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12.03.2026 | 04:30

PAUKENSCHLAG! ÜBERNAHMEFANTASIE? BioNTech, Evotec, Vidac Pharma

  • biotechnologie
  • Biotech
Bildquelle: pixabay.com

Zunächst zum Positiven: Der Wirkstoff VDA-1102 von Vidac Pharma wurde im Rahmen einer Härtefallregelung eingesetzt. Und zwar rund um die dritte Gehirnoperation eines Mädchens. Der Patientin ging es im Anschluss signifikant besser. Zudem wird die Vidac-Plattform jetzt auch außerhalb der Onkologie getestet. 2026 könnte dem Unternehmen und der Aktie der Durchbruch gelingen. Einen Einbruch gab es in dieser Woche bei der BioNTech-Aktie. Die eher gemischten Zahlen für 2025 und der zurückhaltende Ausblick auf das laufende Jahr dürften dazu nur begrenzt beigetragen haben. Schwerer liegt den Aktionären wohl der bevorstehende Abschied des Gründerehepaars im Magen. Wird BioNTech damit zum Übernahmekandidaten? Auch bei Evotec gab es diese Woche lange Gesichter. Das Restrukturierungsprogramm überzeugt Anleger nicht. Die Aktie rutscht unter eine wichtige Marke.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Fabian Lorenz
ISIN: BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026 , EVOTEC SE INH O.N. | DE0005664809 , VIDAC PHARMA HOLDING PLC | GB00BM9XQ619

Inhaltsverzeichnis:


    Vidac Pharma: Startet Aktie 2026 durch?

    Wie angekündigt startet Vidac Pharma mit positivem Newsflow in das Jahr 2026. Es könnten wichtige Meilensteine beim Kampf des Unternehmens gegen Krebs erreicht werden. So wurde unter anderem ein In-vivo-präklinisches Programm Psoriasis gestartet. Damit soll die Vidac-Technologieplattform erstmals außerhalb der Onkologie getestet werden. Mit der als Schuppenflechte bekannten Psoriasis könnte Vidac einen weiteren Milliardenmarkt erschließen. Grand View Research schätzt den Psoriasis-Arzneimittelmarkt auf 21,12 Mrd. USD im Jahr 2024. Bis 2030 halten die Experten sogar ein Wachstum auf über 39 Mrd. USD für möglich.

    Mit der aktuellen Studie soll das Potenzial des HK2/VDAC-Targeting-Ansatzes von Vidac bei der chronischen immunvermittelten entzündlichen Hauterkrankung bewerten werden. Der Vidac-CEO Dr. Max Herzberg erläutert: "Die wissenschaftliche Grundlage für die Evaluierung unserer HK2/VDAC-Plattform bei Psoriasis ist überzeugend. Die dokumentierte Überexpression von HK2 in psoriatischem Gewebe, zusammen mit den immunmodulatorischen Effekten von erhöhtem Laktat, bietet eine solide Basis für die Erforschung dieses Signalwegs in einem chronisch-entzündlichen Umfeld. Obwohl sich dieses Programm in einem frühen explorativen Stadium befindet, sollen die mit PharmaLegacy durchgeführten In-vivo-Studien die grundlegenden Daten generieren, die erforderlich sind, um das therapeutische Potenzial unseres Ansatzes jenseits der Onkologie zu bewerten."

    Und auch zum aussichtsreichsten Wirkstoffkandidaten von Vidac gibt es Neuigkeiten. So hat das Unternehmen über Ergebnisse aus einem Fall von "Compassionate Use" (Härtefallregelung) mit VDA-1102 berichtet.

    Demnach wurde ein junges Mädchen mit einem Tumor im zentralen Nervensystem (rezidivierendes Ependymom) mit VDA-1102 behandelt. Der Wirkstoff wurde vor der dritten Gehirnoperation und einem Monat im Anschluss verabreicht. Damit sollte die Stoffwechselaktivität des Tumors reguliert und seine unmittelbare Umgebung so verändert werden, dass die Operation und die anschließende Strahlentherapie besser wirken. Das Ergebnis: Operation und Strahlentherapie waren erfolgreich. Die Lebensqualität der Patientin scheint sich signifikant verbessert zu haben. Es wurden keine kognitiven Beeinträchtigungen beobachtet. Die Daten legen nahe, dass die metabolische Stabilisierung durch VDA-1102 den gesamten therapeutischen Verlauf unterstützt haben könnte.

    Die Wirksamkeit von VDA-1102 muss natürlich in weiteren klinischen Untersuchungen bestätigt werden. Doch positiv ist die Nachricht in jedem Fall. Und sie deutet darauf hin, dass die Bewertung von Vidac von 40 Mio. EUR ein Schnäppchen sein könnte und das Unternehmen zum klaren Übernahmekandidaten macht, wenn sich die Wirksamkeit weiter bestätigt.

    Über die Strategie und Roadmap hatte Vidac-CEO Dr. Max Herzberg auch in einem Interview mit dem International Investment Forum berichtet:

    https://youtu.be/3A9gVbHM-dE?si=LbaLQjuxJc7BFsj_

    BioNTech: Paukenschlag und Kursdesaster

    Paukenschlag und Kursdesaster bei BioNTech. Am Dienstag brach die Aktie des größten deutschen Biotechunternehmens um über 20 % ein. Die eher gemischten Zahlen für 2025 und der zurückhaltende Ausblick auf das laufende Jahr dürften dazu nur begrenzt beigetragen haben. Schwerer liegt den Aktionären wohl der bevorstehende Abschied des Gründerehepaars im Magen. Özlem Türeci und Uğur Şahin werden BioNTech spätestens Ende 2026 verlassen. Gemeinsam wollen sie ein neues Biotech-Unternehmen gründen.

    Sahin und Türeci hatten BioNTech 2008 gegründet und sind noch mit 15 % am Konzern beteiligt. Der Fokus lag auf der Entwicklung von Krebstherapien auf Basis der mRNA-Technologie. Während der Coronapandemie hatte das Unternehmen dann erfolgreich einen gegen Covid-19-Impfstoff entwickelt und Milliarden verdient. Daher kann man sich auch relativ leicht den Nettoverlust von 1,1 Mrd. EUR im Jahr 2025 leisten. Denn man verfügt weiterhin über liquide Mittel in Höhe von rund 17 Mrd. EUR. Im laufenden Jahr erwartet BioNTech zahlreiche wertrelevante Meilensteine. So stehen sechs Datenveröffentlichungen aus der späten klinischen Entwicklung, welche Immunmodulatoren, Antikörper-Wirkstoff-Konjugate sowie mRNA-Krebsimmuntherapien umfassen, bevor.

    In einer ersten Reaktion hatte die Deutsche Bank ihre Kaufempfehlung mit Kursziel 140 USD bestätigt. Zahlen und Ausblick seien keine Überraschung. Anders sieht es beim Abgang der Gründer aus. Dies sei kein Vertrauensbeweis. Andererseits sei das Unternehmen sehr reif und die beiden eben Forscher mit Leib und Seele. Da ist ein kleineres Unternehmen vielleicht passender. Außerdem bringen die Analysten Übernahmefantasie ins Spiel.

    Evotec: Aktionäre enttäuscht

    Während Vidac Pharma optimistisch für 2026 ist, befindet sich Evotec in einer Restrukturierung. Ein schwacher Ausblick und Mitarbeiterentlassungen sorgten bei Evotec-Aktionären in dieser Woche für Enttäuschung. Für 2026 stellt das Unternehmen Erlöse von nur 700 bis 780 Mio. EUR in Aussicht. In 2025 wurden 788 Mio. EUR umgesetzt. Beim bereinigten EBITDA rechnet der Konzern sogar nur noch mit 0 bis 40 Mio. EUR, nach rund 41 Mio. EUR im Vorjahr. Die Börse reagierte entsprechend deutlich negativ, der Aktienkurs brach zweistellig ein und rutschte unter die Marke von 5 EUR.

    Auch das vorgestellte Restrukturierungsprogramm „Horizon“ sorgte nicht für Jubel. Evotec will die Organisation künftig stärker auf Operations, Wissenschaft und kommerzielle Umsetzung ausrichten und damit effizienter werden. Gleichzeitig wird 2026 ausdrücklich nur als Übergangsjahr beschrieben. Erste operative Verbesserungen sollen im zweiten Halbjahr sichtbar werden. Besonders einschneidend ist der angekündigte Stellenabbau. Bis zu 800 Arbeitsplätze sollen wegfallen, zudem will Evotec die Zahl der Standorte von 14 auf 10 reduzieren. Zwar sollen dadurch bis Ende 2027 jährlich rund 75 Mio. EUR eingespart werden, doch dafür fallen bis 2028 zunächst rund 100 Mio. EUR an Kosten an.


    Fazit

    Die Aktie von Vidac Pharma könnte im Jahr 2026 zum neuen Biotech-Liebling werden. Die Bewertung erscheint alles andere als hoch zu sein. Dagegen verunsichert der Rückzug der Gründer bei BioNTech. Dass der Tag kommen würde, war zu erwarten, doch bitte erst, nachdem es der erste Wirkstoff auf den Markt geschafft hat. Bei Evotec ist ein Bounce jederzeit möglich, aber der neue Vorstand hat bisher keine Kursfantasie erzeugen können.


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    Der Autor

    Fabian Lorenz

    Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.

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