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22.06.2022 | 06:00

Marktunabhängige Rendite? So geht’s! Valneva, NervGen, BioNTech

  • Biotech
Bildquelle: pixabay.com

Wenn es an der Börse hoch her geht, schlägt die Stunde der kühlen Rechner. Auch wenn viele Manager im Verdacht stehen, lediglich die nächsten Quartale im Blick zu haben, gibt es doch gerade bei Übernahmen und Fusionen einige Entscheidungen mit Tragweite. Zuletzt beteiligte sich Pfizer am Impfstoff-Hersteller Valneva. Der bisherige Kursverlauf legte einen solchen Schritt nicht nahe. Warum sich die Entscheidung für Aktionäre trotzdem rechnen könnte und welche Signalwirkung der Deal hat.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: NERVGEN PHARMA CORP | CA64082X2032 , VALNEVA SE EO -_15 | FR0004056851 , BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026

Inhaltsverzeichnis:


    Valneva: Wie weit geht die Erholung?

    Die Aktie von Valneva hat in diesem Jahr keine gute Figur abgegeben und auf Sicht von drei Monaten rund 40% verloren. Zuletzt sorgte aber der Einstieg von Pfizer für ein kleines Kursfeuerwerk. Der Pharma-Riese sicherte sich rund 8% an Valneva und will vor allem den Lyme-Borreliose-Impfstoffkandidaten VLA15 vorantreiben. Die Analysten von Bryan Garnier halten gar eine Komplett-Übernahme für möglich. Anders sehen die Experten von Oddo BHF die Lage. Demnach dominiere die Situation um den Corona-Impfstoff die Equity Story rund um Valneva.

    Doch auch rund um den Impfstoff gegen Corona gibt es positive Nachrichten. Die europäische Arzneimittelagentur EMA hat den Zulassungsantrag für den Corona-Totimpfstoff VLA 2001 akzeptiert. Dennoch belasten Gerüchte den Markt, wonach die Absichtserklärung der EU, den Impfstoff zu erwerben, aufgekündigt werden könnte. Betrachtet man die jüngste Kursrally im Spiegel des monatelangen Ausverkaufs, könnte Valneva aktuell eine Bärenmarkt-Rally einlegen. Bis die Aktie in ein positives Fahrwasser kommt, dürfte es noch ein wenig dauern.

    NervGen: MS und Alzheimer im Visier

    Keine gute Entwicklung genommen hat auch die Aktie von NervGen in den vergangenen Monaten. Anders als bei Valneva geht es aber nicht um einen Impfstoff, den scheinbar niemand mehr will. NervGen forscht an einem Wirkstoff, der dazu geeignet ist, die Selbstheilungskräfte des Körpers bei Nervenschäden zu aktivieren. Im Versuch mit querschnittsgelähmten Mäusen hat der Wirkstoff bereits beeindruckende Ergebnisse erzielt. Neben Lähmungen nimmt NervGen auch Multiple Sklerose und Alzheimer ins Visier und adressiert damit Krankheiten, welche die Lebensqualität sowohl junger als auch alter Menschen stark beeinflussen. Jeder Fortschritt allein hätte aus Sicht des Marktes Blockbuster-Potenzial. Doch warum verlor die Aktie in den vergangenen drei Monaten 25%? NervGen ist ein Wachstumsunternehmen und treibt seine Forschungen aktuell voran. Derartige Titel hat der Markt zuletzt besonders abgestraft. Die Kursverluste sind zu einem Teil also überhaupt nicht auf Ereignisse beim Unternehmen zurückzuführen. Tatsächlich gab es von NervGen zuletzt nur Wasserstandsmeldungen zum Alltagsgeschäft.

    Die langfristige Perspektive des Unternehmens skizzierte NervGen-CEO Bill Radvak zuletzt in einem Interview: „Wir beabsichtigen, unsere klinische Studie sowohl mit kürzlich verletzten als auch mit chronisch verletzten Patienten zu beginnen. Die Untersuchung eines Arzneimittels bei Patienten, die seit mehr als einem Jahr geschädigt sind, ist selten, aber wir haben bemerkenswerte Daten, die darauf hindeuten, dass unser Medikament auch bei diesen Patienten erfolgreich zur Wiederherstellung der Funktion beitragen kann. Wir erwarten die Ergebnisse dieser Studien bereits im nächsten Jahr, was sehr aufregend ist", so Radvak. Bereits in diesem Jahr strebt NervGen ein Listing an der NASDAQ an, um seine Investorenbasis zu verbreitern. Ein derartiger Schritt hat vergleichbaren Unternehmen bereits Rückenwind gegeben. Auch wenn das Marktumfeld aktuell nicht das Freundlichste ist, bietet NervGen mit seinem revolutionären Ansatz doch eine vielversprechende Wachstums-Perspektive. Sollte im Kampf gegen MS oder Alzheimer auch nur ein Teilerfolg möglich werden, dürfte die Aktie auch losgelöst vom Gesamtmarkt Chancen bieten.

    BioNTech: Gesamtmarkt belastet selbst den Branchen-Primus

    Dass aktuell auch große Namen im Niemandsland der Kurse dümpeln, zeigt BioNTech. Der Corona-Impfstoff-Pionier ist eigentlich gut aufgestellt: Die Sommer-Welle lenkt den Fokus wieder auf die Pandemie und im Herbst sind neue Impfstoffe marktfähig, die auch gegen die neuen Varianten helfen sollen. Hinzu kommt, dass das Team von BioNTech betont hat, künftig auch rund um Krebs und andere Krankheiten durchstarten zu wollen. Das Beispiel zeigt, dass viele vielversprechende Pläne angesichts des Gesamtmarkts ins Hintertreffen geraten.


    Gerade in schwierigen Zeiten am Aktienmarkt können Investoren mit Weitblick Chancen wahrnehmen. Der Einstieg von Pfizer bei Valneva gibt Anlegern das Signal, dass die Entwicklung aussichtsreicher Vakzine und Wirkstoffe unabhängig vom tagtäglichen Marktrauschen weitergeht. Auch NervGen und BioNTech treiben ihre ambitionierten Pläne voran. Gelingen Durchbrüche, sollte neues Potenzial entstehen.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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