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07.06.2021 | 05:00

Royal Dutch Shell, BP, Saturn Oil + Gas: Startschuss für Megatrend „grünes” Öl

  • Nachhaltigkeit
Bildquelle: pixabay.com

„Das wird die Klima-Rechtsprechung weltweit beeinflussen", titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit Blick auf das Urteil des Bezirksgerichts in Den Haag gegen den Öl-Konzern Royal Dutch Shell. Das Gericht hat den Konzern dazu verurteilt, seinen CO2-Ausstoß bis 2030 im Vergleich zu 2019 um 45% zu senken. Noch nie hat ein Gericht ein Unternehmen zu derart drastischen Klimaschutz-Maßnahmen gezwungen. Was bedeutet das jetzt für den Sektor? Unbeirrt von dieser Entwicklung gab Saturn Oil & Gas am Freitag nach Börsenschluss die erfolgreiche Platzierung der bereits zuvor mehrfach nach oben angepassten Kapitalerhöhung samt Greenshoe von nun insgesamt 32,2 Mio. CAD bekannt. Die Verwendung des Platzierungserlöses hat es in sich.

Lesezeit: ca. 4 Minuten. Autor: Nico Popp



 

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Nico Popp

In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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Warum Shell und BP nur die Spitze des Eisbergs sind

Der ohnehin bereits latente Druck, sich nachhaltiger aufzustellen, dürfte weiter zunehmen. Dass Royal Dutch Shell bereits in der Vergangenheit klare Klimaziele formuliert hatte und bis 2050 CO2-neutral sein wollte, reichte dem Gericht in Den Haag nicht. Noch ist das Urteil aber nicht in Stein gemeißelt: Der Konzern hat bereits Berufung eingelegt. Wie die Rechtslage nach Abschluss dieser Berufung ist, bleibt offen. An der Börse haben sich die Folgen für die Aktie von Royal Dutch Shell in Grenzen gehalten: Innerhalb der vergangenen drei Monate ging es für die Aktie um rund 6,7% nach unten. In den vergangenen fünf Handelstagen steht unterm Strich sogar ein Gewinn.

Der Grund für die Gleichgültigkeit des Marktes könnte darin liegen, dass Öl und Gas als Energieträger noch lange gebraucht werden. Das betonte vor einigen Monaten das US-Investmenthaus Western Asset Management. Als Gründe führten die Anlageexperten an, dass der Pro-Kopf-Energieverbrauch in Industrieländern zwar sinke, der absolute Energieverbrauch weltweit aber aus mehreren Gründen steige. Es wird also unerlässlich sein, auch weiterhin fossile Energiequellen anzuzapfen.

Das Urteil von Den Haag könnte den Bemühungen zu mehr Klimaschutz sogar abträglich sein. Dann nämlich, wenn westlichen Ölkonzernen wie Royal Dutch Shell oder BP, die Geschäftsgrundlage entzogen wird, während Förderer in Saudi-Arabien oder Russland auch weiterhin ohne ESG-Profil agieren. Immerhin bekennen sich BP und auch Royal Dutch Shell zur Klimaneutralität und wollen diese bis spätestens 2050 erreichen. Schon heute versuchen die Konzerne, Umwelteinflüsse so gering als möglich zu halten und auch für Mitarbeiter und Anwohner bestmögliche Lösungen zu finden. Dass diese Mühen aus Sicht von Klimaschützern nicht ausreichend sind, mag aus deren Perspektive nachvollziehbar sein – aus einer globalen Sicht heraus macht diese Argumentation aber keinen Sinn. Was nutzt es, einen Konzern, der sich selbst bereits Klimaziele auferlegt hat, vor Gericht zusätzlich unter Druck zu setzen, während in China und anderen Regionen Kohlekraftwerke unter Volllast laufen?

Die Ölbranche wird grün

Noch ist nicht klar, ob das Urteil gegen Shell in Den Haag auch weiter Bestand haben wird. Klar ist aber, dass Energie-Unternehmen in Europa weiterhin unter Beobachtung stehen. Die nächsten Klagen dürften bereits vorbereitet sein. Für Anleger wird es daher schwierig. Wenn sich große Konzerne als Folge von Gerichtsurteilen binnen weniger als zehn Jahren neu erfinden müssen, dürfte die Rendite auf der Strecke bleiben. Als Alternative könnten sich kleinere Öl- und Gasförderer von außerhalb Europas anbieten. Ein Beispiel dafür ist Saturn Oil & Gas.

Saturn Oil & Gas agiert im kanadischen Distrikt Saskatchewan und fördert dort Öl. Das Unternehmen hat sich bereits früh strenge ESG-Richtlinien auferlegt und geht dabei mit dem Zeitgeist. Neben Umweltrichtlinien und dem klaren Bekenntnis zu sozialer Arbeitsweise und vorbildlicher Führung, engagiert sich Saturn Oil & Gas auch im Bereich Gleichstellung und bietet weiblichen Studierenden exklusiv Praktika in der Energiebranche an. Das Ziel: Die Branche diverser machen und zusätzliche Mitarbeiter-Potenziale heben. Ganz nebenbei dürfte sich das Engagement auch positiv auf das ESG-Rating des Unternehmens auswirken und langfristig Anleger anlocken.

Saturn Oil & Gas: Wachstum und Nachhaltigkeit

Aktuell arbeitet Saturn Oil & Gas an der Übernahme des neuen Ölfeldes Oxbow. Nach Abschluss der Transaktion soll die Produktion um 2.000% steigen - auf über 7.200 Barrel pro Tag. Der Netto-Betriebsertrag soll nach Abschluss des Deals zwischen 65 und 70 Mio. CAD jährlich liegen. Aktuell ist das gesamte Unternehmen noch deutlich geringer bewertet. Dabei fügen sich immer mehr Puzzle-Stücke zusammen und ergeben Stand heute schon fast das Gesamtbild einer erfolgreich abgeschlossenen Übernahme: Die Eigenkapitalfinanzierung mit über 32 Mio. CAD wurde am Freitag nachbörslich erfolgreich abgeschlossen und der Abschluss einer Fremdkapitalfinanzierung von 82 Mio. CAD wurde bereits angekündigt. Da das neue Ölfeld zudem an das Pipelinenetz angeschlossen ist und dank geringer Rückgangsraten sehr nachhaltig betrieben werden kann, gehen bei Saturn Oil & Gas Profitabilität und Nachhaltigkeit Hand und Hand.

Das Unternehmen befindet sich in einer Neuausrichtung. Erst kürzlich vermeldete man einen Reverse-Split für eigene Aktien im Verhältnis von bis zu 20:1. Der Schritt soll im Rahmen der Hauptversammlung am 22. Juni 2021 genehmigt und dann nach Ermessen des Vorstandes umgesetzt werden. Saturn Oil & Gas wäre dann kein Pennystock mehr und könnte die eigenen Aktien noch besser als bislang als Übernahmewährung einsetzen – schließlich hat das Unternehmen bereits betont, auch in Zukunft vielversprechende Öl-Liegenschaften aufkaufen und nachhaltig betreiben zu wollen.

In einer Zeit, in der die großen westlichen Öl-Multis juristisch unter Druck stehen, könnte das junge und nachhaltig konzipierte Unternehmen Saturn Oil & Gas zu einem Profiteur werden. Dass fossile Energieträger noch lange gebraucht werden, scheint klar. Sofern diese nachhaltig gefördert werden, ist daran nichts verwerflich. Mittelfristig dürften das auch Gerichte und Investoren so sehen. Die Analysten von GBC Investment Research gaben kürzlich für die Aktie von Saturn ein Kursziel von 0,46 CAD mit Rating 'Kaufen' aus (Link zur Analyse). Am Freitag ging die Aktie zu 0,17 CAD ins Wochenende.


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