    MustGrow: Startet die Aktie im laufenden Jahr durch?

    Mit einem Investment die Umwelt schützen und Geld verdienen, dies ist mit MustGrow möglich. Das Unternehmen ist noch ein Geheimtipp im wachstumsstarken Markt für biologische Agrarlösungen. Doch dies sollte sich bald ändern. COO Colin Bletsky machte bei seiner Präsentation auf dem International Investment Forum deutlich, dass das Unternehmen nicht „irgendein“ Bio-Label verkauft, sondern als vollintegrierter Anbieter natürliche Wirkstoffe aus Senfsaat gewinnt. Also aus einem Rohstoff, der aus der Lebensmittelwelt bekannt ist. Der Clou: MustGrow isoliert und konzentriert jene Moleküle, die man von Wasabi oder Meerrettich kennt („der Kick in der Nase“) und überführt sie in praxistaugliche Anwendungen für Landwirte – mit dem Ziel, Erträge zu erhöhen, die Bodenbiologie zu stärken und den Einsatz synthetischer Chemie zu reduzieren.

    In den USA ist das Produkt TerraSante (Biofertilität) bereits in mehreren Bundesstaaten zugelassen. Es ist zudem organisch zertifiziert, sodass es sowohl im Bio- als auch im konventionellen Anbau eingesetzt werden kann. TerraSante wirkt dabei wie ein „Probiotikum für den Boden“. Es stimuliert mikrobielle Aktivität, verbessert Wurzelentwicklung und erhöht die Resilienz gegen Stressfaktoren. In einem Interview mit den Analysten von GBC-Research hatte MustGrow-CEO Corey Giasson kürzlich das Umsatzpotenzial von TerraSante in den USA auf 100 Mio. USD geschätzt (zum Interview).

    Operativ steht MustGrow laut COO Bletsky an einem spannenden Meilenstein. So macht das Unternehmen derzeit den Schritt von der Forschung hin zur Kommerzialisierung. In Kanada und Teilen der USA werden bereits Umsätze erzielt. Im dritten Quartal 2025 wurden rund 7,4 Mio. CAD erlöst. Dabei war MustGrow in 2025 zeitweise ausverkauft. An der Börse wird das Unternehmen erst mit rund 36 Mio. CAD bewertet und erscheint damit alles andere als teuer.

    Bletsky ordnete MustGrow in einen riesigen globalen Dünger- und Pflanzenschutzmarkt ein, der ein Volumen von rund 380 Mrd. USD hat. MustGrow verfügt über zahlreiche Patente und adressiert beispielsweise mit TerraMG den hochattraktiven Markt für biologischen Pflanzenschutz.

    Strategisch besonders wertvoll ist die Partnerschaft mit Bayer Crop Science. Die Leverkusener haben die Technologie für Europa, Afrika und den Nahen Osten lizenziert und investieren laut Bletsky einen zweistelligen Millionenbetrag in Registrierungen. Zudem stellte er Meilensteinzahlungen in Aussicht. Gleichzeitig bleibt das Geschäftsmodell kapitalleicht. Nach dem Vorbild der Halbleiterindustrie lässt MustGrow bei Spezialisten produzieren.

    Insgesamt hinterließ Bletsky einen sehr positiven Eindruck. Vieles spricht für einen Kauf der MustGrow-Aktie.

    https://youtu.be/XFGCBf1w8mg?si=R5FK2CGJh2gkzB4F

    Bayer: Kaum Wachstum in 2026

    Während die MustGrow-Produkte für Bayer in Zukunft Umsätze und Gewinne generieren sollen, kämpft der Konzern weiterhin mit seiner Altlast Glyphosat. Die Aussicht, dass das Thema durch einen Vergleich abgeschlossen werden könnte, hatte die Aktie gegen Ende des Vorjahres kräftig ansteigen lassen. Mitte Februar setzte dann eine scharfe Korrektur ein, als klar wurde, dass es Widerstand gegen den Vergleich gibt. So fiel die Aktie von fast 50 EUR auf unter 38 EUR.

    Aus Sicht der mwb war die Korrektur wohl zu stark. Das Kursziel wurde im Anschluss an die Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen für das Jahr 2025 zwar leicht reduziert, es liegt mit 52 EUR (zuvor 54 EUR) jedoch weiterhin deutlich über dem aktuellen Kursniveau.

    Bayer arbeitet aus Analystensicht spürbar daran, den „Dauer-Makel“ Glyphosat-Rechtsrisiken endlich einzuhegen und damit die Visibilität für Investoren zu erhöhen. Zentral ist ein geplanter US-weit angelegter Roundup-Vergleich, der bereits eine vorläufige gerichtliche Zustimmung erhalten hat. Die Opt-out-Phase läuft bis 4. Juni 2026, anschließend ist für 9. Juli 2026 eine Fairness-Anhörung angesetzt. Parallel dazu prüft der U.S. Supreme Court einen Schlüsselpunkt, der für Bayer strategisch extrem relevant ist. Und zwar, ob Bundesrecht zur Pestizid-Kennzeichnung (Federal Labeling Law) staatliche „failure-to-warn“-Klagen verdrängt. Fiele diese Frage im Sinne von Bayer aus, könnte das die künftige Klagewelle deutlich begrenzen und den Rechtsrahmen für bestehende Urteile klarer machen.

    Für 2026 sehen die Analysten bei Bayer eine operative Stabilisierung. Die Umsatzprognose des Konzerns liegt bei 45 Mrd. EUR bis 47 Mrd. EUR. Beim adjusted EBITDA traut man sich 9,6 Mrd. EUR bis 10,1 Mrd. EUR zu. Der Wachstumsmotor soll weiterhin der Pharma-Bereich sein. Unter anderem sollen erste volle Jahresbeiträge von Beyonttra und Lynkuet sowie weiter steigende Umsätze von Nubeqa und Kerendia die Patentabläufe der Blockbuster Xarelto und Eylea weitgehend kompensieren. Im Crop-Science-Bereich sollen in den kommenden Jahren die Margen wieder ansteigen – vielleicht trägt dazu dann auch die Lizenz von MustGrow bei.

    Das Problem sehen die Analysten kurzfristig beim Cashflow. Wegen erwarteter rund 5 Mrd. EUR an vergleichsbezogenen Auszahlungen prognostiziert das Management einen negativen Free Cashflow von bis zu -2,5 Mrd. EUR. Damit könnte die Nettoverschuldung auf 32 bis 33 Mrd. EUR ansteigen. Genau diese Zahlungen bezeichnen die Analysten als den „Preis“ für mehr Berechenbarkeit in der Zukunft. Denn operative Ausführung, Pipeline-Qualität und Rechts-Visibilität würden sich verbessern.

    Gerresheimer: Short Squeeze im Anflug?

    Was ist denn da bei Gerresheimer los? Während die Aktienmärkte in dieser Woche den Iran-Krieg und steigende Energiepreise verdauen müssen, legt das Wertpapier des eigentlichen Sorgenkinds an der Deutschen Börse seit einigen Tagen kräftig zu. Am Dienstag notierte das Wertpapier noch bei rund 15,40 EUR. Gestern waren es bereits 18,10 EUR.

    Langsam dürfte der eine oder andere Shortseller nervös werden. Denn obwohl die Aktie aufgrund von Bilanzproblemen und Prognoseanpassungen allein im laufenden Jahr über 30 % an Wert verloren hatte, haben zuletzt Leerverkäufer ihre Positionen sogar noch ausgebaut.

    Gemäß Veröffentlichung im Bundesanzeiger hatten unter anderem AQR Capital Management, Capital Fund Management, Connor, Clark & Lunn Investment Management, Millennium International Management und Numeric Investors ihre Quote ausgebaut. Allein diese Unternehmen hatten zusammen 7,39 % der gesamten Gerresheimer-Aktien leerverkauft. Nur AHL Partners hat seine Position von 0,91 % auf 0,85 % reduziert.

    Sollte der Kurs weiter anziehen, könnte es zu einem Short Squeeze kommen.


    Fazit

    MustGrow könnte eine der Entdeckungen des Jahres 2026 werden. Gelingt der Übergang in die Kommerzialisierung – und danach sieht es aus – sollte dies der Aktie kräftigen Rückenwind geben. Denn der Umsatz könnte schon bald die aktuelle Marktkapitalisierung übersteigen. Dann wäre die Aktie viel zu günstig. Oder kauft Bayer gleich das ganze Unternehmen? Auch dies ist nicht auszuschließen. Mit der Lizenz sind die Leverkusener jedenfalls in der Poleposition und können das Potenzial sehr gut einschätzen. Der Bayer-Aktie tut eine Verschnaufpause nach der starken Performance im Jahr 2025 wahrscheinlich ganz gut. Gerresheimer ist weiterhin nur etwas für Zocker.


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    Der Autor

    Fabian Lorenz

    Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.

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