13.07.2026 | 05:30
RAUS aus der Gerresheimer-Aktie? TKMS mit Kaufempfehlung! HPQ Silicon weckt Interesse!
Gerresheimer-Aktie verkaufen? Dazu raten Analysten. Dabei war nach den Bilanzierungsfragen, der verspäteten Vorlage des Geschäftsberichts, den Spekulationen rund um die BaFin-Prüfung sowie den Vorstandswechseln zuletzt etwas Ruhe beim Verpackungsspezialisten für die Pharma- und Kosmetikindustrie eingetreten. Die Aktie konnte sogar ordentlich zulegen. Vor einer Neubewertung könnte HPQ Silicon stehen. Das Technologieunternehmen tritt mit mehreren Produkten in die Kommerzialisierungsphase ein. Die jüngsten positiven Ergebnisse haben das Interesse potenzieller Industriepartner deutlich ausgeweitet. Zu den strategischen Optionen gehören Joint Ventures, Lizenzmodelle, royaltybasierte Produktionspartnerschaften sowie eigene Produktionsanlagen. Vor diesem Hintergrund scheint die Aktie Luft nach oben zu haben. Dies gilt auch für TKMS. Aufgrund des jüngsten Milliardenauftrags aus Kanada haben Analysten ihre Schätzungen und ihr Kursziel angehoben. Die Auslastung könnte bis weit in die 2040er-Jahre gesichert sein.
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
Fabian Lorenz
ISIN:
GERRESHEIMER AG | DE000A0LD6E6 , TKMS AG & CO KGAA | DE000TKMS001 , HPQ SILICON INC | CA40444L1031 | TSXV: HPQ , OTCQB: HPQFF
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Fabian Lorenz
Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.
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HPQ Silicon: Interesse potenzieller Industriepartner
Ein interessanter Nebenwert ist HPQ Silicon. Nach rund zehn Jahren Forschung und Entwicklung ist das kanadische Technologieunternehmen auf dem Sprung in die Kommerzialisierung. Und zwar in drei Bereichen gleichzeitig: Silizium-Anodenmaterial für Batterien, pyrogene Kieselsäure und dezentrale Wasserstoffproduktion.
Die jüngste Meldung kommt aus dem Bereich der pyrogenen Kieselsäure. So treibt HPQ Silicon die Kommerzialisierung seiner proprietären Fumed-Silica-Reaktortechnologie (FSR) konsequent voran. Die Fumed-Silica-Reaktortechnologie ist ein spezielles Produktionsverfahren zur Herstellung von pyrogener Kieselsäure (Fumed Silica). Dabei handelt es sich um ein extrem feines, nanoskaliges Siliziumdioxid-Pulver (SiO₂), das in zahlreichen Industrien als Hochleistungszusatzstoff eingesetzt wird.
Nach erfolgreichen Pilotversuchen sieht das Unternehmen den Übergang von der Entwicklungs- in die Vermarktungsphase erreicht. Im Pilotmaßstab konnte Fumed Silica in kommerzieller Qualität direkt aus Quarz hergestellt werden. Eine unabhängige Validierung der Produktqualität, ein Memorandum of Understanding für eine geplante Produktionsanlage mit einer Jahreskapazität von 1.000 Tonnen sowie eine umfassende technische Prüfung stärken das Vertrauen in die Wirtschaftlichkeit der Technologie.
Die positiven Ergebnisse haben das Interesse potenzieller Industriepartner deutlich ausgeweitet. Nach Angaben des Unternehmens gehen die laufenden Gespräche inzwischen über die ursprünglich geplante Zusammenarbeit hinaus. HPQ und seine Tochter HPQ Silica Polvere prüfen verschiedene strategische Optionen, um den langfristigen Wert der FSR-Technologie zu maximieren. Dazu gehören Joint Ventures, Lizenzmodelle, royaltybasierte Produktionspartnerschaften sowie eigene Produktionsanlagen.
Auch die Partnerschaft mit PyroGenesis entwickelt sich weiter. Beide Unternehmen befinden sich in der Schlussphase einer Transaktion, nach der PyroGenesis 50 % an HPQ Silica Polvere übernehmen und gleichzeitig exklusiver Ausrüster für die Kommerzialisierung der FSR-Technologie bleiben soll. Für HPQ-Chef Bernard Tourillon markiert das erfolgreiche Pilotprogramm einen entscheidenden Wendepunkt. Aus einem Entwicklungsprojekt sei eine skalierbare Industrieplattform entstanden, die durch unabhängige Validierung, belastbare Engineering-Daten und wachsendes Interesse aus der Industrie den Weg für eine breite kommerzielle Nutzung ebnet.
Für Anleger ist vor allem entscheidend, dass HPQ mit der FSR-Technologie nicht nur ein neues Material produziert, sondern ein potenziell disruptives Herstellungsverfahren entwickelt. Gelingt die Kommerzialisierung, könnte das Unternehmen den milliardenschweren Markt für pyrogene Kieselsäure mit einem kostengünstigeren und effizienteren Produktionsprozess adressieren. Vor diesem Hintergrund scheint die Marktkapitalisierung von aktuell rund 70 Mio. CAD deutlich Luft nach oben zu haben. Zumal es eben nicht das einzige spannende Produkt von HPQ ist. Mehr im Video:
https://youtu.be/V6FO2uPdQLI?si=krfrV3gpZFo5xt5e
TKMS: Schätzungen angehoben
Es läuft derzeit bei TKMS. Während sich die Aktien von Rheinmetall, Renk und Co. im laufenden Jahr schwertun, steht bei TKMS ein Plus von über 17 %. Derzeit notiert die Aktie bei 81 EUR. Insbesondere das prall gefüllte Auftragsbuch sorgt für gute Stimmung. Zuletzt hat man mit der Auswahl als bevorzugter Anbieter für das kanadische U-Boot-Programm einen historischen Meilenstein erreicht. Das Projekt umfasst bis zu zwölf konventionelle U-Boote des Typs 212CD. Einschließlich Wartung, Instandhaltung und Bewaffnung könnte das Gesamtprogramm nach Schätzungen der Analysten von mwb einen Wert von über 60 Mrd. CAD erreichen. Auch wenn der endgültige Vertrag erst Ende 2026 erwartet wird, stärke der Zuschlag den bereits rekordhohen Auftragsbestand erheblich und sichere die Auslastung bis weit in die 2040er-Jahre. Gleichzeitig etabliere sich TKMS aus Sicht der Analysten als führender westlicher Anbieter konventioneller U-Boote und erschließe erstmals den nordamerikanischen Markt.
Vor diesem Hintergrund haben die Experten ihre mittelfristigen Erwartungen angehoben. Neben dem Kanada-Projekt sehen sie zusätzliches Potenzial durch den erwarteten Auftrag über bis zu acht F128-Fregatten für die Deutsche Marine. Für den Zeitraum bis 2032 rechnen die Analysten nun mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum von 13 % statt zuvor 11,9 %.
Für 2026 erwarten die Analysten einen Umsatz von 2,27 Mrd. EUR, ein EBITDA von 233 Mio. EUR und einen Gewinn je Aktie von 1,84 EUR. Im Jahr 2027 sollen die Erlöse auf 2,54 Mrd. EUR steigen, das EBITDA auf 278 Mio. EUR zulegen und das Ergebnis je Aktie 2,19 EUR erreichen. Für 2028 hat mwb aufgrund der jüngsten Aufträge die Prognose angepasst. Die Umsatzerwartung wurde von 2,86 Mrd. EUR auf 3,04 Mrd. EUR angehoben. Beim EBITDA trauen die Analysten TKMS jetzt 357 Mio. EUR statt 344 Mio. EUR zu. Der Gewinn je Aktie soll im Jahr 2028 bei 2,74 EUR liegen.
Das Kursziel wurde von 125 auf 135 EUR erhöht und die Kaufempfehlung bestätigt. Nach Ansicht von mwb war der Kanada-Auftrag im Aktienkurs bislang kaum eingepreist, sodass trotz der noch ausstehenden Vertragsunterzeichnung weiteres Aufwärtspotenzial bestehe.
Gerresheimer: Aktie zuletzt freundlich, aber Analysten warnen
Und was macht eigentlich Gerresheimer? Nach den Bilanzierungsfragen, der verspäteten Vorlage des Geschäftsberichts, den Spekulationen rund um die BaFin-Prüfung und die Vorstandswechsel ist es zuletzt etwas ruhiger um den Verpackungsspezialisten für die Pharma- und Kosmetikindustrie geworden. An der Börse konnte sich die Aktie in den vergangenen Monaten sogar spürbar erholen. Anfang April notierte die Aktie bei 17 EUR. Inzwischen sind es immerhin wieder über 28 EUR. Allerdings gab es Mitte 2023 auch schon Kurse um die 120 EUR.
Aus Sicht der Analysten von mwb research ist die Krise bei Gerresheimer noch lange nicht vorbei. Sie bleiben skeptisch und verweisen auf die weiterhin hohe Verschuldung, offene regulatorische Risiken und eine angespannte Ergebnisqualität.
Zwar hat das Unternehmen nach monatelanger Verzögerung endlich den geprüften Geschäftsbericht 2025 vorgelegt und damit eine Unsicherheit beseitigt. Die grundlegenden Sorgen der Analysten bleiben jedoch bestehen. Governance, Bilanzierung, Refinanzierung und Verschuldung dominieren weiterhin den Investmentcase. Der Umsatz lag mit 2,321 Mrd. EUR zwar leicht über der bisherigen Schätzung von 2,309 Mrd. EUR, doch unterhalb der Erlösebene fiel das Zahlenwerk deutlich schwächer aus. Das berichtete EBIT lag bei -209 Mio. EUR statt der erwarteten -125 Mio. EUR, der Nettoverlust bei -319 Mio. EUR statt -179 Mio. EUR. Belastet wurde das Ergebnis unter anderem durch höhere Abschreibungen, Wertminderungen, Sonderbelastungen, gestiegene Finanzierungskosten im Zusammenhang mit der Bormioli-Übernahme sowie einen geringeren Steuervorteil.
Besonders kritisch bewerten die Analysten, dass die BaFin-Prüfung nicht abgeschlossen, sondern ausgeweitet wurde. Neben den bereits bekannten Fragen zur Umsatzrealisierung, insbesondere bei Bill-and-Hold-Vereinbarungen, werden nun weitere Themen untersucht. Dazu zählen Leasingverbindlichkeiten, Angaben zu Nutzungsdauern immaterieller Vermögenswerte und mögliche Wertminderungen im Bereich Advanced Technologies. Auch der Halbjahresbericht 2025 wird zusätzlich geprüft. Damit hat sich das regulatorische Risiko aus Sicht der Analysten eher vergrößert als verringert. Gleichzeitig bleibt die Bilanz angespannt. Die Nettoverschuldung stieg auf 2,0 Mrd. EUR nach 1,1 Mrd. EUR im Vorjahr, der bereinigte EBITDA-Verschuldungsgrad kletterte auf 4,95x. Ab dem 30. November 2026 gilt wieder eine harte Verschuldungsobergrenze von 4,75x sowie eine Mindestliquidität von 100 Mio. EUR. Ein Verstoß könnte vorzeitige Rückzahlungspflichten auslösen. Daher wird der geplante Verkauf von Centor als notwendiger Schritt zur Entschuldung bewertet.
Insgesamt bleibt das Urteil der Analysten klar negativ. Die Vorlage des Geschäftsberichts sei kein sauberer Neustart, sondern bestätige die erhöhten Aktien- und Kreditrisiken. Das Kursziel bleibt bei 12,50 EUR. Damit ist die Gerresheimer-Aktie für die Analysten derzeit ein Verkauf.
Fazit
Mit der Aktie von Gerresheimer ließ sich in den vergangenen Monaten ordentlich Geld verdienen. Doch wie die Studie von mwb richtig zeigt, bleiben die Risiken. Daher ist die Aktie höchstens eine Spekulation. HPQ meldet einen Erfolg nach dem anderen. Es kann eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, wann die Aktie aus ihrer Seitwärtsbewegung nach oben ausbricht. TKMS ist derzeit das erfolgreichste deutsche Rüstungsunternehmen. Allerdings sollten Aktionäre immer die Komplexität beim Schiffsbau berücksichtigen.
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