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30.11.2022 | 06:00

Fortschritte im Kampf gegen Krebs: Arcus Biosciences, Gilead Sciences, Defence Therapeutics, BioNTech

  • Biotech
Bildquelle: pixabay.com

Wie Untersuchungen aus dem Jahr 2020 zeigen, haben 72% der Deutschen Angst vor Krebs. Eingestehen mögen sich diese Ängste jedoch die Wenigsten. Doch gerade weil das Thema ein großes Tabu ist, lohnt sich der Blick auf neueste Errungenschaften aus der Forschung. Längst kämpfen weltweit viele Unternehmen gegen die Seuche - und machen erstaunliche Fortschritte. Erst kürzlich vermeldete ein US-Biotech erfreuliche Studienergebnisse. Andere Unternehmen lancieren aussichtsreiche Studien erst noch. Wir geben einen Überblick und skizzieren Chancen aus Anlegersicht.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: DEFENCE THERAPEUTICS INC | CA24463V1013 , BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026 , ARCUS BIOSCIENCES INC | US03969F1093

Inhaltsverzeichnis:


    Arcus Biosciences: Gute News, begrenztes Potenzial

    Nachdem das US-Unternehmen Arcus Biosciences zuletzt Zwischenergebnisse seiner randomisierten Phase-2-Studie rund um den Wirkstoff Domvanalimab verkündet hatte, bei der die Wirkstoffkombination und Effektivität mit den beiden etablierten Wirkstoffen Zimberelimab und Etrumadenant untersucht wurde, zog der Aktienkurs des Biotechs deutlich an. Noch vor Weihnachten, am 20. Dezember, will das Unternehmen weitere Details zu den Untersuchungen bekanntgeben. Die Studie untersucht den Einsatz der Wirkstoffe bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Die Ergebnisse deuten auf anhaltende bedeutsame Unterschiede beim Einsatz des Arcus-Wirkstoffs Domvanalimab hin. Damit ist ein möglicher Markteintritt des Wirkstoffs wahrscheinlicher geworden.

    Aktionäre von Arcus Biosciences sollten sich trotzdem noch nicht über einen Geldregen freuen. Zwar zog der Aktienkurs deutlich an, doch ist das Potenzial, das Arcus Biosciences hat, begrenzt. Der Grund: Das Biotech-Unternehmen schloss bereits 2020 eine Partnerschaft mit Gilead Sciences. Die Zusammenarbeit ist bis 2030 ausgelegt und sieht vor, dass Gilead seinem Junior-Partner Kapital zur Verfügung stellt und sich am Unternehmen beteiligt. Insgesamt lag die Investitionssumme damals bei 375 Mio. USD plus einem flexiblen Forschungsbudget von bis zu 1,6 Mrd. USD. Im Gegenzug bekommt Gilead die Hälfte der Umsätze eines späteren Geschäfts innerhalb der Vereinigten Staaten und den Großteil des Umsatzanteils im Rest der Welt. Die Umsatzbeteiligung von Arcus liegt international nur noch im „zweistelligen Bereich". Angesichts dieses bestehenden Deals ist kein Wunder, dass die Aktie von Arcus Biosciences nach den positiven Studienergebnissen „nur" um rund 8% zulegen konnte - das Potenzial von Arcus ist begrenzt.

    Defence Therapeutics: Synergistische Projekte und viele Anknüpfpunkte zu Pharma-Riesen

    Alle Möglichkeiten hat dagegen das kanadische Biotech Defence Therapeutics. Das Unternehmen verfügt über eine flexible Technologiepalette und bietet neben Impfprojekten gegen Brust- und Hautkrebs sowie das Humane Papillomvirus (HPV) und Covid-19. Gegen die beiden Krebsarten will Defence Therapeutics Anfang 2023 mit Phase-1-Studien starten. Kern sämtlicher Aktivitäten von Defence Therapeutics ist der eigene patentierte Wirkstoff-Verstärker Accum™. Dieser kann Wirkstoffe transportieren und zielgenau in den Zellkern bösartiger Zellen schleusen. Auf diese Weise kann es gelingen, dass Wirkstoffe, die eigentlich toxisch sind, verträglicher werden. Schon im Februar erklärte Moutih Raffei, Direktor und VP für Forschung und Entwicklung bei Defence Therapeutics: „Accum™ hat das Potenzial, viele Probleme in Zusammenhang mit Wirksamkeit und Sicherheit zu lösen und es ist vielfältig einsetzbar. Es ist auch alles andere als kompliziert, ein bestehendes Projekt um Accum™ zu erweitern. Ich bin überzeugt davon, dass unsere Technologie vielen Projekten den nötigen positiven Impuls geben kann."

    Das Portfolio von Defence Therapeutics könnte also ähnlich wie das von Arcus Biosciences für ein großes Pharma-Unternehmen interessant sein. Während der vergangenen Monate publizierte Defence Therrapeutics immer wieder ermutigende Zwischenergebnisse. Beispiele sind etwa deutliche Effekte von Wirkstoffen gegen Krebs in Mäusen oder auch die Effektivität von Accum™ als alleiniger Wirkstoff. Während bei Titeln wie Arcus Biosciences das Potenzial nach oben begrenzt ist, können Anleger bei Defence Therapeutics noch vollumfänglich von den Möglichkeiten des breiten Technologie-Spektrums profitieren. Die Kehrseite ist ein erhöhtes Risiko für den Fall, dass sich keine Geldgeber für das Unternehmen finden. Angesichts der zahlreichen Anknüpfungspunkte von Defence Therapeutics zu Projekten großer Multis - etwa im Bereich der HPV-Impfung zu GlaxoSmithKline oder Merck, sind die Kanadier in einer guten Ausgangsposition. Während Arcus Biosciences mit rund 2 Mrd. USD bewertet ist, ist Defence an der Börse gerade einmal 53,9 Mio. USD wert.

    BioNTech: Biotech-Bluechip kann Klotzen statt Kleckern

    Wie weit es bei nur einem vielversprechenden Produkt zur richtigen Zeit gehen kann, zeigt der Erfolg von BioNTech. Aktuell bringt das Unternehmen satte 39,2 Mrd. USD Marktkapitalisierung mit. Obwohl die Pandemie glücklicherweise keine so großen Auswirkungen auf unser tägliches Leben mehr hat, hat sich die Aktie zuletzt stabil gehalten. Auf Sicht von sechs Monaten gleicht ein Investment einem Nullsummenspiel. Zuletzt zeigen die Unruhen im Rahmen der Corona-Proteste in China, dass ein guter Covid-Impfstoff durchaus seine Berechtigung hat und einer leidgeplagten Bevölkerung Freiheit schenken kann. Der Impfstoff Comirnaty® dürfte für BioNTech eine Cashcow bleiben. Positiver Nebeneffekt des Blockbusters ist die Finanzierung weiterer Forschung. Längst fokussiert man sich bei BioNTech auf Wirkstoffe gegen Krebs und baute zuletzt seine Forschungsstandorte weltweit aus. Die Corona-Milliarden fließen also nicht nur an Anteilseigner, sondern kommen auch wichtigen Projekten zu Gute. Nicht ausgeschlossen ist auch, dass BioNTech strategisch zukauft, etwa um sich Patente oder Projekte zu sichern. Das aktuelle Marktumfeld dürfte für Investoren mit Cash und Expertise günstig sein.

    Krebs-Forschung läuft bei BioNTech längst auf Hochtouren (Foto: BioNTech SE)

    Wo BioNTech konkret zuschlagen könnte, dürfte Gegenstand von Diskussionen im Rahmen wissenschaftlicher Konferenzen sein. Gerade im Biotech-Sektor gilt es, fachliche Perspektiven bewerten zu können. Die Projekte von Defence Therapeutics haben in den vergangenen Monaten immer wieder positive Resonanz in Fachmedien gefunden. Angesichts der niedrigen Marktkapitalisierung können sich Anleger den Wert vormerken. Am 7.12. besteht die Möglichkeit, aus erster Hand Informationen über Defence Therapeutics zu bekommen und dem Management Fragen zu stellen. Spannend ist auch die Reise von Arcus Biosciences - das Kurspotenzial ist wegen der bestehenden Partnerschaft mit Gilead aber begrenzt.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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