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31.05.2021 | 05:00

Deutsche Bank, Barsele Minerals, Volkswagen: Hier werden Aktionäre glücklich

  • Übernahmen
Bildquelle: pixabay.com

Wenn Unternehmen etwas im Portfolio haben, das andere gerne kaufen wollen, kann das für Aktionäre nur gut sein. Erst kürzlich wurde bekannt, dass es Interessenten für die VW-Tochter Lamborghini gibt. Während Zukäufe und Verkäufe bei gigantischen Konzernen, wie etwa Volkswagen, dazu gehören, können derartige Offerten für Aktionäre kleiner Unternehmen alles verändern. Ein potenzieller Kandidat dafür ist das kanadische Unternehmen Barsele Minerals, das in Schweden ein aussichtsreiches Gold-Projekt entwickelt. Wie man es dagegen nicht macht, hat zuletzt die Deutsche Bank gezeigt.

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: Nico Popp



 

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Nico Popp

In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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Deutsche Bank: Turnaround mit Tücken

Auch wenn der Reformkurs der Deutschen Bank auf der diesjährigen Hauptversammlung viel Lob bekommen hat, gab es für das Management doch auch Gegenwind. Während die Boni üppig gestiegen seien, würden Aktionäre bei der Dividende erneut mit einer Nullrunde abgespeist. Vertreter großer Fondsgesellschaften machten auf dieses Missverhältnis aufmerksam. Vorstandschef Christian Sewing beteuerte, ab dem kommenden Jahr wieder eine Dividende ausschütten zu wollen. Doch reicht das, um Anleger zufrieden zu stimmen? Glücklicherweise hat die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren den Weg bereitet, um bald wieder Gewinnbeteiligungen ausschütten zu können. 2020 wurde erstmals seit sieben Jahren wieder ein Überschuss von 113 Mio. EUR erzielt. Rund läuft es für die Bank vor allem im Investment-Geschäft. Dank der Sparte gilt die Aktie für Standardwerte-Anleger als Turnaround-Titel. Doch welche Perspektiven hat der Wert wirklich?

Auf Sicht von einem Jahr hat die Deutsche Bank immerhin eine Rendite von 57% eingefahren. Zuletzt schaffte es der Kurs, auch auf ein neues Drei-Jahres-Hoch. Gelingt es auch, die verbliebenen Widerstände bis 13 EUR aus dem Weg zu räumen, könnte die Aktie weiter steigen. Die Perspektive auf eine Dividende im kommenden Jahr dürfte womöglich sogar weitere Anleger anlocken. Auch könnten die Zahlen noch besser ausfallen und die Bank endlich wieder auf einem soliden Fundament stehen. Klar ist aber auch, dass die Deutsche Bank viel ihres alten Renommees eingebüßt hat und international keine große Rolle mehr spielt. Um zu alter Stärke zurückzufinden, bedarf es mehr als vorsichtiger Dividendenpläne – schließlich ist die Deutsche Bank ein großer Tanker, der seinen Kurs nur langsam ändert.

Barsele Minerals: Dieser Deal ist bereits halb eingetütet

Das Gegenteil eines Tankers ist die Aktie von Barsele Minerals. Das kanadische Unternehmen betreibt aktuell gemeinsam mit dem Bergbau-Giganten Agnico Eagle das Barsele-Projekt in Nord-Schweden. Aktuell hält Agnico 55% und Barsele 45%. Es gibt allerdings zwischen beiden Unternehmen eine Absichtserklärung, die Barsele in die Lage versetzt, 100% am Projekt zu erwerben. Die Konditionen dafür sind überschaubar: Barsele müsste 45 Mio. CAD aufbringen und Agnico einen Anteil von 14,9% der eigenen Aktien gewähren. Obendrauf kämen noch Optionen zum Kauf weiterer 6 Mio. Aktien zu 1,25 CAD je Anteilsschein. Offenbar traut Agnico Eagle dem Team von Barsele Minerals zu, die Liegenschaft in Eigenregie schneller zum Ziel zu bringen – warum sonst würde sich der Bergbau-Gigant mit einem relativ kleinen Baranteil und Aktien von Barsele Minerals zufriedengeben?

Das Team von Barsele Minerals entstammt der Belcarra Group, die mehrere Junior-Unternehmen steuert und in genau dieser Zusammensetzung bereits die Silber-Gold-Lagerstätte La Preciosa von Orko Silver entdeckt hat. Nachdem Barsele Minerals die Eckdaten der Komplett-Übernahme bereits festgezurrt hat, will man das Projekt so schnell es geht voranbringen. Das Ziel: Gute Bohrergebnisse sollen den Erwerb erleichtern und neue Investoren anlocken. Dazu will Barsele Minerals in den kommenden anderthalb Jahren mindestens 30.000m bohren. Das Barsele-Projekt befindet sich in Schweden inmitten einer etablierten Infrastruktur und bietet noch viel Potenzial zur Entwicklung. Um mindestens eine Mio. Unzen will das Unternehmen seine Ressourcenschätzung nach Bergbaustandard NI 43-101 ausweiten. Am Ende der 18-Monatsfrist, soll das Barsele-Projekt deutlich attraktiver sein als heute. Dann will das Unternehmen die mit Agnico Eagle geschlossene Absichtserklärung umsetzen und zu günstigen Konditionen zuschlagen. Ob letztlich Agnico Eagle der aufgehübschten Braut schöne Augen macht oder ein anderer großer Player einen Fuß in die vielversprechende Bergbau-Region Schwedens setzen will, kann Aktionären letztlich egal sein. Selbst ein Übernahmewettlauf ist nicht ausgeschlossen. Da Agnico Eagle nach Abschluss des Deals 14,9% der Aktien von Barsele Minerals hält, ist alles möglich. Die Konstellation rund um Barsele Minerals und Agnico Eagle spricht sich in der Minen-Szene gerade erst herum. Da der Wert in Deutschland wenig liquide ist, sollten Anleger Orders unbedingt limitieren. Wer an Gold glaubt und mindestens 18 Monate Zeit hat, sollte sich Barsele Minerals unbedingt vormerken.

Volkswagen: Was wird aus Lamborghini?

Dass der Kurs nur profitieren kann, wenn Assets eines Unternehmens gefragt sind, zeigt aktuell die Aktie von Volkswagen. Der Konzern aus Wolfsburg hat unter anderem die Sportwagen-Marke Lamborghini im Portfolio. Diese hat das Interesse der Schweizer Quantum-Gruppe auf sich gezogen, die unter anderem mit Anton Piëch, dem Sohn des verstorbenen Ferdinand Piëch, zusammenarbeitet. Die Schweizer sollen laut Medienberichten 7,5 Mrd. EUR für Lamborghini bieten. Doch die Reaktion aus Wolfsburg auf das Angebot war kühl. Ein Verkauf stehe nicht zur Diskussion, auch nicht in Teilen. Noch vor einigen Monaten klang das ganz anders. Damals hatte Konzernchef Herbert Diess die Marke indirekt ins Schaufenster gestellt.

Der Kurs von Volkswagen kletterte in den vergangenen fünf Tagen um 4,5%. Trotz des Dementis wittern Anleger eine mögliche Bieterschlacht. Wer wie VW mehrere Marken im Angebot hat, könnte unter gewissen Umständen doch bereit sein, zu verkaufen, glauben Anleger. Da VW auch noch Rückenwind durch seine vor einigen Wochen angekündigte E-Auto-Offensive hat, nimmt die Aktie wieder Kurs aufs Jahreshoch. Konservative Anleger sollten den Wert im Blick haben. Wer es spekulativer mag, sollte unbedingt auch Barsele Minerals auf die Watchlist nehmen. Auch hier hat das Management langfristig einen lukrativen Verkauf im Hinterkopf. Zunächst muss aber das Joint-Venture mit Agnico Eagle gelöst werden. Da die Konditionen dafür bereits feststehen, liegt für Barsele-Aktionäre langfristig ein Top-Deal in der Luft.


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