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26.11.2021 | 05:00

Hochtief, Talkpool, Bilfinger: Immo-Aktien und die Ampel-Regierung

  • Bauwesen
Bildquelle: pixabay.com

Der Koalitionsvertrag der Ampel liest sich ambitioniert und stieß auf positive Resonanz der Immobilienwirtschaft. Vor allem der geplante Bürokratieabbau und die Digitalisierung dürften im Interesse aller Beteiligten sein – schließlich sorgen analoge Grundbücher immer wieder für Fehler und Verzögerungen, die gerade am Bau schnell teuer sind. Doch die Pläne der Koalitionäre sehen auch 'grüneres Bauen' und strengere Vorschriften bei Isolierungen und beim Heizen vor. Wir stellen drei Aktien vor und erklären, ob sie profitieren oder nicht.

Lesezeit: ca. 3 Minuten. Autor: Nico Popp
ISIN: Talkpool AG | CH0322161768 , HOCHTIEF AG | DE0006070006 , BILFINGER SE O.N. | DE0005909006



 

Der Autor

Nico Popp

In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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Hochtief: Fachkräfte dringend gesucht

Hochtief ist in Deutschland der größte Baukonzern. Wer auf Großbaustellen mal nach dem auffälligen Logo Ausschau hält, wird es oft sehen. Hochtief steht für Planung, Finanzierung und Betreiben von Bauprojekten – egal welcher Größe. Das Unternehmen ist auch in den USA und in Australien vertreten und macht in Nord- und Südamerika sogar rund 63% seines Umsatzes. Zweitwichtigstes Standbein ist Asien mit rund 30%. Auf Europa entfallen nur rund 5,5%. Die Pläne der deutschen Ampel-Koalition dürften das Geschäft von Hochtief also kaum verändern. Wohl aber ist davon auszugehen, dass der Trend zu mehr Wärmedämmung und Nachhaltigkeit auch international am Bau um sich greifen wird.

Egal, wie die künftige Regierung in Deutschland konkret handelt, dürften Großunternehmen, wie Hochtief beste Voraussetzungen haben, um die neuen Vorgaben auch umzusetzen oder um in der Übergangsphase daraus Profit zu schlagen. Wer groß ist und entsprechend planen kann, ist auch unter regulatorisch schwierigen Bedingungen im Vorteil. Die Aktie von Hochtief glänzt aktuell mit einer niedrigen Bewertung und einer satten Dividendenrendite von rund 5,5%. Die Auftragslage ist gut, doch ist das Potenzial beim Hochtief auch begrenzt: Wie schwer gute Handwerker zu bekommen sind, zeigt sich aktuell nicht nur in Deutschland.

Talkpool: Smarte Gebäude sollen Wachstum bringen

Anders als Hochtief ist das schwedische Unternehmen Talkpool noch klein, agiert aber spannenden Bereichen und rollt sein Geschäft zunehmend international aus, wie der kürzlich erfolgte Markteintritt in den USA zeigt. Talkpool bietet Lösungen rund um das Internet der Dinge und hat sich zum Ziel gesetzt, Gebäude smart zu machen und mittels Vernetzungen Energie einzusparen. Auch sorgen die Lösungen von Talkpool beispielsweise dafür, dass etwa Wasserschäden frühzeitig erkannt werden können. Das spart am Ende Geld. Jeder Hausbesitzer kann ein Lied davon singen, wie teuer ein Wasserschaden werden kann – von den Einschränkungen bei dessen Behebung ganz zu schweigen.

Als weiteres Standbein arbeitet Talkpool mit Telekommunikationsanbietern zusammen und sorgt dafür, dass Sendemasten für Telekommunikationsantennen günstiger werden und besser an das jeweilige Umfeld angepasst werden – so stören die Masten weniger und können leichter innerhalb von Wohngebieten aufgestellt werden. Zuletzt vermeldete Talkpool die Auslieferung von Luftreinigungssystemen an zwei Schulen in Leipzig. Das Ziel: Die Luft filtern und den CO2-Ausstoß senken. Talkpool betont, dass die Lösungen auch für andere Gebäude, wie etwa Büros geeignet sind. Kürzlich gab das Unternehmen erfreuliche Zahlen zu den ersten neun Monaten des Jahres bekannt. Unter anderem stiegen die Umsätze um 19,4% auf 17,77 Mio. EUR und das EBITDA erreichte 0,78 Mio. EUR, was einer Marge von 4,4% nach 3,3% im Vorjahreszeitraum entspricht. Gepaart mit den sich ändernden Rahmenbedingungen weltweit, könnte das kleine Unternehmen seinen Wachstumskurs beschleunigen. Die Voraussetzungen dazu sind mit dem neuen Koalitionsvertrag seit gestern besser geworden.

Bilfinger: Diese Dividende überzeugt

Als deutsche Aktie rund um Bau- und Immobilien gilt auch Bilfinger. Das Unternehmen hat seine Bauaktivitäten vor einigen Jahren aber drastisch heruntergefahren und versteht sich heute als Dienstleister für die Industrie. Zuletzt wechselte sogar die Gebäude-Tochter den Besitzer. Das Geschäft umfasst die Instandhaltung von Fertigungsanlagen und bedient Kunden aus allen Bereichen. Dank langfristiger Verträge gelingt es, das eigentlich sehr zyklische Geschäft ein wenig stabiler zu gestalten. Dabei kommt Bilfinger auch der gute Ruf und Name zugute. Außerdem glänzt das Unternehmen mit einer Dividendenrendite, die aktuell bei rund 6% liegt – dafür können konservativ ausgerichtete Investoren durchaus etwas weniger Kurspotenzial in Kauf nehmen.


Gerade für Dividenden-Jäger bieten die Aktien von Hochtief und Bilfinger gute Chancen. Das Potenzial für Kurssteigerungen ist aber begrenzt. Auch liegt der Fokus nicht uneingeschränkt auf dem „grünen" Bauen. Bei Talkpool sieht das schon anders aus. Die Kombination aus Internet-der-Dinge-Lösungen für Gebäude sowie das Geschäft mit der Telekommunikation klingt ansprechend. Jetzt muss nur das Geschäft noch merklich zünden. Wer Dynamik sucht und das Risiko nicht scheut, kann sich die Aktie von Talkpool vormerken.


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