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27.04.2022 | 06:00

Wo das Sentiment stimmt: BioNTech, Defence Therapeutics, Amazon

  • Biotech
Bildquelle: pixabay.com

Wer im November Luftmatratzen verkaufen will, kommt auch mit riesigen Rabatten nicht zum Erfolg. Ähnlich ist es bei der Auswahl von Aktien. Um Renditen einzufahren, müssen Investoren den Markt einschätzen und auf die Titel setzen, die in naher Zukunft gefragt sind. Bei Impf-Aktien schien die Luft zuletzt raus zu sein. Jetzt mehren sich aber Hinweise, dass weitere Impfdosen benötigt werden könnten. Wir machen bei drei Aktien den Sentiment-Check.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: DEFENCE THERAPEUTICS INC | CA24463V1013 , BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026 , AMAZON.COM INC. DL-_01 | US0231351067

Inhaltsverzeichnis:


    BioNTech: Was kommt da noch?

    Auf Sicht von einem Jahr steht bei der Aktie von BioNTech nur noch eine Rendite von 1% zu Buche. Das ist umso bemerkenswerter, weil der Wert innerhalb dieses Zeitraums bereits mehr als 100% höher notierte. Zuletzt wurden immer mehr Stimmen laut, dass die Pandemie gelaufen sei und damit auch die Nachfrage nach Impfstoffen sinken würde. Zwar macht sich in Deutschland in diesen Tagen im Supermarkt und bei anderen Veranstaltungen die neue Lockerheit breit, doch gibt es auch wieder neue Warnsignale. Eine von Pfizer finanzierte Untersuchung zeigt, dass die Schutzwirkung des aktuellen BioNTech-Impfstoffs gegen Krankenhauseinweisungen innerhalb der ersten drei Monate bei 85% liegt, danach aber auf 55% abfällt. Die Ergebnisse könnten dazu führen, dass auch mehr jüngere Menschen zur vierten Impfung greifen.

    Zuletzt war bekannt geworden, dass in diesem Sommer einige Impfdosen drohen zu verfallen. Die neue Studienlage sollte für BioNTech also eher nicht für zusätzliche Umsätze sorgen. Mit Blick auf den Herbst könnte die Nachfrage aber wieder anziehen. Dann wird ein aktualisiertes Vakzin erwartet. Der vierte Pieks läge vor dem Hintergrund der dann beginnenden Erkältungs-Saison für viele Menschen wieder nahe. Die Aktie von BioNTech repräsentiert zudem nicht nur einen Anbieter von Corona-Impfstoffen – die mRNA-Technologie ist mächtig und könnte auch bei Krebs zu Durchbrüchen führen. Dann wäre BioNTech endgültig im Biotech-Olymp angekommen. Auch wenn man die Kursexzesse der vergangenen beiden Jahre ausblendet, bleibt der Wert im Aufwärtstrend. Ein Schnäppchen machen Anleger mit der BioNTech-Aktie aber nicht.

    Defence Therapeutics: Patentierter Wirkstoff-Verstärker als Multi-Tool

    Anders sieht die Sache dagegen bei Defence Therapeutics aus. Das Biotech-Unternehmen aus Kanada verfolgt ebenso einen Plattform-Ansatz und hat mehrere Eisen im Feuer. Das Unternehmen arbeitet an sogenannten Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADC) und hat dazu bereits beeindruckende Ergebnisse vorgelegt. Diese ADCs sind dazu geeignet, Wirkstoffe zu verstärken und direkt in eine betroffene Zelle zu schleusen. Eingesetzt wird die von Defence Therapeutics patentierte Accum™-Technologie rund um Impfstoffe gegen Covid-19 und HPV sowie gegen Brust- und Hautkrebs. In den kommenden Monaten sind mehrere Phase-1-Studien dazu geplant. Die Bedingungen für einen erfolgreichen Verlauf, erscheinen günstig: „Derartige Studien kosten Geld. Angesichts unserer bisherigen ermunternden Ergebnisse und der Vielseitigkeit unserer Technologie, stoßen wir in den Gesprächen mit potenziellen Geldgebern auf offene Ohren", so Dr. Moutih Rafei, Direktor und VP für Forschung und Entwicklung, Defence Therapeutics in einem Interview.

    Auch ohne mit Accum™ verbundene Wirkstoffe erscheint die Technologie potent: „Accum™ ist sehr toxisch. Wir haben herausgefunden, dass Krebszellen absterben, wenn wir den Wirkstoff direkt in Tumore injizieren. Zugleich sorgt Accum™ für synergistische Effekte mit anderen bestehenden Therapien. Das bedeutet konkret, dass Accum™ einerseits effektiv gegen Krebszellen ist, aber andererseits auch andere bekannte Wirkstoffe unterstützt. Mögliche Anwendungsbereiche sind Brustkrebs und auch bisher unheilbare Hirntumore, sogenannte Glioblastome. Wichtig ist nur, dass Accum™ direkt in die Tumore injiziert werden kann. Schon heute gibt es Experten, die Wirkstoffe derart gezielt einsetzen können. Von einer konkreten Anwendung von Accum™ auf diese Weise sind wir aber noch entfernt", so Rafei. Zunächst will sich Defence Therapeutics aber auf Patienten mit Brust- oder Hautkrebs fokussieren. Hierzu bestehen bereits Kooperationen mit Kliniken. Zuletzt hat das Unternehmen zudem ein weiteres Patent erhalten , das den Einsatz von Accum™ rund um Impfstoffe zusätzlich absichert. Damit dürfte auch das Risiko sinken, dass Konkurrenten den Ansatz kopieren und die Wahrscheinlichkeit steigen, dass das Unternehmen rund um einzelne Anwendungsbereiche Kooperationspartner findet oder seine Technologie lizenziert. Die Aktie ist ähnlich wie auch BioNTech zurückgekommen, befindet sich aber noch immer in einem charttechnisch soliden Fahrwasser. Aufgrund der relativen Unbekanntheit des Unternehmens und der noch nicht erreichten Marktreife ist das Chance-Risiko-Profil deutlich stärker ausgeprägt.

    Amazon: Dieser Erfolg ist zeitlos

    Wenn es darum geht, Aktien zu kaufen, die gerade Konjunktur haben, darf die Aktie von Amazon nicht fehlen. Während einige Pandemie-Aktien, wie etwa Peloton oder auch Netflix, die zuletzt unter die Räder gekommen sind, hielt sich Amazon vergleichsweise stabil. Der Grund: Das Geschäftsmodell funktioniert auch nach der Pandemie. Schon 2019 shoppten immer mehr Menschen online, die Pandemie hat den Trend nur verstärkt. Ein Teil der Pandemie-Übertreibung hat Amazon abgebaut und pendelt inzwischen zwischen 2.500 und 3.000 USD. Das untere Ende dieser Range könnte interessante Gelegenheiten bieten. Die Gründe für die Aktie sind vielfältig: Neben dem zeitlosen Geschäftsmodell könnte auch die Schwäche des Konkurrenten Netflix ein Argument für Amazon sein.


    Egal ob Biotech oder Einzelhandel – beide Branchen haben Zukunft sofern der Einstieg in entsprechende Aktien nicht zu teuer ist. Timing wird immer dann zu einer Herausforderung, wenn die Aktienkurse eine rosige Zukunft bereits einpreisen. Am ehesten ist das noch bei BioNTech der Fall. Auch Amazon ist als Marktführer selbstverständlich nicht günstig. Chancen können Anleger dagegen bei Titeln aus der zweiten Reihe wahrnehmen , denen der Markt bislang noch keinen Vorschuss gegeben hat. Ein Beispiel für ein solches Unternehmen ist etwa Defence Therapeutics.


    Interessenskonflikt

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    Es besteht aus diesem Grund ein konkreter Interessenkonflikt.

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    Der Autor

    Nico Popp

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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