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30.09.2021 | 05:00

Infineon, AdTiger, Alibaba: China als riesige Comeback-Chance

  • China
Bildquelle: pixabay.com

Digitale Geschäftsmodelle haben enorme Vorteile. Einer der wichtigsten Trümpfe ist die Skalierung. Ist ein digitales Produkt erst einmal am Markt etabliert, kann dieses ohne großen Aufwand immer mehr Kunden erwerben. Während klassische Industrieprodukte darauf angewiesen sind, dass neue Fabriken entstehen, kaufen die digitalen Player einfach Rechen- oder Speicherkapazität hinzu und bedienen in Windeseile die neue Nachfrage. Wir haben drei spannende Aktien rund um die Digitalisierung ausgesucht.

Lesezeit: ca. 3 Minuten. Autor: Nico Popp
ISIN: ADTIGER CORP.LTD. | KYG009701064 , INFINEON TECH.AG NA O.N. | DE0006231004 , ALIBABA GROUP HLDG LTD | KYG017191142



 

Der Autor

Nico Popp

In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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Infineon: Was kommt nach dem Chip-Mangel?

Im engsten Sinne hat Infineon kein digitales Geschäftsmodell – schließlich müssen die Bayern Chips physisch herstellen und sind damit an die klassischen Grenzen der Industriefertigung gebunden. Doch Infineon profitiert als Chiphersteller direkt vom Digitalisierungs-Trend. Seit Monaten sind Chips rar und selbst für große Automobilkonzerne nur schwer zu bekommen. In diesem Umfeld kann sich jeder glücklich schätzen, der die begehrten Produkte herstellt – so wie Infineon. Infineon galt früher als Hersteller von Speicherchips. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Bayern bedienen inzwischen die Autoindustrie (41% Umsatzanteil), die klassische Industrie (ca. 15%) und den Energiesektor (ca. 30%). Das Geschäft mit Chipkarten nimmt etwas mehr als 10% des Umsatzanteils ein.

Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres konnte Infineon seinen Umsatz um mehr als 35% auf 5,3 Mrd. EUR steigern. Auch der Gewinn kletterte um mehr als 60% auf 0,52 EUR je Aktie. Damit generierte Infineon im Halbjahr einen freien Cashflow von 719 Mio. EUR. Infineon ist perfekt aufgestellt, um von der Digitalisierung klassischer Industrien zu profitieren. Allein die Aussicht auf das autonome Fahren könnte dem Unternehmen ein enormes Wachstum bescheren. Die Chip-Knappheit lässt einige Autobauer aber bereits umdenken. Die Marktmacht der Zulieferer rund um Chips könnte langfristig bröckeln, wenn immer mehr Autobauer rund um Chips autark werden. An der Börse hat die Aktie von Infineon in den letzten drei Monaten an Dynamik eingebüßt.

AdTiger: Spezialist für Online-Marketing in China

Eine gänzlich andere Situation finden Anleger beim asiatischen Marketing-Spezialisten AdTiger vor. Das Unternehmen ist Spezialist für Onlinewerbung und schaltet bevorzugt auf Facebook, Google, Twitter, Snapchat oder TikTok Anzeigen. AdTiger betreibt eine eigene Optimierungsplattform mit Namen AdTensor. Dank künstlicher Intelligenz will AdTiger Marktnischen erkennen und Anzeigen so gestalten, damit diese auch geklickt werden. Als Bindeglied zwischen den größten sozialen Netzwerken, den Marketing-Abteilungen von Unternehmen und den Nutzern im Netz, kann AdTiger wertvolle Einblicke in Nutzerverhalten und Anforderungen potenzieller Kunden gewinnen. Diese Daten können in weitere Kampagnen einfließen und stellen für sich einen Datenschatz dar.

Aktuell ist AdTiger in erster Linie in China aktiv, will aber auch ins Ausland expandieren. Dazu verfügt das Unternehmen über eine eigene Investment-Gesellschaft. Im Zuge der China-Sorgen ist auch die Aktie deutlich unter die Räder gekommen. Da sich die Verunsicherung inzwischen legt, könnte AdTiger eine interessante Alternative sein. Während Medien hierzulande noch um das Schicksal von Evergrande rätseln, geben Beobachter in Asien bereits Entwarnung und sehen das Land weiter auf dem Wachstumspfad. Zwar ist die Energieknappheit in China , von der die New York Times zuletzt berichtete, keine positive Nachricht, doch ist sie alles andere als ein Signal für ein schwächelndes Wachstum. AdTiger bleibt ein vielversprechender Titel und hat mit einer Marktkapitalisierung von rund 50 Mio. EUR auch eine Größe, die Wachstums-Investoren entgegenkommen kann.

Alibaba zieht den Zorn Pekings auf sich

Turbulente Monate erleben aktuell auch Alibaba-Aktionäre. Das Amazon Chinas wird seit einem Jahr an der Börse abgestraft und verlor im Zeitraum rund 45%. Allein während der vergangenen drei Monate beschleunigte sich der Verfall noch einmal. Konzerne wie Alibaba haben den Groll der Zentralregierung in Peking auf sich gezogen. Inzwischen fährt man dort wieder einen staatszentrierten Kurs und sorgt sich vor kapitalistischen Parallel-Welten, die man über viele Jahre geduldet hat. Angesichts der vielen Millionen kaufkräftiger Chinesen, die das Leben der Mittelschicht genießen, dürfte aber selbst die Partei in Peking den kapitalistischen Geist nicht wieder zurück in die Flasche befördern können. Vielmehr sieht es danach aus, als sollten einige Exzesse gemindert und Bereiche, die der Staat als schädlich identifiziert hat, reguliert werden. Dazu gehören auch Computerspiele, vor denen die Regierung inzwischen warnt. Dank der Überwachung ist es inzwischen auch ein Leichtes, den Konsum von Computerspielen zu begrenzen.

Da die Aktie von Alibaba allerdings nur noch rund 35% über dem Niveau von vor fünf Jahren notiert, kann der Wert wieder als interessant gelten. Zwar sind Maßnahmen gerade gegen die großen Konzerne denkbar, doch sollte sich am System des kapitalistischen Sozialismus in China wenig ändern. Das Land bleibt der Wachstumsmotor der Welt, gerade wenn es um Zukunfts-Technologie geht.


Während Infineon zwar aktuell gut dasteht, langfristig viele Autokonzerne aber eigene Wege gehen könnten, führt an Alibaba wenig vorbei. Auch das kleine Unternehmen AdTiger sitzt als Spezialist für Online-Marketing in China an einer günstigen Marktposition. Hinzu kommen Expansionspläne, die sicher auch im Sinne Pekings sein dürften. Wer dynamisches Wachstum sucht, kann AdTiger favorisieren, ansonsten gilt es, bei Alibaba eine Bodenbildung abzuwarten.


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In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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