07.08.2026 | 04:30
Comeback-Aktie oder Vorsicht? Gerresheimer, Novo Nordisk, American Atomics
Die Aktie von Novo Nordisk ist innerhalb weniger Handelstage um rund 10 % eingebrochen. Damit ist das im April gestartete Comeback der Aktie des Pharmagiganten bis auf Weiteres beendet. Nach enttäuschenden Studiendaten sorgte eine schwächer als erwartete Anhebung der Prognose für Enttäuschung bei Anlegern. Auf ein Comeback spekulieren können Anleger bei American Atomics. Das Unternehmen arbeitet am Aufbau einer integrierten Wertschöpfungskette im Uran-Bereich. Mit Blick auf die weltweiten Ausbauziele bei Atomkraftwerken kann eigentlich kein Zweifel daran bestehen, dass das Unternehmen mit einer starken Urannachfrage rechnen kann. Hoffnung auf ein Comeback gibt es bei Gerresheimer. Der Verkauf von Unternehmensteilen spült über eine Milliarde in die Kasse des angeschlagenen Verpackungsspezialisten. Die Börse rätselt noch, ob dies ein Befreiungsschlag ist oder ob man durch den Verkauf von Tafelsilber nur einige Löcher stopft.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Fabian Lorenz
ISIN:
AMERICAN ATOMICS INC | CA0240301089 | CSE: NUKE , NOVO NORDISK A/S | DK0062498333 , GERRESHEIMER AG | DE000A0LD6E6
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Fabian Lorenz
Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.
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American Atomics: Einstiegschance?
Auf dem Uranmarkt bahnt sich nach der Konsolidierung zwischen rund 85 und 100 USD je Pfund U₃O₈ ein neuer Aufwärtsimpuls an. Fundamental spricht vieles für steigende Preise. Der Bedarf der Kernkraftwerke liegt weiterhin deutlich über der jährlichen Minenproduktion und dem verfügbaren Sekundärangebot. Energieversorger sind zunehmend gezwungen, sich über langfristige Lieferverträge abzusichern und dabei höhere Preise zu akzeptieren. Gleichzeitig gewinnt die weltweite Renaissance der Kernenergie an Dynamik. China und Indien bauen ihre Reaktorflotten aus, Kanada treibt neue Großreaktoren und Small Modular Reactors voran, und auch die USA setzen wieder stärker auf Kernkraft. Charttechnisch sorgen höhere Tiefs zusätzlich für Zuversicht. Sollte der Uranpreis die obere Begrenzung der bisherigen Handelsspanne nachhaltig überwinden, könnte dies den Startschuss für eine neue dynamische Rally liefern. Damit steht auch ein Comeback der so wichtigen Uranexplorer an. Denn es braucht dringend neue Abbaugebiete. Daran arbeitet American Atomics.
Das Unternehmen will sich als wichtiger Baustein einer unabhängigen nordamerikanischen Uranversorgung positionieren. Das Unternehmen verfolgt dabei einen integrierten Ansatz, der von der Exploration und Förderung bis hin zu Verarbeitung, Konversion und Anreicherung reichen soll. Im Mittelpunkt stehen derzeit zwei Projekte in traditionsreichen US-Uranregionen. Dabei handelt es sich zum einen um das Projekt Lisbon Valley East. Es befindet sich im US-Bundesstaat Utah in unmittelbarer Nähe historisch bedeutender Uranvorkommen. Das Ziel besteht darin, eine mögliche Fortsetzung beziehungsweise ein geologisches Spiegelbild der bekannten Lisbon-Valley-Lagerstätten nachzuweisen. Historische Bohrdaten enthalten unter anderem einen Abschnitt von rund 3,5 Fuß mit 0,28 % U₃O₈. Die jüngste wichtige Nachricht war die Veröffentlichung eines technischen Berichts gemäß NI 43-101, mit dem American Atomics die vorhandenen historischen Daten zusammengeführt und die Grundlage für weitere Explorationsarbeiten geschaffen hat.
Das zweite Standbein ist das vollständig übernommene Blue-Streak-Projekt im Uravan Mineral Belt in Colorado. Es umfasst 194 Claims auf einer Fläche von rund 3.400 Acres und schließt die historische Pickett-Corral-Mine ein, in der früher Uran und Vanadium gefördert wurden. Die jüngste Nachricht war die Veröffentlichung einer Ressourcenschätzung gemäß NI 43-101. Danach verfügt Blue Streak über 29.000 Short Tons gemessene und angezeigte Ressourcen mit durchschnittlich 0,189 % eU3O8 sowie weitere 4.300 Short Tons in der Kategorie „vermutet“ mit 0,177 % eU3O8. Parallel bereitet American Atomics die Genehmigungen für weitere Arbeiten und eine mögliche Wiederaufnahme des Abbaus vor.
Vor dem Hintergrund der beschriebenen fundamentalen Chancen im Uranmarkt und der spannenden Projekte von American Atomics in den USA erscheint der Abverkauf der Aktie um rund 40 % in den vergangenen vier Wochen deutlich überzogen. Dies könnte eine spannende Einstiegschance sein.
https://youtu.be/hV9aODV4TbU?si=_PxhJH_dmcR7FH_R
Gerresheimer: Noch kein Befreiungsschlag
Schafft Gerresheimer den Befreiungsschlag oder werden durch den Verkauf von Tafelsilber nur kurzfristig Löcher gestopft? Darüber ist sich die Börse noch nicht sicher. Gemeint ist der Verkauf der US-Tochter Centor sowie des weltweiten Geschäfts mit Primärverpackungen aus Kunststoff an Fonds des Finanzinvestors Apax Partners. Der vereinbarte Kaufpreis basiert auf einem kombinierten Unternehmenswert von rund 1,5 Mrd. EUR. Zu den veräußerten Aktivitäten gehören 16 Produktionsstandorte in neun Ländern mit insgesamt rund 2.400 Mitarbeitenden. Die beiden Geschäftsbereiche erzielten 2025 zusammen einen Umsatz von etwa 570 Mio. EUR.
Mit den erwarteten Mittelzuflüssen will Gerresheimer seine Verschuldung deutlich reduzieren, die Zinskosten senken und die Kapitalstruktur nachhaltig verbessern. Gleichzeitig konzentriert sich der Konzern künftig stärker auf hochwertige Drug-Delivery-Systeme, Medizinprodukte und Primärverpackungen für injizierbare Arzneimittel. Der Verkauf von Centor soll bis zum Ende des Geschäftsjahres 2026 abgeschlossen werden, der Vollzug des globalen Kunststoffverpackungsgeschäfts ist für die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2027 vorgesehen.
Die Aktie reagierte zunächst mit einem Kurssprung von rund 20 % auf die Meldung. Inzwischen ist dieser Kursgewinn jedoch vollständig wieder abgebaut. Denn die Unsicherheit aufgrund der laufenden BaFin-Untersuchung bleibt bestehen.
Analysten reagierten insgesamt zurückhaltend. Zum Kauf mit einem Kursziel von 46 EUR rät lediglich J.P. Morgan. Die UBS und die DZ Bank stuften das Wertpapier des Verpackungsspezialisten immerhin von „Verkaufen“ auf „Halten“ hoch. Auch die Deutsche Bank lobte den Verkauf als Mittel zur Reduzierung der Verschuldung, mehr aber auch nicht. Die Analysten bleiben bei der Halteempfehlung. Die Kursziele wurden von allen drei Banken angehoben und liegen zwischen 26 EUR und 30 EUR.
Novo Nordisk: Aktie bricht ein
Ist das Comeback bei Novo Nordisk schon wieder vorbei? Nachdem die Aktie des Pharmagiganten innerhalb von vier Monaten von 30 EUR auf 45 EUR marschierte, ist sie in den vergangenen Tagen um rund 15 % eingebrochen.
Für den jüngsten Verkaufsdruck sorgte am Mittwoch die Veröffentlichung der Zahlen für das zweite Quartal. In diesem Rahmen wurde sogar die Jahresprognose angehoben. Dies reichte Anlegern aber offensichtlich nicht.
Novo Nordisk hat im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 78,5 Mrd. DKK erzielt, was währungsbereinigt einem Anstieg von 3 % entspricht. Bereinigt um Sondereffekte legten die Erlöse um 7 % zu. Gründe waren vor allem höhere GLP-1-Absätze und günstigere US-Rabattanpassungen. Der ausgewiesene operative Gewinn sank wegen eines positiven Vorjahreseffekts aus dem US-Programm 340B sowie aufgrund von Abschreibungen auf Pipeline-Projekte um 16 % auf 27,1 Mrd. DKK. Bereinigt stieg der operative Gewinn dagegen um 11 % auf 33,4 Mrd. DKK. Wachstumstreiber blieb insbesondere Wegovy, dessen Tablettenvariante in den USA weiter stark nachgefragt wird.
Aufgrund der besseren Entwicklung im GLP-1-Geschäft hat Novo Nordisk die Prognose für 2026 angehoben. Das Unternehmen erwartet nun sowohl beim bereinigten Umsatz als auch beim bereinigten operativen Gewinn währungsbereinigt eine Entwicklung zwischen 0 % und minus 6 %. Ausschlaggebend sind höhere Erwartungen an die GLP-1-Verkäufe in den USA sowie weiteres Wachstum und zusätzliche Produkteinführungen in internationalen Märkten.
Begonnen hatte der Abverkauf der Novo-Aktie in der vergangenen Woche mit der Meldung, dass die Phase-3-Studie ZEUS den primären Endpunkt verfehlt hat. Der Antikörper Ziltivekimab hemmte zwar wie erwartet den Entzündungsweg über Interleukin-6 und senkte entsprechende Entzündungsmarker. Bei Patienten mit atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischer Nierenerkrankung und erhöhten Entzündungswerten führte es jedoch nicht zu einer Verringerung schwerer kardiovaskulärer Ereignisse gegenüber Placebo. An der Studie nahmen mehr als 6.300 Patienten teil. Die Häufigkeit unerwünschter und schwerwiegender Nebenwirkungen war insgesamt vergleichbar, allerdings traten unter Ziltivekimab mehr schwere Infektionen auf.
Die beiden weiteren laufenden Studien mit Ziltivekimab bei Herzinsuffizienz und nach akutem Herzinfarkt sollen fortgesetzt werden. Das Scheitern der ZEUS-Studie verändert die Prognose für den bereinigten operativen Gewinn 2026 nicht, wird jedoch im dritten Quartal 2026 zu einer nicht zahlungswirksamen Wertminderung führen. Novo Nordisk hält dennoch an seiner Strategie im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen fest.
Fazit
Sowohl die Marktentwicklung als auch die internen Fortschritte sprechen bei American Atomics für ein Comeback der Aktie. Das Wertpapier scheint stark überverkauft zu sein. Bei Novo Nordisk ist eine Konsolidierung keine Überraschung. Allerdings scheint das Unternehmen im Adipositasmarkt den Anschluss an Eli Lilly zu verlieren. Dies könnte nachhaltige Folgen für die Aktie haben. Bei Gerresheimer gibt es weiterhin zahlreiche Baustellen. Ein Kauf der Aktie drängt sich nicht auf.
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