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12.04.2021 | 05:00

NIO, Varta, Nevada Copper: Wo in der Wertschöpfungskette die besten Chancen lauern

  • Elektromobilität
Bildquelle: pixabay.com

Die Theorie rund um die Wertschöpfung ist einfach: Je weiter ein Rohstoff veredelt oder verarbeitet ist, desto größer ist am Ende auch die Marge, die ein Unternehmen erzielen kann. Während ein Kilo Rinderfilet des Kobe-Rinds rund 400 EUR kostet, zaubert ein versierter Küchenchef daraus zehn Gerichte und nimmt vierstellige Beträge ein. Doch auch wenn es viele Gründe gibt, am Ende der Wertschöpfungskette zu investieren, so steigt damit auch das Risiko. Wenn der Küchenchef nicht kochen kann, macht er auch mit den besten Zutaten keine nachhaltigen Umsätze. Ähnlich ist das auch in der Wertschöpfungskette rund um die Elektromobilität.

Lesezeit: ca. 3 Minuten. Autor: Nico Popp



 

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Nico Popp

In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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NIO: Meilensteine und Hindernisse

Das chinesische Unternehmen NIO baut E-Autos und macht in den letzten Jahren vieles richtig. Die Limousine der Chinesen knackte die Weichreiten-Schallmauer von 1.000 km. Zuletzt hat NIO das 100.000 Serienfahrzeug vom Band gelassen. Auch wenn etablierte Hersteller, wie etwa VW, über solche Produktionszahlen nur lachen können, so belegt die runde Marke doch, dass NIO angetreten ist, ein etablierter Player im Bereich der Elektromobilität zu werden. Dafür sprechen auch die Wachstumszahlen: Im ersten Quartal 2021 lieferte NIO mit 7.257 Autos 373% mehr als im Vorjahresquartal aus.

An der Börse kommen solche Wachstumszahlen seit jeher gut an. Auf Sicht von einem Jahr legte die Aktie rund 1.170% zu. In den letzten drei Monaten schwächelt der Wert aber etwas und büßte mehr als 30% ein. Analog zum Beispiel des Küchenchefs hat die Börse NIO im vergangenen Jahr bestmögliche Produkte und ein brummendes Geschäft unterstellt – und zweifelt jetzt, ob wirklich alles so kommt. Die Theorie besagt zwar, dass sich mit komplexen Produkten, in denen Ingenieurskunst und Entwicklungsarbeit steckt, am meisten verdienen lässt, doch ist dieser Bereich auch besonders hart umkämpft. Die Elektro-Offensive deutscher Hersteller, wie etwa VW, könnte Neulinge wie NIO schnell in Bedrängnis bringen. Auch in China ist Volkswagen als Marke sehr beliebt. Im Gegenzug ist NIO in Deutschland äußerst unbekannt. Der künftige Erfolg von NIO ist nicht in Stein gemeißelt – die Aktie nach ihrer fulminanten Rally eher teuer.

Varta: Wo ist der Haken?

Einen Schritt vor NIO in der Wertschöpfungskette will Varta agieren. Das Unternehmen ist seit jeher für gute Batterien und Akkus bekannt. Bei Hörgeräten und Kopfhörern schätzen Kunden die Langlebigkeit und gute Qualität. Seit einigen Monaten ist klar, dass Varta auch bei der Entwicklung von Akkus für Elektrofahrzeuge mitmischen will. Die Gelegenheit erscheint angesichts der deutschen E-Auto-Offensive günstig. Wenn Batterien unweit der großen deutschen Produktionsstätten für Autos gefertigt werden, würde das einige Risiken, die mit langen Lieferketten verbunden sind, eliminieren. Außerdem macht sich „Made in Germany" gut bei einer der wichtigsten Komponenten von Premium-Fahrzeugen. Gibt es trotzdem einen Haken?

Die Aktie von Varta ist im letzten Jahr bereits um rund 80% gestiegen. Eine Fertigung für Akkus für Elektroautos gibt es noch nicht. Hinzu kommt, dass die Chinesen in den vergangenen Jahren viel rund um die Technologie geforscht haben und aktuell führend sind, wenn es um Akkus für Elektroautos geht. Auch dürften Akkus aus China gemessen an den Kosten sehr konkurrenzfähig sein. Schon einmal sorgte die Konkurrenz aus Fernost dafür, dass deutsche Unternehmen einer nachhaltigen Branche in die Pleite schlitterten: Bei Solarzellen konnten vor etwas mehr als zehn Jahren Unternehmen wie Q-Cells oder Solarworld einfach nicht mithalten und litten unter sinkenden Margen. Es ist noch unsicher, ob die Pläne von Varta Früchte tragen. Zwar gibt es gute Argumente für eine Batterie-Fertigung in Deutschland, es gibt aber auch Gründe, die dagegen sprechen.

Nevada Copper: Klare Verhältnisse und 4,4 Mrd. Pfund Kupfer

Anders ist die Situation bei Nevada Copper. Der Kupfer-Produzent ist gerade dabei, seine Untergrund-Mine im US-Bundesstaat Nevada vollständig in Produktion zu bringen. Noch im ersten Halbjahr verspricht man sich, dieses Ziel zu erreichen. Kupfer spielt bei der Elektromobilität eine zentrale Rolle: In jedem Elektroauto steckt rund drei Mal mehr Kupfer, als in klassischen Verbrennern. Die Reserven von Nevada Copper umfassen aktuell rund 4,4 Mrd. Pfund Kupfer. Der Kupferpreis ist in den vergangenen Monaten bereits deutlich angestiegen – der vollständige Produktionsbeginn könnte zum richtigen Zeitpunkt kommen.

Während es bei komplexen Produkten, wie Batterien oder fertigen E-Autos, sehr stark darauf ankommt, Endkunden zu überzeugen, ist die Situation bei Rohstoffen eine andere. Kupfer wird in vielen Bereichen benötigt und findet auch außerhalb der Elektromobilität Abnehmer – etwa bei großen Bau- und Infrastrukturprojekten. Auch gibt es anders als bei Automarken vereinfacht gesagt weniger Qualitätsunterschiede – Kupfer ist und bleibt Kupfer. Gelingt es, dieses innerhalb einer intakten Infrastruktur kostengünstig zu fördern, stehen die Chancen auf ein gutes Geschäft gut. Anders als bei Unternehmen, die heute von der elektrifizierten Zukunft träumen, geht es bei Nevada Copper, wo unter anderem die KfW als Kapitalgeber an Bord ist, schon bald richtig los. Hinzu kommt, dass die Aktie keine Rally hinter sich hat, wie etwa NIO oder Varta. Investments am Anfang der Wertschöpfungskette haben ihren Reiz und bieten manchmal sogar bessere Chancen auf ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis.


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