09.06.2026 | 04:30
Eskalation im Iran! Rüstung und Energie im Fokus: Hensoldt, Nordex, A.H.T. Syngas
Zwischen dem Iran und Israel eskaliert es wieder. Der Ölpreis zieht entsprechend an. Daher schauen wir uns heute Rüstungs- und Energieaktien an. Die Aktie von A.H.T. Syngas scheint endlich anzuspringen. Das Unternehmen ist auf die Energiegewinnung aus Reststoffen spezialisiert. Der Umsatz soll in den kommenden Jahren kräftig zulegen und Analysten sehen 150 % Kurspotenzial. Bei Nordex waren Analysten zuletzt skeptisch. Rund um das Geschäftsmodell des Windturbinenherstellers gibt es zahlreiche Unsicherheiten. Daher raten die Analysten zum Verkauf. Das Unternehmen hält mit neuen Aufträgen dagegen. Auch bei Hensoldt gibt es eine Verkaufsempfehlung. Dabei erwarten die Analysten ein deutliches Wachstum. Allerdings soll sich der Auftragseingang abschwächen und die Bewertung macht Sorgen.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Fabian Lorenz
ISIN:
A.H.T. SYNGAS TECH. EO 1 | NL0010872388 , HENSOLDT AG INH O.N. | DE000HAG0005 , NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Fabian Lorenz
Seit über zwanzig Jahren beschäftigt sich der gebürtige Kölner beruflich und privat intensiv mit dem Thema Börse. Seine besondere Leidenschaft gilt dabei nationalen und internationalen Small- und Micro-Cap.
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A.H.T. Syngas: Aktie startet Rally
A.H.T.-CEO Gero Ferges scheint auf der digitalen Investorenkonferenz IIF Anleger überzeugt zu haben. Seitdem ist die Aktie immerhin um rund 25 % auf 3,24 EUR gestiegen. Dies dürfte jedoch erst der Startschuss einer längeren Rally gewesen sein, denn das Unternehmen steht vor einem deutlichen Wachstum. Daher trauen die Analysten von GBC Research der Aktie sogar einen Kurs von 8,50 EUR zu.
Gero Ferges zeigte in seiner Präsentation auf, wie die Gesellschaft von steigenden Energiepreisen, dem Ausbau erneuerbarer Energien und der wachsenden Nachfrage nach Wasserstoff profitieren will. Dabei stellte er nicht nur die Technologie vor, sondern untermauerte die wirtschaftlichen Vorteile anhand konkreter Praxisbeispiele und Wachstumspläne.
A.H.T. Syngas entwickelt und vermarktet Anlagen zur Umwandlung von Biomasse, Reststoffen und Abfällen in Synthesegas. Die patentierte „Twin-Fire“-Vergasungstechnologie kann unterschiedlichste Einsatzstoffe wie Holzreste, Klärschlamm oder Ersatzbrennstoffe verarbeiten und daraus Wärme, Strom sowie künftig auch Wasserstoff erzeugen. Bislang erzielt das Unternehmen seine Umsätze vor allem über den Verkauf von Anlagen. Künftig soll das Geschäftsmodell jedoch verstärkt um langfristige Betreiber- und Contracting-Modelle erweitert werden, bei denen A.H.T. selbst als unabhängiger Energieproduzent auftritt und wiederkehrende Einnahmen generiert.
Neben dem klassischen Bioenergiemarkt sieht A.H.T. großes Potenzial im Wasserstoffsektor. Die Technologie ermöglicht die Herstellung von grünem Wasserstoff aus Biomasse und Reststoffen. Zusätzliche Erlösquellen bieten sich über Treibhausgaszertifikate und die Belieferung von Zukunftsmärkten wie nachhaltigem Flugbenzin oder Methanol.
Als Referenzprojekt stellte Ferges eine Anlage in Deutschland vor, die einem Industriekunden jährliche Gaskosteneinsparungen von rund 600.000 EUR ermöglicht. Die Investition von etwa 1,6 Mio. EUR reduziert gleichzeitig die CO2-Emissionen um rund 1.500 Tonnen pro Jahr. Darüber hinaus bietet A.H.T. standardisierte Biomassekraftwerke an, die bei einer elektrischen Leistung von 2 MW jährliche Stromerlöse von rund 4 Mio. EUR generieren können. Im Wasserstoffbereich verfügt das Unternehmen über eine neu patentierte Anlage, die aus 1,7 Tonnen Biomasse pro Stunde etwa 210 Kilogramm Wasserstoff erzeugt.
Für die kommenden Jahre erwartet das Management weiteres Wachstum vor allem in Deutschland und Polen, wo sich zahlreiche Projekte bereits in der Genehmigungs- oder Vorbereitungsphase befinden. Durch die stärkere Ausrichtung auf Contracting-Modelle und den Betrieb eigener Anlagen sollen die Margen von derzeit rund 10 % auf etwa 18 % steigen. Die Analysten von GBC Research erwarten, dass A.H.T. im laufenden Jahr fast 10 Mio. EUR umsetzen wird. Bis 2028 sollen die Erlöse bereits spürbar über 20 Mio. EUR liegen. An der Börse wird A.H.T. derzeit mit weniger als 10 Mio. EUR bewertet. Dies erscheint alles andere als teuer zu sein.
https://youtu.be/Xh7gCe7tKMQ?si=e1xfQTEUK3c_qfsG
Hensoldt: Bewertung zu hoch?
Die Aktie von Hensoldt hat in der vergangenen Woche über 10 % an Wert verloren. Neben dem schwachen Marktumfeld sorgte auch eine neue Analystenstudie für Abgabedruck. So hat mwb research die Verkaufsempfehlung für die Rüstungsaktie bekräftigt. Die Analysten sehen in Hensoldt zwar weiterhin ein qualitativ hochwertiges Rüstungsunternehmen mit starker Marktstellung in Europa, bleiben jedoch skeptisch hinsichtlich der Bewertung der Aktie. Das Unternehmen profitiert aktuell von der beschleunigten Aufrüstung in Deutschland und Europa und konnte seine Prognose für den bereinigten Free Cashflow 2026 anheben. Hintergrund sind höhere Kundenanzahlungen im Zuge schnellerer Beschaffungsprogramme. Operativ läuft das Geschäft nach Ansicht der Analysten weiterhin sehr gut, weshalb die Umsatz- und Ergebnisziele bestätigt wurden.
Allerdings betont mwb, dass die Verbesserung des Free Cashflows vor allem ein zeitlicher Effekt sei. Die höheren Vorauszahlungen würden den Cashflow kurzfristig aufblähen, müssten aber in späteren Jahren wieder abgearbeitet werden. Gleichzeitig erwarten die Analysten, dass sich das Auftragswachstum nach dem aktuellen Boom allmählich normalisiert. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz (Book-to-Bill) soll laut Konsensschätzungen von 1,8 im Jahr 2026 auf 1,3 im Jahr 2028 zurückgehen. Daher sieht mwb die aktuellen Mittelzuflüsse nicht als nachhaltigen Werttreiber.
Kritisch bewertet mwb zudem die zunehmende Fokussierung von Hensoldt auf das Thema „Software-Defined Defence“. Zwar seien Initiativen wie das BattleLab, die Kooperation mit dem deutschen Drohnenspezialisten Helsing und Projekte im Bereich souveräner Cloud-Lösungen strategisch sinnvoll. Dennoch dürfte dieser Geschäftsbereich nach Schätzungen der Analysten selbst im Jahr 2030 weniger als 10 % des Konzernumsatzes ausmachen. Aus Sicht von mwb rechtfertigt dies keinen deutlichen Technologieaufschlag auf die Bewertung. Denn Hensoldt bleibe ein klassischer Hardware- und Sensorspezialist. Entsprechend bestätigen die Analysten ihr Verkaufsvotum mit einem Kursziel von 62 EUR. Gestern notierte die Aktie bei 78 EUR.
Nordex: Aktie verkaufen?
Wie bei Hensoldt sorgte zuletzt auch bei Nordex eine Verkaufsempfehlung für Druck. So hat RBC die Einstufung "Underperform" für die Aktie des deutschen Windturbinenherstellers bestätigt. Mit den Zahlen für das erste Quartal hat Nordex die Analysten positiv überrascht. Dennoch sehen sie viele Unsicherheiten. Daher haben sie das Kursziel für die Nordex-Aktie von 38 EUR auf 35 EUR reduziert. Die Aktie notiert derzeit bei rund 40 EUR. Im europäischen Energiesektor bevorzugen die RBC-Experten beispielsweise die Aktie von Siemens Energy.
Vielleicht kann die jüngste Auftragsmeldung dazu beitragen, dass die Analysten ihre Einschätzung zu Nordex ändern. So hat der Windturbinenspezialist in den ersten Monaten des zweiten Quartals neue Aufträge aus Deutschland mit einer Gesamtleistung von rund 255 MW gemeldet. Die Bestellungen umfassen 14 Windenergieprojekte mit insgesamt 39 Turbinen der Typen N163/6.X, N175/6.X und N149. Sämtliche Verträge beinhalten zudem Service- und Wartungsleistungen. Die Errichtung und Inbetriebnahme der Windparks ist zwischen Sommer 2027 und Frühjahr 2028 vorgesehen.
Zu den neuen Projekten zählt der Bürgerwindpark Rheine-Catenhorn in Nordrhein-Westfalen mit einer Leistung von 35 MW. Dort sollen fünf Turbinen des Typs N163/6.X installiert werden. Das Projekt wird gemeinsam mit dem Projektentwickler BBWind umgesetzt. "Für die Energiewende in Deutschland spielen Bürgerwindparks eine zentrale Rolle. Sie verbinden wirtschaftlichen Nutzen mit lokaler Akzeptanz und ermöglichen es den Menschen vor Ort, direkt an der Energiewende zu partizipieren", sagt Nordex-Manager Karsten Brüggemann. "Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit BBWind ein weiteres Projekt in diesem wichtigen Segment umzusetzen und damit den Ausbau der Windenergie weiter voranzubringen."
Beide Unternehmen arbeiten bereits seit 2014 zusammen und haben nach eigenen Angaben in Nordrhein-Westfalen bislang 26 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von über 100 MW realisiert. Weitere Kunden und Standorte der neu beauftragten Projekte wurden von Nordex nicht genannt.
Fazit
Aktien aus den Bereichen Rüstung und Energie werden die Börse auch in den kommenden Jahren in Atem halten. Viele Werte sind aber auch schon sehr gut gelaufen. Zu den Nachzüglern gehört A.H.T. Syngas. Die Energierally der vergangenen Monate ist an der Aktie vorbeigegangen. Daher erscheint sie günstig. Anders sieht es bei Hensoldt aus. Wie bei vielen anderen Rüstungswerten ist schon viel Positives im Kurs eingepreist. Bei Nordex stimmt der Auftragseingang weiterhin positiv.
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