25.06.2026 | 05:30
Beben im deutschen Rüstungssektor! TKMS-Aktie explodiert! Als nächstes Drohnen-Spezialist Volatus Aerospace und Heidelberger Druckmaschinen?
Die Bundesregierung hat für ein Beben im deutschen Rüstungssektor gesorgt. Während die Aktie von Rheinmetall am Mittwoch zeitweise mehr als 16 % einbrach, legte das Wertpapier von TKMS um über 10 % zu. Auslöser war ein vom Verteidigungsministerium bestätigter „Spiegel“-Bericht. Demnach beendet die Bundesregierung das schwer verzögerte und deutlich teurer gewordene Fregattenprogramm F126. Damit ist die Mittelfristplanung von Rheinmetall in Gefahr. Gleichzeitig könnte TKMS profitieren. Volatus Aerospace profitiert vom Drohnen-Boom. Mit einem neuen Standort will man im Markt für zivile und militärische Drohnen wachsen. Sollte es gelingen, die 500-Mio.-Pipeline stärker zu monetarisieren, sollte die Aktie wieder durchstarten. In der Transformation vom Druckmaschinenhersteller zum Industrie- und Technologieunternehmen befindet sich Heidelberger Druckmaschinen. Künftig will man auch bei der Drohnenabwehr mitmischen. Bis dahin ist es zwar noch ein steiniger Weg, aber Analysten raten zum Kauf.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Fabian Lorenz
ISIN:
VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , TKMS AG & CO KGAA | DE000TKMS001 , HEIDELBERG.DRUCKMA.O.N. | DE0007314007
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Fabian Lorenz
Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.
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Rheinmetall und TKMS im Fokus
Freud und Leid lagen gestern in der Rüstungsbranche nahe beieinander. Während die Aktie von Rheinmetall am Mittwoch zeitweise mehr als 16 % einbrach, legte das Wertpapier von TKMS um über 10 % zu. Auslöser war ein vom Verteidigungsministerium bestätigter „Spiegel“-Bericht. Demnach beendet die Bundesregierung das schwer verzögerte und deutlich teurer gewordene Fregattenprogramm F126. Für Rheinmetall ist das ein herber Rückschlag. Der Konzern hatte nach der Übernahme von NVL darauf gesetzt, als neuer Generalunternehmer das Projekt retten zu können. Aufgrund von erheblichen Verzögerungen, Kostenrisiken und der komplizierten Wechsel von Projektpartnern kommt nun das Aus. Dies könnte dazu führen, dass Rheinmetall seine Mittelfristplanung anpassen muss. Das F126-Programm war ursprünglich mit rund 10 Mrd. EUR für sechs Fregatten veranschlagt. Zuletzt wurden Gesamtkosten von über 18 Mrd. EUR erwartet.
Gewinner der Kehrtwende der Bundesregierung ist wohl TKMS. Denn die Bundesregierung will statt der sechs großen F126-Fregatten offenbar acht kleinere Fregatten bei TKMS bestellen. Im Fokus steht dabei insbesondere die U-Boot-Abwehr, die für die NATO angesichts der sicherheitspolitischen Lage hohe Priorität besitzt. Für TKMS wäre der Auftrag ein weiterer Beleg für die strategische Bedeutung des Marinegeschäfts und könnte die bereits gut gefüllten Auftragsbücher um ein milliardenschweres Volumen erweitern.
Volatus Aerospace mit Meilenstein
Volatus Aerospace gehört zu den aussichtsreichen westlichen Drohnen-Pureplays an der Börse. Das kanadische Unternehmen bietet ein breites Portfolio aus unbemannten Flugsystemen, Aufklärungs- und Datendienstleistungen sowie der Ausbildung von Piloten. Zudem verfügt man über eine eigene V-Cortex-AI-Plattform, die als autonome Steuerungs- und Missionssoftware fungiert. Volatus adressiert nicht nur den wachsenden Verteidigungsmarkt, sondern auch Kunden aus Bereichen wie öffentliche Sicherheit, kritische Infrastruktur und Industrie. Das Unternehmen verfügt über eine Vertriebspipeline von mehr als 500 Mio. CAD.
Um diese Vertriebspipeline zu monetarisieren, hat Volatus Aerospace in dieser Woche einen Meilenstein gefeiert. Am Flughafen Montréal-Mirabel hat man eine 53.000 Quadratfuß große Produktions- und Systemintegrationsstätte in Betrieb genommen. Die Anlage soll die Fertigung, Integration und Erprobung autonomer Systeme für zivile, industrielle, öffentliche und militärische Anwendungen bündeln. Die Produktion läuft bereits. Drohnen-Dockingstationen werden nach Unternehmensangaben bereits an erste gewerbliche Kunden ausgeliefert. Kurzfristig soll zudem die Fertigung der eigenen V-Series-Drohnen starten.
Zur Drohnenfamilie der V-Series zählen insbesondere die Modelle V200 Vantage und VIGIL-V300. Sie sind als Starrflügler für Missionen mit großer Reichweite und hoher Ausdauer ausgelegt, etwa für Aufklärung, Überwachung, Zielerfassung, elektronische Kampfführung, Kommunikation oder potenziell auch militärische Einsatzprofile. Mit einer Spannweite von acht Metern, einer Flugdauer von bis zu 35 Stunden und einem maximalen Abfluggewicht von 160 kg ist die V200 für unterschiedlichste Missionen ausgelegt. Sie eignet sich unter anderem zur Grenzsicherung, zur Überwachung maritimer Bedrohungen und für Einsätze in abgelegenen Regionen.
Für Volatus ist die geplante Fertigung in Mirabel strategisch relevant. Anders als kleine Inspektions- oder Lieferdrohnen zielt die V-Series auf anspruchsvollere Behörden-, Sicherheits- und Verteidigungsanwendungen sowie auf NATO- und Partnerstaaten. Die konkrete technische Konfiguration kann je nach Sensorik, Nutzlast und Missionsprofil variieren.
Mit dem Standort baut Volatus seine Produktionskapazitäten in Kanada aus und positioniert sich als Anbieter heimischer autonomer Technologien für NATO-Staaten und verbündete Märkte. Das Unternehmen verweist dabei auf die kanadische Defence Industrial Strategy, die eine stärkere nationale Fertigungsbasis in strategischen Technologien vorsieht. Volatus erwartet von der neuen Anlage eine schnellere Kommerzialisierung, eine bessere Skalierbarkeit und höhere Lieferfähigkeit bei wachsender Nachfrage nach unbemannten Systemen.
Mit dem neuen Standort ist die Zeit reif für Wachstum. Dies sollte auch der Volatus-Aktie neuen Antrieb geben.
https://youtu.be/F4ajDCojMRo?si=XNXoEHVhjc9cyVRW
Heidelberger Druckmaschinen: Drohnenabwehr statt Drucken
Auch Heidelberger Druckmaschinen möchte sich etwas vom milliardenschweren Rüstungskuchen abschneiden. So sieht sich das Unternehmen laut mwb research zunehmend als Industrie- und Technologieunternehmen statt als klassischer Druckmaschinenhersteller. Auf der Industrial-Technology-Konferenz der mwb betonte IR-Chef Marc Schellenberger den Umbau hin zu Verpackungsautomation, digitalen Lifecycle-Lösungen und neuen Hightech-Geschäftsfeldern. Das Kerngeschäft mit Druck und Verpackung leidet zwar weiter unter konjunkturellem Gegenwind und Preisdruck, doch die Analysten sehen Fortschritte bei der strategischen Neuausrichtung. Besonders die über 11.000 vernetzten Maschinen und die Softwareplattform Prinect könnten künftig für stabilere, wiederkehrende und margenstärkere Erlöse sorgen.
Zusätzliche Fantasie liefern die Aktivitäten außerhalb des klassischen Druckgeschäfts. Mit der VINCORION-Partnerschaft wurden erste Umsätze im Rüstungsbereich erzielt. Zudem soll das Joint Venture ONBERG, an dem Heidelberger Druckmaschinen 49 % hält, Lösungen zur Drohnenabwehr und zum Schutz kritischer Infrastruktur entwickeln. mwb research wertet diese Bereiche noch nicht als finanziell abgesichert, sieht darin aber relevante strategische Chancen. Wegen der erwarteten Margenerholung, der Kostendisziplin und des Potenzials aus Software, Automatisierung und Defence bestätigen die Analysten ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 2,50 EUR. Derzeit notiert die Aktie bei 1,39 EUR.
Bei den Schätzungen rechnet mwb research für 2026 mit einem Umsatz von 2,3 Mrd. EUR, einem EBITDA von 169 Mio. EUR und einem Ergebnis je Aktie von 0,15 EUR. Bis 2028 sollen die Erlöse auf 2,4 Mrd. EUR steigen. Das EBITDA soll im selben Zeitraum auf 204 Mio. EUR zulegen. Das Ergebnis je Aktie soll auf 0,25 EUR klettern.
Fazit
Bei TKMS knallen derzeit die Korken. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung rund um das Fregattenprogramm, wie stark insbesondere das maritime Rüstungsgeschäft an Großaufträgen hängt. Volatus Aerospace sollte mit dem neuen Standort operativ in eine neue Wachstumsphase eintreten. Gelingt es dem Unternehmen, die 500-Mio.-Pipeline zu monetarisieren, dürfte auch die Aktie wieder stärker in den Fokus rücken. Heidelberger Druckmaschinen steht hingegen noch am Anfang eines längeren Transformationsprozesses. Ob Anleger darauf setzen wollen, dass der Umbau vom Druckmaschinenhersteller zum Technologie- und Rüstungszulieferer gelingt, muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden. Ein Selbstläufer ist es jedenfalls nicht.
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